Schwarzes Ölfass und Dollarzeichen

Förderung mit Fragezeichen Angebotsrisiken treiben Ölpreis

Stand: 04.09.2018, 15:02 Uhr

Eigentlich gibt es derzeit mehr als genug Rohöl in den Vorratstanks der meisten Staaten und Raffinerien. Dennoch klettern die Notierungen für das "schwarze Gold" heute auf den höchsten Stand seit zwei Monaten. Marktteilnehmer fürchten sich vor kommenden Lieferengpässen.

Der Preis für die Nordsee-Sorte Brent am Dienstag um 1,4 Prozent auf ein Zwei-Monats-Hoch von 79,69 Dollar je Barrel. Die US-Sorte WTI verteuerte sich zeitweise um zwei Prozent auf 71,22 Dollar. Gleich ein ganzes Bündel von Ereignissen und Entwicklungen sorgte laut Analysten dafür und der Trend könnte durchaus weitergehen. Experte Michael Dei-Michei von der Beratungsfirma JBC Energy geht sogar davon aus, dass die Marke von 80 Dollar bei Brent demnächst fallen wird.

"Gordon" macht Wirbel

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
60,54
Differenz relativ
+0,72%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,24
Differenz relativ
-0,14%

Ein brandaktueller Grund für die kleine Preisrally ist der Wirbelsturm Gordon, der auf die Golfküste der USA zusteuert. Mehrere Bohrinseln im Golf von Mexiko sind deswegen bereits evakuiert worden. Auch wenn Analysten wie Eugen Weinberg von der Commerzbank eine "signifikante" Störung der Produktions- und Transportflüsse für unwahrscheinlich hält: Selbst dieses "Restrisiko" sorgt an den empfindlich reagierenden Terminmärkten bereits für Ausschläge nach oben.

Deutlich wahrscheinlicher sind Probleme auf der Angebotsseite durch die Verringerung der iranischen Öl-Exporte. Die US-Sanktionen gegen das Land wirken sich hier in einer Verknappungssituation aus. Auch in den krisengebeutelten Staaten Libyen und Venezuela kommt es derzeit immer wieder zu spürbaren Ausfällen.

US-Bohrlöcher werden nicht mehr

Verschärft wird derzeitige Trend zur Verknappung dadurch, dass die Fördermengen in den USA zurzeit nicht steigen. US-Firmen sind offenbar im Moment nicht bereit, ihre Kapazitäten weiter auszuweiten und neue Bohrlöcher zu erschließen, so beurteilen zumindest die Energieexperten der Barclays Bank die Situation.

Die Entwicklung spielt am Aktienmarkt vor allem den Ölmultis in die Hände, deren Kurse im Takt der Notierungen am Terminmarkt steigen. Höhere Weltmarktpreise bedeuten für sie höhere Konzerngewinne. Nach Jahren des Überangebots sprudeln bei ExxonMobil, Shell & Co. nicht nur die Ölquellen, sondern auch die Gewinnmitnahmen wie lange nicht, das haben bereits die Zahlen der Branchenvertreter zum abgelaufenen Quartal belegt.

Spritpreise auf Jahreshoch

Für Verbraucher hat die Entwicklung eher nachteilige Wirkung: Kosten für Heizöl sind eng an den Weltmarktpreis für Rohöl gebunden und Benzinpreise haben in Deutschland zuletzt sogar ein Jahreshöchstniveau erreicht. Ihnen bleibt die Hoffnung auf die saisonale Abschwächung der Ölpreise im Herbst. Statistisch gesehen erreichen die Ölpreise im Oktober regelmäßig ein Jahreshoch, auf das dann ein Preisrückgang bis zum neuen Jahr folgt.

Rohöl saisonal 30 Jahre. | Bildquelle: Seasonalcharts, Dimitri Speck

AB