Michael Petefish auf seiner Sojafarm in Minneapolis, MN, USA

Missernten und Nachfrage treiben Preise Sonderkonjunktur für Agrarrohstoffe

Stand: 07.01.2020, 11:51 Uhr

Die Preise für Reis, Soja, oder pflanzliche Öle wurden in den vergangenen Monaten kräftig durcheinander gewirbelt. Ernten bei den so genannten "Soft Commodities" leiden oft unter ungünstigen Wetterbedingungen. Für Anleger und Konsumenten kann das Folgen haben.

Übermäßig nasse Felder in den USA im vergangenen Sommer - und die Preise für Reis, Soja, Mais und Weizen sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Bei Reis lag das Plus bei 28 Prozent. Der Maispreis kletterte wegen der sommerlichen Regenfälle in den USA sogar um bis zu 30 Prozent, bevor er wieder zurückging. Experten rechnen dennoch mit einer um fünf Prozent unter Vorjahr liegenden US-Maisernte von 347 Millionen Tonnen, dem dritten Rückgang in Folge, heißt es weiter.

Bei der Reisernte sorgten auch schwache Erträge in Brasilien für ein geringeres Angebot, dem eine weiterhin hohe Nachfrage gegenüber steht.

USA wollen Anbaufläche erweitern

Weizenernte

Weizenernte. | Bildquelle: Imago

Ob der Klimawandel für zuletzt vermehrt extreme Wetterbedingungen verantwortlich ist, lässt sich schwer beantworten. Immerhin wollen die USA nun mit einem Ausbau der Anbauflächen aus die schwächeren Maisernten der vergangenen Jahre reagieren.

Die im Vergleich zum Vorjahr höheren Weizenernten auf der Nordhalbkugel dürften bei dieser Getreidesorte dagegen eine Produktion auf Rekordniveau erwarten. Auch für 2020/21 spricht bisher wenig gegen eine hohe Produktion, meint etwa Commerzbank-Analystin Michaela Kuhl in einer aktuell erschienenen Studie.

Schweinepest in Afrika mit Folgen

Soja-Bohnen und-Schoten

Soja-Bohnen und-Schoten. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bei Sojabohnen, einem wichtigen Tiernahrungs-Rohstoff, soll es 2019/20 zu einem "Lagerabbau" kommen, sprich auch hier könnte eine Verknappung mit tendenziell steigenden Preisen entstehen. Der Sojamarkt steht weiterhin unter dem Druck des US-chinesischen Zollstreits. Solange ein Abkommen zwischen den USA und China nicht unter Dach und Fach sei, bleibe die politische Komponente ein bestimmender Faktor an diesem Markt, so die Commerzbank.

Nicht nur Wetterumschwünge und Klimaveränderungen sorgen für Preisturbulenzen im Markt für Agrarrohstoffe, sondern auch eine veränderte Konsumentenhaltung. Das gilt zum Beispiel für Hafer. Weil Hafermilch als Ersatz für traditionelle Kuhmilch in den Supermarktregalen immer stärker verlangt wird, sind zuletzt die Preise für Hafer deutlich geklettert. Zuletzt verzeichnete der Preis das vierte Aufwärtsjahr in Folge. Ob die Notierungen aber weiter steigen werden, bleibt abzuwarten. Für 2020 wird prompt eine Ausweitung der Anbaufläche für Hafer erwartet.

Eine ganz andere Sonderentwicklung hat zuletzt die Preise von Speiseölen angetrieben. Weil in Afrika durch die Ausbreitung der Schweinepest weniger Sojabohnen als Tierfutter verarbeitet werden, entsteht weniger Sojaöl als Nebenprodukt. Die Folge: Sojaöl verteuerte sich im vergangenen Jahr um 27 Prozent. Bei Palmöl dagegen wirkte sich die höhere Nachfrage nach Biokraftstoffen in einer Verknappung auf dem Markt aus, hier lag der Preisanstieg im vergangenen Jahr sogar bei 47 Prozent.

AB