Opec-Gebäude in Wien

Saudi-Arabien und Russland wollen mehr fördern Deckel drauf beim Ölpreis?

Stand: 13.06.2018, 13:53 Uhr

Nach monatelangem Anstieg scheint der Preistrend für den Rohstoff erst einmal zum Stillstand gekommen zu sein. Wer auf eine Verknappung durch neue Sanktionen gegen den Iran gesetzt hatte, merkt jetzt: Öl-Versorgungslücken können schnell geschlossen werden.

Die Förderkürzung der Opec, die seit Januar 2017 dafür sorgt, dass die Ölproduktion des Kartells um 1,8 Millionen Barrel täglich verringert wurde, hat den Preis für Rohöl in den vergangenen Wochen zwar auf ein neues Niveau heben können. Bei Preisen von gut 75 Dollar für ein Fass der Nordseesorte Brent und der US-Sorte WTI scheint aber nun der buchstäbliche "Deckel" auf dem Chart zu sein.

USA zweitgrößtes Förderland

Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass der Rohstoff gar nicht so knapp ist, wie er zum Teil künstlich gehalten wurde. Die USA etwa, die mit ihrer Fracking-Technik ständig neue Bohrlöcher im eigenen Land anzapfen, sind inzwischen zum zweitgrößten Förderland der Welt aufgestiegen. Dabei haben sie Saudi-Arabien überholt und sind dichter auf Russland aufgerückt. Während dort 11,1 Millionen Barrel pro Tag gefördert werden, sind es in den USA inzwischen 10,8 Millionen Barrel. Weiterhin ist Saudi-Arabien, das Land mit den mutmaßlich größten Ölreserven, aber der größte Exporteur.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
71,41
Differenz relativ
+0,24%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
80,46
Differenz relativ
+0,45%

Auch der jüngste Preisschub beim Ölpreis scheint inzwischen zu verpuffen. Die Kündigung des Atomdeals mit dem Iran durch die USA und die Ankündigung neuer Sanktionen gegenüber dem Iran hatte dafür gesorgt. Zusätzlich sorgten auch Rückgänge bei der Produktion in Venezuela für Spekulationen, der Preis für das Fass Öl könnte sich schon bald der Marke von 100 Dollar nähern.

Förderlücken bei Bedarf geschlossen

Diese Entwicklung wird nun aber durch neue Signale aus dem Kreis der großen Förderländer innerhalb der Opec wohl gestoppt. Sowohl Russland als auch Saudi-Arabien sind offenbar bereit, sehr schnell etwaige "Förderlücken" durch eine Anhebung der Produktion zu schließen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete am Mittwoch, Russland wolle eine Rückkehr zum Produktionsniveau vom Oktober 2016 vorschlagen. Das würde bedeuten, dass der Großteil der seit Anfang 2017 geltenden Förderkürzungen wegfallen würde. Die Anhebung um exakt die zuvor gekürzte Menge von 1,8 Millionen Barrel solle dabei auf die beteiligten Opec-Mitglieder aufgeteilt werden.

Ein weiterer Anstieg der Ölpreise wäre damit wohl erst einmal gestoppt. Gut durchaus auch für Verbraucher, die zuletzt hohe Tankrechnungen zu bezahlen hatten. Auch für die Weltkonjunktur und die Aktienmärkte insgesamt wären dies keine schlechten Nachrichten. Billigerer Treibstoff befördert tendenziell das globale Wachstum.

AB