Eine Hand hält zwei Bitcoin-Münzen

boerse.ARD.de erklärt Warum sind die Bitcoin-Preise so unterschiedlich?

von Detlev Landmesser

Stand: 29.11.2017, 11:44 Uhr

Wer ein bisschen näher auf den Bitcoin blickt, wird feststellen, dass es "den" Bitcoin-Kurs gar nicht gibt. Wie kann das sein?

Der Bitcoin ist also jetzt auch "offiziell" mehr als 10.000 Dollar wert. Am Dienstag war es mit dem neuen Rekord schon auf kleineren Finanzplattformen soweit, aber erst heute auf den bedeutenden, sprich umsatzstärkeren Handelsplätzen wie Bitstamp oder Coinbase. Aber "offizielle" Kurse gibt es bei vielen Finanzprodukten genau genommen gar nicht, und schon gar nicht beim Bitcoin, der keinerlei Regulierung unterliegt.

Klassische Arbitrage noch unmöglich

Zeitweise lagen die Kurse an den einzelnen Bitcoin-Börsen um rund drei Prozent auseinander! Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass die umstrittene Cyberwährung noch nicht im so genannten Mainstream der Finanzwelt angekommen ist und sich den etablierten Handelsusancen entzieht.

Wäre dies der Fall, würden Abweichungen auf einzelnen Plattformen innerhalb von Millisekunden durch Arbitrageure beseitigt werden, die vollautomatisiert am günstigeren Handelsplatz kaufen und am teureren verkaufen.

"Unglaublich unreifer Markt"

Das ist aber derzeit (noch) nicht möglich: Die Handelsplätze sind untereinander nicht vernetzt, und professionelle Händler können die Preisunterschiede nicht ausnutzen. "Das Arbitragepotenzial zwischen den Handelsplätzen ist außerordentlich groß", stellt Neil Wilson, Marktanalyst beim Londoner CFD-Broker ETX Capital fest. "Das zeigt, dass dies ein unglaublich unreifer Markt ist, der vollständig dezentralisiert und unreguliert ist. Das macht ihn für institutionelle Anleger völlig ungeeignet."

Sollte die Chicagoer Terminbörse CME ihren Terminkontrakt auf den Bitcoin tatsächlich durchbekommen, könnte sie einen gewichteten Durchschnittspreis der Kryptowährung zugrunde legen, der dem Handel mehr Transparenz verschafft. Ein solcher Schritt wäre in jedem Fall ein riesiger Schritt der Bitcoin-Spekulation in den Mainstream - denn die etablierte Finanzwelt ist schließlich auch der wildesten Zockerei nicht abhold.