Brennende Bitcoinmünze

Kryptowährungen weiter unter Druck Wie ein Funke im trockenen Wald

Stand: 06.04.2018, 13:55 Uhr

Die Zeiten, in denen Käufer von Kryptowährungen quasi über Nacht zu Millionären wurden, sind längst vorbei. So ist der Wert eines Bitcoin in den ersten Monaten dieses Jahres drastisch eingebrochen. Geht es nach den Forschern der ETH Zürich, wird der Abstieg weitergehen.

Die beiden Forscher Didier Sornette und Spencer Wheatley haben berechnet, dass die Marktkapitalisierung der Digitalwährungen eigentlich um 35 Prozent geringer sein sollte als derzeit. Statt 120 Milliarden Dollar könnte der Marktwert bis Jahresende auf 77 Milliarden Dollar schrumpfen. Sollte sich diese Prognose bewahrheiten, dürfte besonders der Kurs der Bitcoin als bekannteste und am weitesten verbreitete Kryptowährung in den nächsten Monaten weiter zurückgehen.

Die Forscher haben sich bei ihren komplexen Berechnungen auf das Metcalfsche Gesetz berufen. Dabei handelt es sich um eine Faustregel über das Kosten-Nutzenverhältnis von Kommunikationssystemen. Danach berechnet sich der Wert eines Netzwerks proportional zu den möglichen Verbindungen unter den Teilnehmern.

Bereits vier Blasen

In ihrer Untersuchung haben die Forscher insgesamt vier spekulative Bitcoin-Blasen ausgemacht, die geplatzt sind. Der erste große Absturz ereignete sich 2011. Damals wurde die bekannte Bitcoin-Börse Mt. Gox gehackt. Darauf sackte der Kurs innerhalb von drei Monaten um 88 Prozent ab.

2012 sorgte ein Betrugsskandal zum Absturz, 2013 brach der Kurs ein, nachdem das Handelsvolumen die Börse Mt. Gox überforderte. Daraufhin stürzte der Wert binnen zwei Tagen um 40 Prozent ab. Jüngst platzte Ende 2017 die Blase, nachdem die südkoreanischen Regulierungsbehörden damit gedroht hatten, die Krypto-Börsen zu schließen. Der Kurs schnellte bis vor Weihnachten auf 20.000 Dollar in die Höhe, brach dann ein und pendelt derzeit um 6.500 Dollar.

Zeitpunkt absehbar

Laut Sornette war der Zeitpunkt dieses Absturzes vorhersehbar. Denn die überzogenen Steigerungsraten führten zu einer enormen Volatilität. Dadurch wurde der Markt immer instabiler, so dass fast jede kleine Störung einen Zusammenbruch auslösen konnte. Und genau das sei auch passiert.

Die Situation lasse sich mit einem Waldbrand vergleichen: Ist der Wald trocken genug, um zu brennen, kann fast jeder Funke einen Brand entfachen.

Düstere Zukunft

Auch der in der Studie zitierte Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller sieht die Zukunft der umstrittenen Digitalwährungen düster. Der Bitcoin werde vermutlich "total kollabieren" und letztlich in Vergessenheit geraten, prophezeite Shiller bereits im Januar. Der Boom der Kryptowährung erinnere ihn an die letztlich geplatzte Tulpenblase im Holland des 17. Jahrhunderts. Kryptowährungen seien das beste Beispiel für "irrationale Übertreibungen" an den Finanzmärkten.

Wirtschaftlich irrationales Verhalten übe ohnehin einen maßgeblichen Einfluss bei Spekulationswellen aus, erklärt auch Eugene Fama, der die Hypothese von Markteffizienz aufgestellt hat. Er versteht nicht, wozu Bitcoin eigentlich dienen soll und sagt: "Jeder, der glaubt, dass Bitcoin eine Blase ist, sollte jetzt auf fallende Kurse setzen."

lg