Bitcoin am Weihnachtsbaum

Der Bitcoin-Knigge zum Fest Wie auch Oma und Opa den Bitcoin verstehen

Stand: 22.12.2017, 11:17 Uhr

Kaum sitzt die Familie an Weihnachten beisammen, kommen die Themen des vergangenen Jahres auf den Tisch. Da gab es die Bundestagswahl, die Ehe für alle, das Aus für Jamaika – und natürlich den Bitcoin. boerse.ARD.de zeigt, wie man am besten über die Kryptowährung redet, damit auch Oma und Opa alles verstehen.

Weihnachten ist nicht nur das Fest der Liebe, sondern auch Zeit der großen Gespräche. Einige Familien reden gern stundenlang über Krankheiten. Andere machen aus den schulischen Leistungen der Kinder einen Wettkampf oder regen sich gemeinsam über die Politik auf. Topthemen wie "#MeToo" und die gescheiterten Jamaika-Gespräche gehören in diesem Jahr wohl ebenso unter den Weihnachtsbaum wie die Geschenke.

Bitcoin in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Crypto Currencies für den Zeitraum Intraday
Kurs
7.380,04
Differenz relativ
+0,36%

Nichtsahnend hat man also gerade das letzte Stück Braten verschlungen und wartet auf den Nachtisch – da fällt der alarmierende Satz vom Opa: "Es gibt ja jetzt auch diesen Bitcoin."

Meist wandern die Blicke der älteren Gesprächsteilnehmer dann zur Generation U30. Denn die ist doch noch jung – die muss doch wissen, was es damit auf sich hat. Schon stellt jemand die erste Frage: "Erklärt doch bitte mal, was ist denn das, dieser Bitcoin?" Der U30-Generation wird klar: Der Nachtisch muss wohl erst einmal warten.

Erster Gang: Kryptowährung

Vier Bitcoin-Münzen

Bitcoins. | Bildquelle: Imago

Nun gibt es mehrere Möglichkeiten, diese Frage für alle Anwesenden zu beantworten. Zunächst der Versuch, den Begriff "Kryptowährung" zu erläutern:

"Der Bitcoin heißt übersetzt digitale Münze und ist eine Kryptowährung, also ein digitales Zahlungsmittel. Damit die Daten, die dieser Währung zugrunde liegen, sicher sind, basieren sie auf dem Prinzip der Kryptographie: Die Daten werden verschlüsselt. Mit Kryptowährungen kann man anonym und innerhalb von wenigen Minuten Geld über das Internet versenden."

Zweiter Gang: Die Blockchain-Technologie

Wenn Oma und Opa dann noch zustimmend nicken, hat die U30-Generation schon mal alles richtig gemacht. Weiter geht es dann mit der Technik dahinter:

Bitcoin Serie: Blockchain

Bitcoin Serie: Blockchain. | Bildquelle: colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

"Der Bitcoin entsteht durch die Blockchain-Technologie. Dabei werden unzählig viele Datenblöcke aneinander gehängt, wie bei einem digitalen Logbuch. Daher heißt es auch Blockchain, also Blockkette. Ungefähr alle zehn Minuten wird von irgendeinem Rechner des Bitcoin-Netzwerkes eine komplizierte mathematische Aufgabe gelöst. Derjenige, der den Block gefunden und gelöst hat, bekommt als Belohnung Bitcoins. Momentan sind das 12,5 Bitcoins pro Lösung. Erst dann wird der nächste Block der Blockchain gefunden."

Für technikaffine Familienmitglieder kommt dann noch ein kleiner Nachschlag:

"In diesem Block werden dann Transaktionen bis zu einer Gesamtgröße von maximal einem MB gesammelt und verarbeitet. Sind die zehn Minuten rum, wird der Block mit einem Code aus dem vorherigen Block verschlüsselt und an die lange Blockkette angehängt. Sobald das geschehen ist, kann nichts mehr am Inhalt des Blocks verändert werden."

Dritter Gang: Die Nutzung

An diesem Punkt kann es dann passieren, dass die Familienangehörigen sich doch lieber wieder dem Thema Krankheiten widmen. Da kann zumindest gefühlt jeder mitreden. Falls aber doch niemand abwehrend die Hand hebt, ist es an der Zeit für die praktische Verwendung des Bitcoins:

Die wenigsten shoppen mit dem Bitcoin. | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Der Bitcoin wurde als Zahlungsmittel entworfen. Auf einer Online-Plattform, also einer Börse, kann man sich eine eigene Geldbörse anlegen und dann Bitcoins zu einem bestimmten Kaufpreis in Euro kaufen. Wikipedia nimmt unter anderem Spenden in Form von Bitcoin an, aber bislang akzeptieren nur wenige Unternehmen den Bitcoin als Zahlungsmittel. Mit einer entsprechenden Kreditkarte, die Bitcoins in Euro umrechnet, kann man aber im Grunde überall dort mit Bitcoin bezahlen, wo auch Kreditkarten akzeptiert werden. Aber eigentlich ist er zum Shoppen zu schade."

Beim Wort "Shoppen" wird die weibliche Fraktion sicherlich hellhörig werden. Schon folgt die nächste Frage: "Wieso sollte man den Bitcoin denn nicht ausgeben?"

"Der Wert eines Bitcoins ergibt sich ganz klassisch aus Angebot und Nachfrage. In den vergangenen Monaten hat die Nachfrage das Angebot meistens deutlich überstiegen, dadurch ist der Preis rasant gestiegen. Allerdings schwankt der Wert auch massiv. Daher ist der Bitcoin momentan als Zahlungsmittel nicht besonders gut geeignet. Viele Menschen glauben, dass der Preis für einen Bitcoin noch steigen wird. Daher dient er momentan den meisten als Spekulationsobjekt."

Kurz einen Schluck vom guten Wein - dann kann noch eine nette Anekdote hinzugefügt werden:

"Der Legende nach waren die ersten Produkte, die mit Bitcoins bezahlt wurden, zwei Pizzen. Sie kosteten damals 10.000 Bitcoins. Die beiden Pizzen wären beim heutigen Kurs von rund 14.000 Dollar also 140 Millionen Dollar wert. Die meisten Bitcoin-Anleger horten daher lieber und hoffen auf einen weiterhin steigenden Kurs."

Vierter Gang: die Zukunft

Der Bitcoin als Anlage? Da will auch der Rest der Familie will plötzlich wissen, ob das eine gute Idee ist. Die Antwort darauf ist nicht einfach, schließlich ist es abhängig vom jeweiligen Anlegertypen.

Bitcoin Futures

Bitcoin Futures. | Bildquelle: colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

"Anhänger sind überzeugt, dass der Bitcoin die Welt verändert und die Währung der Zukunft ist. Die Bitcoin-Gegner sprechen von einer Blase, die platzen kann. Viele sind trotzdem interessiert an der Technologie und beobachten die Entwicklungen des Bitcoins. Der hat seit Mitte Dezember sogar jeweils einen Future an den amerikanischen Terminbörsen CME und CBOE geschafft. Dort kann er als Terminkontrakt gehandelt werden."

Ein Raunen geht durch die Runde – die meisten Gesprächsteilnehmer scheinen nun tatsächlich etwas vom Bitcoin verstanden zu haben. Doch bevor Onkel oder Tante plötzlich das Smartphone zücken und ein Wallet eröffnen, noch schnell ein abschließender Satz:

"Der Bitcoin ist nichts für schwache Nerven. Man sollte sich des erheblichen Risikos bewusst sein, bevor man sein Geld in Kryptowährungen investiert. Gerade kurz vor Weihnachten ging es nochmal ordentlich nach unten mit dem Bitcoin. Aber nun nochmal was anderes, was haltet ihr eigentlich von der dritten Runde GroKo?"

Dann ist auch Zeit für den Nachtisch.

jz