Goldbarren

Edelmetall in Richtung 2.000 Dollar? Das neue Goldfieber

Stand: 02.07.2020, 16:08 Uhr

Die steigenden Corona-Neuinfektionen in Amerika und die fallenden Realzinsen treiben viele Anleger ins Gold. Der Preis für das gelbe Edelmetall ist auf ein Acht-Jahres-Hoch geklettert. Nur ein wichtiger Nachfragetreiber könnte diesmal wegfallen: die Inderinnen.

Normalerweise beginnt im August die indische Hochzeitssaison. Traditionell werden die Ehefrauen mit Goldschmuck beschenkt. Dieser saisonale Effekt beflügelt die physische Goldnachfrage und den Preis für das Edelmetall.

Fällt die indische Hochzeitssaison aus?

Präsentation traditioneller indischer Brautmode

Traditionelle indische Brautmode. | Bildquelle: picture alliance / dpa

In diesem Jahr könnte allerdings die indische Hochzeitssaison kleiner ausfallen oder gar ausbleiben. Denn noch immer befindet sich der Subkontinent weitgehend in Quarantäne. "Der dortige Lockdown wird wohl noch eine ganze Weile bestehen bleiben und die indische Goldnachfrage weitgehend lahmlegen", prophezeit Gold-Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank.

Auch ohne den saisonalen Indien-Effekt sind die Aussichten für Gold rosig. Mehrere Banken haben ihre Prognose für das gelbe Edelmetall angehoben. Die UBS rechnet in diesem Jahr mit einem Preis von mindestens 1.800 Dollar je Feinunze, die Credit Suisse sieht den Kurs bei 1.850 Dollar je Feinunze in einem Jahr. Noch optimistischer ist Goldman Sachs. Die US-Investmentbank traut dem Goldpreis ein Rekordhoch von 2.000 Dollar pro Feinunze im Zuge der aktuellen Rezession zu.

Gold auf Acht-Jahres-Hoch

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
1.840,06
Differenz relativ
-1,61%

Davon ist das Edelmetall nicht mehr weit entfernt. Am Mittwoch kletterte der Goldpreis auf 1.789 Dollar, den höchsten Stand seit Oktober 2012. Der am häufigsten gehandelte Terminkontrakt zur Gold-Lieferung im August überstieg bereits die runde Marke von 1.800 Dollar. Sein Rekordhoch hatte Gold im Jahr 2011 bei 1.921 Dollar erreicht.

In Euro notiert das gelbe Edelmetall längst auf Höchstständen. Mitte Mai schaffte der Goldpreis mit 1.633 Euro je Feinunze eine neue Bestmarke. Seit Jahresbeginn hat sich der begehrte Rohstoff um gut 16 Prozent verteuert.

Hohe Zuflüsse bei Gold-ETFs

Vor allem die Gold-ETFs verzeichneten rasante Zuflüsse. Im hauptsächlich von Großanlegern genutzte SPDR Gold Trust liegen die Bestände mittlerweile bei 1.166 Tonnen, hat die Commerzbank herausgefunden. Das ist das höchste Niveau seit 2013.

Auch die Deutsche Börse spürt einen regelrechten Gold-Run. Das vom Börsenbetreiber angebotene Xetra-Gold wird immer beliebter. 221,7 Tonnen des Edelmetalls lagerten zum 30. Juni in den Tresoren des Börsenbetreiber. Zu Jahresbeginn waren es noch 18,5 Tonnen weniger. Neues Gold kommt immer dann hinzu, wenn Anleger die sogenannte Xetra-Gold-Anleihe erwerben. Für jeden Anteilschein wird ein Gramm des Edelmetalls hinterlegt. Der Wert der Goldbestände liegt mittlerweile bei 11,3 Milliarden Euro - so viel wie nie.

Corona-Pandemie heizt Nachfrage an

Fachleute nennen mehrere Gründe für die hohe Nachfrage des auch als Krisenwährung bekannten Edelmetalls. Dazu gehört in erster Linie der ungewisse Fortgang der Corona-Pandemie. An den Märkten herrscht die Furcht vor einer zweiten Infektionswelle mit abermaligen Einschränkungen des öffentlichen Lebens und negativen Konjunktureffekten vor. Hinzu kommen die geopolitischen Brandherde wie Hongkong oder auch der Handelsstreit zwischen den weltgrößten Volkswirtschaften USA und China.

Lockere Geldpolitik schürt Inflationsangst

Ein weiterer Punkt, der schon seit längerem für Gold spricht, sind die global niedrigen Zinsen. Da Gold keine Zinsen abwirft, entfällt damit ein großer Nachteil des Edelmetalls gegenüber zinstragenden Wertpapieren. Auch wird mitunter befürchtet, dass die extrem lockere Geldpolitik vieler Zentralbanken früher oder später zu einer steigenden Inflation führen könnte. Gold gilt traditionell als wertbeständiger Inflationsschutz. Sollten die Neuinfektionen in den USA weiter zunehmen, könnte die gerade eingesetzte Erholung der US-Wirtschaft wieder ins Stocken geraten. Dann würden die Trump-Regierung und wohl auch die Fed weitere Maßnahmen zur Konjunkturankurbelung durchführen.

Darüber hinaus bekommt das gelbe Edelmetall Rückenwind durch den schwächeren US-Dollar. Fällt der Greenback, wird Gold für Käufer aus anderen Währungsräumen billiger.

nb