Facebook Libra

Ein Jahr Libra Was wird aus Facebooks Kryptowährung?

von Lothar Gries

Stand: 18.06.2020, 06:45 Uhr

Als Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor einem Jahr die Gründung einer digitalen Währung - Libra - verkündete, traf er auf den erbitterten Widerstand von Notenbanken und Politikern. Nun soll das Projekt Ende des Jahres an den Start gehen.

Ob der zweite Anlauf gelingt oder der allgemeine Widerstand das Projekt endgültig zu Fall bringt, ist offen. Nach diversen Änderungen der ursprünglichen Pläne hat die in Genf ansässige Libra Association, ein Gemeinschaftsprojekt von Facebook und Unternehmen aus der Finanz- und Digitalbranche, Mitte April bei der Schweizer Finanzaufsicht Finma eine Lizenz für das neue Zahlungssystem beantragt.

Die Aufsichtsbehörde teilte mit, dass sich das vorgelegte Gesuch zwar deutlich von dem ursprünglich eingereichten Projekt unterscheide. Seine geplante Reichweite erfordere allerdings ein international koordiniertes Vorgehen. Im Klartext bedeutet das: Die Genehmigung wird dauern.

Kritikern entgegen gekommen

Facebook Libra

Facebook Libra. | Bildquelle: Imago

Experten zufolge ist Facebook in der neuen, überarbeiteten Fassung des Zahlungsmittels den Kritikern entgegen gekommen und hat viele Forderungen von Regulierungsbehörden und Zentralbanken erfüllt. "Wir haben eine starke Antwort auf viele Fragen und Sorgen der Aufseher gegeben", sagte der frühere Libra-Chef Bertrand Perez dem "Handelsblatt".

Die wohl wichtigste Änderung ist die Einführung von mehreren Einzelwährungen - etwa einem Libra-Dollar oder einem Libra-Euro, statt einem Korb an Währungen. Es erinnere ein wenig an digitales Geld auf einem PayPal-Konto, schrieb die "New York Times". Vorgesehen ist, Geld von einem herkömmlichen Bankkonto an die digitale Facebook-Brieftasche Calibra zu überweisen, und im Gegenzug virtuelle Libra-Münzen zu erhalten.

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Dabei verspricht Facebook strenge Standards zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung sowie anderer illegaler Aktivitäten. Das Libra-Konsortium will sich zudem in den USA bei der zum Finanzministerium gehörenden Behörde FinCen als Gelddienstleister registrieren lassen. Zudem soll ein Kollegium von Zentralbanken, Aufsehern und Behörden aus mehr als 20 Ländern ein Mitspracherecht bei der Ausgestaltung der Währung bekommen - eine Art Friedensangebot an die Libra-Partner, von denen viele das Projekt verlassen haben.

Wichtige Partner sind abgesprungen

Weil Notenbanken, Politiker und Datenschützer erhebliche Zweifel an der Sicherheit der Privatwährung hatten, sind im Oktober 2019 nach und nach verschiedene Partner abgesprungen. Darunter waren Schwergewichte wie die Kreditkartenanbieter Visa und MasterCard, der Online-Bezahldienst Stripe und die Handelsplattform Ebay. Zuvor hatte bereits PayPal einen Rückzieher gemacht.

Dass die Corona-Pandemie und der damit verbundene Digitalisierungsschub, besonders das Bezahlen mittels Karte oder Handy, die Einführung von Libra beschleunigen könnte, halten Experten für unwahrscheinlich.

Auch die BaFin müsste zustimmen

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg. | Bildquelle: picture alliance/Sven Hoppe/dpa

Das Libra-Projekt befinde sich noch in einem konzeptionellen Stadium, meint Professor Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance & Management. Auch wenn die Schweizer Aufsicht Finma demnächst grünes Licht erteile, müsse die Libra Association höchstwahrscheinlich auch in Deutschland eine Lizenz bei der Finanzaufsicht BaFin beantragen, so Sandner.

Ob sie die bekommen wird, darf bezweifelt werden. Denn Libra 2.0 hat den Widerstand von Notenbankern und Politikern nicht gebrochen. Sie betrachten das Projekt nach wie vor als einen Angriff eines privaten Unternehmens auf das staatliche Monopol über das Geldwesen. "Eine private Weltwährung werden wir nicht zulassen. Das Währungsmonopol muss in der Hand der Staaten bleiben", erklärte jüngst Bundesfinanzminister Olaf Scholz.

Skeptische Politiker

Auch die Europäische Union hat sich auf eine harte Linie gegenüber dem Digitalgeld von Privatunternehmen wie der geplanten Facebook-Währung Libra verständigt. Solche Kryptowährungen von Firmen sollten nicht erlaubt werden, bis die von ihnen ausgehenden Risiken identifiziert und angegangen seien, teilten die EU-Finanzminister mit. Und in Amerika musste Facebook-Chef Mark Zuckerberg unter Eid versichern, dass man nur nach grünem Licht der Regulierer in den USA und anderen Ländern starten werde.

Allerdings wissen auch die Politiker, dass ein eventuelles Verbot von Libra das Thema Kryptowährungen nicht beenden würde. Neben Facebook arbeiten längst auch andere US-Konzerne an solchen Projekten. Auch aktuelle Entwicklungen in China mahnen zum Handeln.

Auch China arbeitet an Digitalwährung

Stuart Levey, The Libra Association

Stuart Levey. | Bildquelle: Unternehmen

So verkündeten Chinas Kommunisten Ende Mai, dass China bald das erste Land der Welt sein werde, das eine legale digitale Zentralbankwährung herausgibt. Man arbeite an einer eigenen Digitalwährung, der CBDC (Central Bank Digital Currency), und wolle damit dem US-Dollar als Weltwährung den Rang ablaufen. Als heimischer Partner bei diesem Krypto-Projekt soll der chinesische Online-Zahlungsdienstleister Alipay auf die Bühne treten.

Derartigen Bestrebungen dürften die Amerikaner nicht tatenlos zusehen, ist doch der Status des Dollar als Weltreservewährung für das Land nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch von größter Bedeutung, etwa bei der Durchsetzung von Sanktionen. Um zu verhindern, dass der Dollar durch eine globale, eventuell von China dominierte Digitalwährung unterminiert wird, könnte die US-Regierung das Libra-Projekt von Facebook doch wohlwollender betrachten, als es zuletzt den Anschein hatte.

So könnte eine Libra-Währung auf Dollarbasis auch die strategischen Interessen der USA befriedigen, angesichts von zwei Milliarden Facebook-Nutzern. Um die Politiker milde zu stimmen, hat Facebook nun mit Stuart Levey einen Spezialisten für die Bekämpfung von Geldwäsche zum neuen Chef der Libra Association ernannt. Levey war im US-Finanzministerium für Terrorismus und Finanzinformationen zuständig. Ob sich die Entscheidung auszahlt, bleibt abzuwarten.