Buchkritik

Sparer Fibel

"Die Sparer-Fibel" Plädoyer für die Aktie

von von Notker Blechner

Stand: 01.09.2014, 11:53 Uhr

Wohin mit dem Ersparten angesichts der Niedrigzinsen? "Börsenpfarrer" Uwe Lang hat in seinem neuesten Buch "Die Sparerfibel" die klassischen Geldanlageformen wie Sparbuch, Festgeld und Bundesanleihen kritisch analysiert. Und schlägt Alternativen vor.

Der Titel täuscht. Die "Sparer-Fibel" von "Börsenpfarrer" Uwe Lang, Klaus Haidorfer (Swissinvest) und Martin Blaschke (Börsensignale von Swissinvest) listet zwar die unterschiedlichen Spar-Anlagemöglichkeiten auf - von Kapital-Lebensversicherungen, Anleihen, Immobilien, Fonds bis hin zu Gold. Letztlich aber ist das Buch eher ein Ratgeber für Aktien.

Das zeigt sich schon am Inhaltsverzeichnis. Auf nur 25 Seiten werden die diversen Anlageformen wie Anleihen, Fonds und Lebensversicherungen abgehandelt. Der überwiegende Rest des Buchs ist der Aktie gewidmet.

Aktien sind alternativlos

Für den evangelischen Pfarrer Lang, der seit Jahren die Werbetrommel für Aktien rührt, ist die Sache klar: Die Aktie ist das einzige geeignete Anlageprodukt mit guter Rendite. "Alternativen gibt es zurzeit leider keine." Denn die Niedrigzins-Phase bringt den guten alten Spar-Klassikern wie Sparbuch, Festgeld oder Bundesanleihen oft nicht einmal mehr ein Prozent Zinsen pro Jahr, was nicht einmal die Geldentwertung ausgleicht. Daran könnten auch Köder-Angebote der Banken mit wohlklingenden Namen wie "Wachstumskonten", "Bonus-Sparplänen" und "AuszahlPlan-Konten" nicht hinwegtäuschen, die mit maximal 1,8 Prozent Rendite locken. Darüber könne man nur lachen, meint Lang.

Alleine mit den Dividenden der Aktien lasse sich inzwischen mehr Geld verdienen als Bundesanleihen. So etwas habe es in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg bis vor wenigen Jahren nicht gegeben, schreibt Pfarrer Lang am Anfang des Buches. Zudem sei das Geld auf dem Bank-Konto auch nicht ewig sicher, weiß der Buchautor und verweist auf den versuchten Zugriff auf die Kleinsparer in Zypern.

Die meisten Deutschen legen ihr Geld falsch an

Leider würden immer noch 85 Prozent der Bundesbürger unrentabel ihr Geld anlegen, statt einfach mal Aktien zu kaufen, beklagt Lang. "Sie sind mit Minizinsen auf dem Sparbuch, bei Bundesanleihen oder bei Festgeldern zufrieden, weil sie bei Aktien das große Nervenflattern bekommen oder auf Riesenverluste am Neuen Markt verweisen." Wahrscheinlich habe das negative Trommelfeuer der Medien über drohende Staatspleiten, Zusammenbrüche von Banken und die zahlreichen Rettungsmaßnahmen der Politik die Vertrauenskrise in der Bevölkerung zu Aktien noch verstärkt, vermutet Lang.

In verständlichem Deutsch für Börsen-Laien erklärt Lang zusammen mit seinem Geschäftspartner Klaus Haidorfer und Redakteur Martin Blaschke, wie man Aktien kauft, auf was man achten soll und wann der richtige Zeitpunkt zum Kauf und Verkauf der Wertpapiere ist. Über- und unterbewertete Aktienmärkte könne man am Kurs-Umsatz-Verhältnis, an der 200-Tage-Linie und am 20-Jahres-Durchschnitt der Indizes erkennen.

Neunmonats-Hochs/-Tiefs als Anhaltspunkt

Ein eigenes Kapitel widmet sich den Trendmethoden am Aktienmarkt. Grundsätzlich gelte immer noch die alte Börsenregel "Der Trend ist Dein Freund!". Man sollte sich aber nicht blind darauf verlassen und immer im Auge behalten, wie historisch fair die Kurse sind. Als wichtigen Anhaltspunkt sieht Lang die Neunmonats-Hochs und Neunmonats-Tiefs. "Überwiegen fünf Wochen hintereinander die Neun-Monats-Tiefs, ergibt dies ein Verkaufssignal. Überwiegen dann  wieder einmal drei Wochen hintereinander die Hochs, wird zum Einstieg geklingelt."

Von Stop-Kursen hält der "Börsenpfarrer" nicht viel. Er empfiehlt stattdessen, Aktien dann zu verkaufen, wenn sie auf ein Neun-Monats-Tief fallen. "Wenn mehr Aktien ein neues Neun-Monats-Tief melden, als es Aktien mit einem neuen Neun-Monats-Hoch gibt, sieht Lang ein Alarmsignal. Einen solchen Fall beobachtete er Ende Oktober 2007. Wer zum damaligen Zeitpunkt ausstieg, konnte die gesamte Baisse 2008 vermeiden.

Auch saisonale Trends nimmt er ernst. Historische Analysen hätten tatsächlich ergeben, dass statistisch die Börsen in den vier Monaten von Juni bis September schlecht abschneiden. Langs Rat lautet deshalb: Verkaufe am letzten Freitag im Mai und kaufe am zurück am letzten Freitag im September!

Nur kurzlaufende Anleihen geeignet!

Ganz verteufeln will Lang die alternativen Anlageformen zu Aktien nicht ganz. So empfiehlt er durchaus Anleihen mit einer überschaubaren Laufzeit von drei Jahren. Auch gegen die eigengenutzte Immobilie sei nichts einzuwenden. Von Immobilien zum Zwecke der Vermietung sollte man aber die Finger lassen - wegen Nebenkosten, Steuern auf die Mieten und Ärger mit den Mietern.

Und Gold? Derzeit besser nicht, meint Lang. Gegenüber dem 20-Jahres-Durchschnitt sei das gelbe Edelmetall derzeit zu hoch bewertet. Zumal auch momentan nicht die große Inflation drohe. Denn die enorme Liquidität, die die Notenbanken in die Märkte gepumpt haben, sei bislang nicht über die Kreditvergabe in den Wirtschaftskreislauf gegeben worden. "Die Inflation kann nicht steigen, wenn niemand außer der Finanzwirtschaft etwas mit dem Geld unternimmt", schreibt Lang in einem Extra-Kapitel. Mehr noch: Durch Billionen-Abschreibungen der Banken sei die Geldmenge geschrumpft, meint Lang. "Was die Regierungen und Zentralbanken getan haben, war letztlich keine Ausweitung der Geldmenge, sondern ein Auffüllen zur Verhinderung von Deflation."

Ein Kapitel gegen Untergangspropheten

Die Angst vor einer Hyperinflation hält Lang für völlig abwegig. Die US-Staatsverschuldung sei gemessen am Sozialprodukt aktuell nicht wesentlich höher als in den 1980er Jahren unter Präsident Ronald Reagan. Die derzeitigen Sorgen vor einer Hyperinflation basierten weniger auf stichhaltigen Argumenten als auf einem gehörigen Maß an Unsicherheit. Dem Ruf der Untergangspropheten sollte man daher nicht folgen, rät Lang seinen Lesern.

Fazit: Das Buch von Lang, Haidorfer und Blaschke ist ein nützlicher Beitrag zur deutschen Aktienkultur. Es dürfte vor allem für Aktien-Neueinsteiger geeignet sein, die sich ein neues Depot zusammenstellen wollen. Die posthume Anerkennung der Bücher Langs vom verstorbenen Börsen-Altmeister André Kostolany auf der Rückseite des Buches ("Sehr lesenswert, brauchbarer als Dutzende anderer Bücher über die Börse") wäre da wirklich nicht nötig gewesen…