Rohstoffe

Montage aus Mais, Kaffee, Kakaobohnen und Weizen

Wetter und Ernten bestimmen den Preis Agrarrohstoffe mit eigenen Gesetzen

Stand: 23.03.2016, 16:38 Uhr

Weizen, Kaffee, Zucker, Baumwolle - die Welt der Agrar-Rohstoffe erscheint auf den ersten Blick gut begreifbar. Schließlich hat der Anleger mit vielen der "Commodities" beinahe täglich direkten Kontakt. Wer in Agrar-Rohstoffen anlegen will, sollte einige Eigenarten beachten.

Die Spekulation mit landwirtschaftlichen Gütern hat einen schlechen Ruf. "Zocken" mit Weizen oder Mais treibe die Preise und verstärke sogar potenziell Hungersnöte durch künstlich erzeugte Preiskapriolen, so der übliche Vorwurf. Auf der anderen Seite wird der Spekulation vorgeworfen, sie drücke die Preise und bringe dadurch kleine Produzenten in Not. Die Gegner der These verweisen darauf, dass der eifrige Handel mit den "Soft Commodities" für hohe Liquidität im Markt sorgt und damit starke Verwerfungen durch einige Spekulanten eher verhindert. Historisch gesehen gab es immer wieder Phasen mit höheren und niedrigeren Schwankungsbreiten im Markt für Agrar-Rohstoffe - in vielen Fällen hing das allerdings mit Einflussfaktoren auf einzelne Rohstoffe zusammen.

Dürren und Wirbelstürme

Die sind im Markt für die Soft Commodities oft sehr spezifisch. So kann ein Frosteinbruch in Brasilien die Kaffeeernte negativ beeinflussen und damit den Preis stark nach oben treiben. Politische Spannungen im wichtigsten Kakao-Anbauland, der Elfenbeinküste, können zu Wallungen an den Warenterminmärkten für den Schokoladen-Grundstoff führen und selbst den Preis der Schoko-Osterhasen in deutschen Supermärkten beeinflussen. Der Preis für Orangensaft wird durch die Hurrikan-Saison in Florida hin und her gewirbelt, gefährdet diese doch die Ernte der Südfrucht in dem wichtigen Anbaugebiet.

Während der vergangenen Monate war die Mehrzahl der Agrar-Rohstoffe preislich im Sinkflug begriffen. Gute Ernten hohe Lagerbestände sorgten etwa bei Weizen oder Mais, für ein Anhalten des Abwärtstrends. Bei Zucker und Kaffee etwa zeigen die Preistrends seit einigen Woche allerdings stramm aufwärts (s. dazu unsere Übersicht: Agrarrohstoffe im Überblick). Insgesamt scheinen die Notierungen für die Soft Commodities ebenfalls aus ihrem Abwärtstrend entronnen, wie der Chart eines Branchen-ETF zeigt, der 20 Agrarrohstoffe abbildet (s. unsere Grafik).

RBS Market Access RICI Agrar

RBS Market Access RICI Agrar. | Bildquelle: JustETF, Grafik: boerse.ARD.de

Währungs- und Roll-Effekte

Wer in einzelne Rohstoffe gewinnbringend investieren will, muss sich also mit Wetterdaten, saisonalen Effekten und politischen Rahmenbegingungen auseinandersetzen. Aber dazu kommen noch weitere Einflussfaktoren auf die Rendite: Ein wichtiger ist das Währungsgefüge. Der Kurs des brasilianischen Real im Verhältnis zum US-Dollar, der Währung in der Kaffee-Kontrakte gehandelt werden, ist ein solcher Faktor. Er kann den Weltmarktpreis direkt und auch noch indirekt beeinflussen. Fällt der Real etwa gegenüber der US-Währung anhaltend, kann dies auch dazu führen, dass die Produzenten in Südamerika ihre Lagerbestände auflösen, um einem weiteren Wertverfall vorzubeugen. Das Überangebot hat sofort einen negativen Effekt auf den Handelspreis.

Agrar-Rohstoffe werden wie auch Gold und Öl an Warenterminmärkten gehandelt. Die Future-Kontrakte, mit denen die Börsenprofis dort agieren, sind gleichsam eine Spekulation auf einen "Liefer-Preis" in der näheren oder ferneren Zukunft. Diese Terminkontrakte sind mit monatlich gestaffelten Laufzeiten versehen. Will ein Investor nun länger in einem Rohstoff investiert bleiben, dann heißt es "rollen". Der auslaufende Kontrakt wird verkauft, ein länger laufender gekauft. Dabei entstehen einerseits Transaktionskosten, andererseits kann es zu "Rollverlusten" kommen, nämlich dann, wenn die Kontrakte mit der längeren Laufzeit mit einem höheren Preis gehandelt werden. Dieser "Contango"-Effekt, bildet die Erwartung der Marktteilnehmer auf künftig steigende Preise ab.

Wie investieren in Agrar-Rohstoffe?

Transaktions-Kosten und Rollverluste belasten das Investment in Rohstoffe in jedem Fall - auch wenn Privatanleger in der Regel nicht an den Warentermin-Märkten agieren. Sie greifen meist zu Zertifikaten, ETC (Exchange Traded Commodities), Fondsprodukten oder auch CFDs (Contracts for Difference).

Für den aktiven und kursfristig interessierten Investor eignen sich Zertifikate und CFDs am ehesten. Hier werden die Preisbewegungen einzelner Rohstoffe exakt nachvollzogen. Mit beiden Instrumenten kann gleichermaßen auf steigende wie fallende Kurse "gewettet" werden. Zudem kann das Investement auch "gehebelt" werden, also mit geringem Kapitaleinsatz Preisveränderungen ausgenutzt werden.

Für längerfristig orientierte Investoren in den Agarrohstoff-Sektor eignen sich die ETC-Produkte ebenso wie ETFs. Bei ersteren handelt es sich um börsengehandelte Schuldverschreibungen, die aber in vielen Fällen "physisch" mit dem entsprechenden Rohstoff unterlegt sind, also durch einen "Lieferanspruch" eine höhere Sicherheit bieten sollen als Zertifikate. ETFs, also börsengehandelte Indexfonds, beziehen sich im Agrar-Rohstoffbereich in der Regel auf einen Index, der die Wertentwicklung einer größeren Anzahl von Basiswerten abbildet (s. dazu unseren Überblick: Investieren in Soft Commodities).

AB