EZB - virtuelle Währung der Notenbanken?
Audio

Zentrale Frage auf der CAC 2019 Welchen Wert haben Kryptowährungen und Token?

von Till Bücker

Stand: 26.02.2019, 18:30 Uhr

Diese Frage stand an Tag 2 der Crypto Assets Conference (CAC) in Frankfurt im Fokus der Diskussionen. Vor allem mit Zentralbankern scheinen sich die Kryptofans dabei nicht ganz einig zu sein.

Das Blockchain Center der Frankfurter School of Finance & Management hatte laut eigenen Angaben etwa 300 Besucher an beiden Tagen der CAC 2019 erwartet. Kein Wunder, dass da nicht alle Teilnehmer stets einer Meinung waren.

Prof. Philipp Sandner, Frankfurt School of Finance & Management

Prof. Philipp Sandner. | Bildquelle: Frankfurt School of Finance & Management

"Noch stehen wir am Anfang. In 15 Jahren wird sich einiges verändert haben", meinte zum Beispiel Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Centers. So gut wie alle Finanzprodukte würden dann auf der Blockchain laufen - in jeder Branche. Eine Firma aus Österreich würde schon jetzt einen Traktor über den Verkauf digitaler Gutscheine an Investoren finanzieren wollen.

Bisher fehlen laut Sandner zwar noch seriöse Marktplätze für digitale Assets, doch das wird sich in diesem Jahr ändern. Im ersten Quartal seien mit der DX Exchange, Lykke und Open bereits kleinere Börsen gestartet. Institutionen aus Liechtenstein, Gibraltar und Malta würden dazukommen, im letzten Quartal vermutlich auch mit der Stuttgarter Börse die erste deutsche, so Sandner.

Digitales Zentralbankgeld

Andrea Pinna von der Europäischen Zentralbank (EZB) sieht einen klaren Unterschied zwischen digitalen Vermögenswerten und den Technologien der Kryptowelt. Diese seien wichtig und bräuchten eine passende Infrastruktur, an der sich die EZB beteiligt. Beispielsweise habe sie ein Learning-Tool für Zentralbanken der EU erstellt und das weltweit erste DLT-Netzwerk (dezentrale Datenbank) für eine große Gruppe von Zentralbanken programmiert.

Selbst Zentralbankgeld sei in digitaler Form (E-Money) verfügbar und könne zu jeder Zeit verschickt werden. Das habe allerdings nichts mit der Blockchain-Technologie zu tun, basiere auf einer "echten" Währung und sei daher definitiv kein Krypto-Asset.

Dafür scheint die EZB weniger offen. "Die Technologie kann zwar Assets schaffen, definiert sie aber nicht neu", betonte Pinna bei seiner Präsentation am Dienstag. Handel basiere auf Vertrauen. Wenn das fehlt, gebe es eine große Volatilität - wie bei Kryptowährungen.

Kryptofans sind skeptisch

Die EZB müsse zum Schutz des privaten Interesses zwar ein Auge auf den dynamischen Markt haben. Dieser sei jedoch keine Gefahr für die Stabilität des Finanzmarktes. Die fehlende Regulierung und Sicherheit sorge dafür, dass Krypto-Assets keine Finanzinstrumente sind.

Frankfurt School of Finance and Management

Frankfurt School of Finance and Management. | Bildquelle: Frankfurt School of Finance and Management

Es kam Unruhe auf, Zuschauerhände schnellten nach oben. Offenbar sehen das viele Kryptoliebhaber anders. Einige stellten skeptische Nachfragen, andere klatschten daraufhin unterstützend Beifall.

Die Währungen oder Token ohne Sicherheiten hätten keinen Wert, weil niemand dahinter stehe, erklärte Pinna weiter. Beim Euro habe keiner das Recht, die Zahlung zu verweigern. Bitcoin müsse dagegen nicht akzeptiert werden.

Anonymes Team vs. Zentralbanken

Martin Diehl von der Deutschen Bundesbank schlug einen Vortrag später in die gleiche Kerbe: "Wir können auf der einen Seite einem anonymen Team vertrauen oder auf der anderen Seite einer Institution, die von etlichen Regierungen eingeführt wurde." Die zentrale Aufgabe von Zentralbanken sei es, Stabilität zu schaffen. "Das ist das beste Modell - ohne Alternative", meinte Diehl. Schließlich hätten Kryptowährungen nicht umsonst erheblich an Wert eingebüßt. Das einzige Geld, das Vertrauen weckt, sei immer noch das Zentralbankgeld.

Bei Security Token, also digitalen Gutscheinen, die durch etwas Greifbares wie Verträge, Aktien oder Schuldscheine gestützt werden, sei das anders. Diese hätten tatsächlich einen Wert, da die Anleger Anspruch auf ihre Sicherheiten haben, so Pinna. Das Vertrauen werde allerdings auch hier außerhalb der Blockchain geschaffen. Diehl nannte ein Beispiel: Bei einem Hauskauf über einen Smart Contract kann der Käufer auf der Blockchain nicht nachvollziehen, ob es das Gebäude auch wirklich gibt. Er glaubt es erst, wenn er es in der Realität sieht.

Werden virtuelle Gutscheine mit echten Sicherheiten und legaler Regulierung tatsächlich nützlich eingesetzt, hätten sie laut Diehl auch einen Wert. Im Rahmen der Blockchain und ähnlicher Technologien seien sie vor allem im Großhandel von großer Bedeutung. Fazit der Zentralbanken: Technologien rund um die Blockchain und Security Token scheinen wichtig, Krypto-Assets ohne Wert und Regulierung eher weniger.

"Niemand schert sich um den Bitcoin"

Viele Kryptofans sind da anderer Meinung und setzen weiterhin auf digitale Währungen als Anlageform. So auch eine Tochter der Börse Stuttgart, die Ende Januar ihre Trading-App Bison auf den Markt brachte. Woher kommt der ungewöhnliche Name? "Wir mögen keine Bullen und Bären", scherzte Sowa Labs-CEO Ulli Spankowski auf der CAC.

Börsensaal der Börse Stuttgart

Börsensaal der Börse Stuttgart. | Bildquelle: Börse Stuttgart

Aber Spaß beiseite: Was ist eigentlich größte Problem des Bitcoins? "Niemand schert sich darum", sagte der Gründer des Startups. Besonders in Zeiten, in dem die Öffentlichkeit digitale Währungen als böse bezeichnen und lediglich mit kriminellen Machenschaften verbinden würden. Dabei sei vieles daran durchaus interessant.

Natürlich sei der digitale Prozess teilweise schwierig nachzuvollziehen und auch die Suche nach einem seriösen Anbieter nicht so leicht. Mit der App wollen die Stuttgarter die Schwierigkeiten für Privatanleger auf einen Schlag lösen. Ihr Partner, die Solaris Bank, übernimmt den Transfer des "echten" Geldes. "Das schafft Vertrauen bei den Menschen", sagte Spankowski.

In ein paar einfachen Schritten habe der Investor seine Wallet, könne Geld auf die App laden und anfangen zu handeln. Mit dem sogenannten "Cryptoradar", das mithilfe von künstlicher Intelligenz täglich 250.000 Tweets analysiert, habe er außerdem die Möglichkeit, stets über neue Entwicklungen in der Kryptowelt informiert zu werden.

Dort gibt es immer wieder Ungereimtheiten. Die einen sagen, man solle sich lediglich auf die Vorteile der Technologie in der Wirtschaft konzentrieren, andere sehen die digitalen Währungen und Token auch als Anlageform. Wer am Ende Recht hat, blieb zumindest an diesem Tag ungeklärt.