Bitcoin mit Chart

"Shorten" mit der Kryptowährung Wetten auf den Bitcoin-Crash

Stand: 05.12.2017, 11:29 Uhr

Der Kurs des "digitalen Geldes" schnellt in immer neue Höhen. Während die Fans des Bitcoin und einige Experten eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung erwarten, schauen sich Kritiker und kurzfristig orientierte Spekulanten schon nach Instrumenten um, mit denen auf fallende Kurse gewettet werden kann.

Mit dem Start der ersten Futures-Kontrate an den Terminbörsen CME und CBOE Mitte Dezember startet eine neue Zeitrechnung für den Handel mit Bitcoin. Wenn große Investoren mit hohen Summen in den Markt einsteigen, wird der Preis vielleicht bald maßgeblich vom Terminmarkt bestimmt, der die Einschätzung der Profis abbildet und weniger von den Notierungen an den Bitcoin-Handelsplätzen, auf denen sich auch viele Privatanleger tummeln.

Bitcoin in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Crypto Currencies für den Zeitraum Intraday
Kurs
8.512,41
Differenz relativ
+3,24%

Per Terminkontrakt kann ein Händler aber nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Kurse setzen. Und darauf dürften viele kurzfristig orientierte Spekulanten nur gewartet haben, die den Kurs der Kunstwährung für heißgelaufen und überbewertet halten.

Spielzeug nur für Profis

Für Privatanleger, die bei der Wette gegen den Bitcoin mitmachen wollen, ist ein Future kaum zu empfehlen. Zu groß sind der Einsatz und die Risiken bei den Instrumenten, bei denen die Verluste sogar den Einsatz weit überschreiten können. Zudem muss ein Kleinanleger zunächst ein Broker-Konto eröffnen, das den Future-Handel überhaupt anbietet. Und er muss für eine "Termingeschäftsfähigkeit" Erfahrungen beim Handel mit den Produkten mitbringen.

Zertifikate mit Einschränkung

Deutlich einfacher ist es, mit speziellen Produkten auf fallende Bitcoin-Kurse zu wetten, wie sie die Zertifikate- und CFD-Industrie bereits im Angebot haben. Der Schweizer Zertifikate-Emittent Vontobel hat bereits 2016 als erster Anbieter am deutschsprachigen Markt ein Tracker-Zertifikat auf den Bitcoin aufgelegt, mit dem Anleger am steigenden Bitcoin teihaben konnte. Seit November 2017 gibt es zwei "Short Mini-Futures", ebenfalls Zertifikate, mit denen vom fallenden Kurs profitiert werden kann. Das maximale Gewinnpotenzial ist dann erreicht, wenn der Kurs des Basiswerts (Bitcoin) auf Null fällt. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Die Short-Futures verlieren grundsätzlich an Wert, wenn es nicht zu einem Kursverlust des Bitcoin kommt. Kleiner Schönheitsfehler für deutsche Privatanleger: Die Produkte sind nur an der Schweizer Derivatebörse SIX handelbar.

CFDs mit Haken und Ösen

Per CFD (contract for difference) ist der Handel im Prinzip einfacher und transparenter. Schließlich wird hier direkt ein Kurs des Bitcoins dargestellt, den man wahlweise kaufen und eben auch verkaufen, also "shorten" kann. CFDs sind allerdings lediglich eine Wette auf einen Basispreis. Der Kurs wird vom Emittenten "gestellt", muss also nicht exakt dem an den üblichen Bitcoin-Handelsplätzen entsprechen. Zudem muss der Kunde eigens ein CFD-Konto bei einem Broker eröffnen, der die Krypto-Währung im Angebot hat. Das sind im deutschen Sprachraum etwa IG Markets und Ayondo Markets. Nicht zuletzt werden die Bitcoin-CFDs mit enormen Spreads (Differenz von Ankaufs- zu Verkaufspreis) von derzeit 50 bis 60 Dollar pro Bitcoin gehandelt.

Margin-Handel an Bitcoin-Börse

Auch auf "klassische Weise" können Bitcoin "geshortet" werden. Dies bieten Handelsplattformen wie Bitfinex, einer der weltweit größten Anbieter, an. Dabei werden durch eine Short-Order Bitcoin die Währungseinheiten "geliehen", um sie dann zu verkaufen. Ein solcher Leerverkauf ist bei Aktien durchaus üblich, wird aber zumeist ebenfalls von Anlageprofis vorgenommen. Stets muss eine Sicherheitseinlage (Margin) dabei hinterlegt werden, zudem erheben die Handelsplätze Gebühren je Trade. Anleger sollten auch beachten, dass es sich bei den Bitcoin-Börsen zumeist um Unternehmen in der Grauzone des Finanzmarktes handelt, die nicht reguliert sind. Auch bei Bitfinex kam es im vergangenen Jahr zu einem Sicherheitsleck, bei dem Bitcoins gestohlen wurden.

Gegen Bitcoin-Gewinner wetten

Wer der Bitcoin-Hausse insgesamt kritisch gegenübersteht, kann auch auf fallende Kurse derjenigen Aktien setzen, die von der Krypto-Währung in den vergangenen Jahren profitiert haben. So gelten die Chip-Unternehmen Nvidia und AMD als Gewinner der Entwicklung der vergangenen Jahre, stellen sie doch Computerhardware her, die beim "Schürfen" der Bitcoins benötigt wird. Endet der Goldrausch um die Herstellung der Währungseinheiten, dürften die Unternehmen schmerzhafte Umsatzeinbußen hinnehmen. Auch die Bitcoin Group, die über die Bitcoin Deutschland AG an der Handelsplattform Bitcoin.de zu 100 Prozent beteiligt ist, würde unter einem Abflauen des Handels leiden, genau wie ihr Aktienkurs. Auf alle genannten Unternehmen bietet die Zertifikate-Industrie Short-Produkte an. Wer allerdings mit seinem "Short" aufs falsche Pferd gesetzt hat, wird bei Erreichen bestimmter Kursniveaus mit seinem Zertifikat "ausgeknockt". Gegen den Bitcoin zu wetten, ist derzeit ebenfalls ziemlich riskant.

AB

Darstellung: