Nickelproduktion bei Glencore Xstrata Kanada

Dank Wandel in der Automobilbranche Aufwärtstrend von Nickel hält an

Stand: 26.09.2019, 11:00 Uhr

In den vergangenen drei Monaten ist der Nickelpreis um mehr rund 40 Prozent gestiegen. Durch den Wandel hin zum Elektroauto wird der Rohstoff auch in Zukunft gefragt bleiben.

Nach Einschätzung von Nitesh Shah, Analyst beim ETF-Anbieter WisdomTree, wird der Aufwärtstrend bei Nickel weiter anhalten. Die Nachfrage nach dem Schwermetall könnte in den kommenden Jahren von 2,3 Millionen Tonnen auf beinahe vier Millionen Tonnen im Jahr 2040 steigen. Das liegt hauptsächlich daran, dass es in der Batterietechnologie einige Änderungen geben wird.

Batteriehersteller setzen in der Produktion auf einen immer höheren Nickel-Anteil, denn mehr Nickel sorgt für eine höhere Energiebereitstellung auf langen Strecken. Allerdings ist die Lebensdauer eines solchen Akkus auch geringer.

Es gibt fünf verbreitete Batterietechnologien, die auf Lithium-Basis beruhen. Eine davon ist Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt (NMC). Bisher waren in diesen Batterien ausgeglichene Verhältnisse der Rohstoff-Komponenten üblich. Die Analysten von Roskill und Benchmark Mineral Intelligence (BMI) gehen davon aus, dass NMC-Batterien in Zukunft mit einem Verhältnis von 8:1:1 den Markt erobern werden. Demnach würde die weltweite Nachfrage nach Nickel in Zukunft also deutlich steigen.

Tortengrafik: Nickelanteil in Batterien

Nickelanteil in Batterien. | Bildquelle: Wisdom Tree, Grafik: boerse.ARD.de

Das Öko-Institut, eine private Umweltforschungseinrichtung in Freiburg, geht davon aus, dass die globalen Reserven von Nickel ungefähr 74 Millionen Tonnen betragen. 2017 betrug der weltweite Nickelverbrauch rund 2,2 Millionen Tonnen. "Bei der dynamischen Entwicklung der Elektromobilität kann es für einzelne Rohstoffe zu zeitlich begrenzten Engpässen kommen", meint Matthias Buchert, Rohstoff-Experte des Öko-Instituts.

Der Abbau des Lagerbestandes an der Londoner Metallbörse bei steigender Nachfrage und langsamer Produktion sorgt derzeit für steigende Preise von Nickel.

Nitesh Shah von WisdomTree geht in seiner aktuellen Studie davon aus, dass die Preise aufgrund der hohen Nachfrage weiter steigen müssten, langfristig eventuell sogar auf über 24.000 Dollar pro Tonne.

Komplizierte Förderung treibt Preis zusätzlich

Die Bergbauindustrie tut sich schwer damit, die hohe Nachfrage zu stillen. Die Erschließung neuer Minen für Nickel kostet Milliarden, beansprucht viel Zeit und ist mit erheblichen Risiken verbunden. Die Nickelvorkommen sind zwar hoch, allerdings befindet sich ein Großteil im Erdkern oder im Pazifik. Der Nickelanteil in der Erdkruste beträgt nach aktuellen Modellen ungefähr fünf Prozent.

Nickel tritt häufig in Kombination mit anderen Metallen auf. Eine Förderung lohnt sich ab einem Nickelgehalt von 0,5 Prozent. Die überwiegenden Vorkommen liegen in Australien, Kanada, Brasilien und Russland. Durch die erschwerte Förderung gehen einige Experten sogar davon aus, dass sich der große Durchbruch von Elektroautos verzögern könnte.

Nickelpreis

Nickelpreis. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Peaks auch in der Vergangenheit

In der Vergangenheit gab es immer wieder starke Spitzen im Nickel-Chart. Der Peak 1987 resultierte aus einem hohen Produktionsniveau bei Edelstahl und einer gleichzeitigen Verknappung von Edelstahlschrott. Denn daraus wird ein nicht unbeachtlicher Teil der Nickel-Nachfrage gestillt. Der Peak 2007 mit einem Preis von teilweise über 50.000 Dollar pro Tonne Nickel entstand durch eine hohe Nachfrage und Versorgungsschwierigkeiten aufgrund niedriger Bestände.

Indonesische Regierung verbietet Erz-Export

WisdomTree-Experte Shah verweist auch auf die Rolle Indonesiens im Kampf um das begehrte Metall. Durch ein Exportverbot sollen mehr Verarbeiter und Schmelzer direkt in Indonesien gründen und produzieren, bevor sie die fertigen Nickelprodukte exportieren. Dieser Schritt ist aber riskant, zwischen 2014 und 2017 hatte die Regierung das schon probiert, dann aber wegen mangelndem Erfolg die Einführung verschoben. Ab Januar 2020 soll das Verbot gelten.

ms