Erdölförderanlage

Größter Preisrutsch seit dem ersten Golfkrieg Crash am Ölmarkt

Stand: 09.03.2020, 15:43 Uhr

Der Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland sorgt zu Wochenbeginn für heftige Verwerfungen am Ölmarkt. Die Preise für das schwarze Gold stürzten zeitweise um rund 30 Prozent ab. Das war der größte Einbruch seit dem ersten Golfkrieg 1991.

Nach dem Scheitern der Gespräche zwischen der Opec und Russland über eine gemeinsame Förderbremse will Saudi-Arabien Insidern zufolge seine Produktion hochfahren. Der weltgrößte Ölexporteur plant den Ausstoß im April auf deutlich über zehn Millionen Barrel pro Tag zu erhöhen, meldete am Sonntag Reuters unter Berufung auf Insider. Zum Vergleich: In den vergangenen Monaten waren es 9,7 Millionen bpd.

Saudi-Aramco verbilligt die Lieferungen

Der staatliche saudi-arabische Öl-Konzern Saudi Aramco kündigte am Samstagabend an, den offiziellen Verkaufspreis für alle Sorten und alle Abnehmer zusammenzustreichen. So sollen sich die Lieferungen nach Nordwesteuropa um acht Dollar je Barrel verbilligen. Am Freitag war nach drei Jahren eine Absprache zwischen Russland und der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) zu Fördermengen im Streit aufgekündigt worden. Russland lehnte eine Drosselung der Produktion wegen der Coronavirus-Epidemie ab.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Angesichts des saudisch-russischen Preiskriegs kam es am Montag zum Crash am Ölmarkt. Am Montagmorgen fielen die Notierungen für Rohöl aus der Nordsee und für US-Öl um jeweils etwa 30 Prozent - der stärkste prozentuale Einbruch seit fast 30 Jahren.  Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verbilligte sich um 12.44 Dollar auf 32,83 US-Dollar. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte WTI sackte um 12,44 Dollar auf 28,84 Dollar. Im Tagesverlauf erholten sich die Preise etwas.

Coronavirus drückt Ölnachfrage

Außerdem belastet die Sorge vor den wirtschaftlichen Folge der Coronavirus-Krise. Unter dem Druck der Corona-Epidemie hat sich Erdöl seit Jahresanfang um mehr als ein Viertel verbilligt. Der Ausbruch des Coronavirus drückt auf die Ölnachfrage, weil Flüge gestrichen und Reisen abgesagt wurden, um eine weitere Verbreitung des Erregers zu verhindern und ein Einbruch der Weltkonjunktur befürchtet wird.

Der Ölpreiskrieg zwischen Russland und Saudi Arabien schickte auch Saudi Aramco auf Talfahrt. Die Aktien des staatlichen saudiarabischen Ölkonzerns fielen an der Börse Riad um zehn Prozent auf 27 Riyal und notierten erstmals unter ihrem Ausgabepreis von 32 Riyal.

Fracking-Branche der große Verlierer?

Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Montag unter Berufung auf namentlich nicht genannte Teilnehmer der russischen Delegation bei den Verhandlungen der Opec+ in Wien berichtete, ist die Abkehr Russlands von dem Ölkartell auch als Kampfansage an die Vereinigten Staaten zu verstehen. Der durch die Entscheidung Moskaus ausgelöste Ölpreisverfall dürfte nämlich besonders den nordamerikanischen Fracking-Anbietern schaden. Fracking ist vergleichsweise kostspielig und rentiert sich nur bei eher hohen Preisen.

Was für manche Ölförderländer schmerzlich ist, freut die Wirtschaft und die Verbraucher. Unternehmen wie Fluggesellschaften profitieren von niedrigeren Ölpreisen. Konsumenten können auf fallende Preise für Heizöl und Treibstoff hoffen. An den Tankstellen könnten Benzin und Diesel durchaus sinken - auch wenn der größte Teil des Spritpreises auf die Energie- und Mehrwertsteuer entfällt. Nach Berechnungen des Deutschen Mineralölwirtschaftsverbands ging der Benzinpreis seit Jahresbeginn um acht Cent auf 1,35 Euro pro Liter zurück, Diesel wurde zwölf Cent günstiger und kostete zuletzt weniger als 1,20 Euro pro Liter. Auch die Heizölpreise gingen laut dem Verband "auf breiter Front" zurück.

nb