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Bitcoin-Handel unter der Lupe Warnung vor der Bitcoin-Blase

Stand: 11.12.2017, 09:09 Uhr

Der Kurs der Kryptowährung Bitcoin scheint derzeit nur eine Richtung zu kennen - steil nach oben. Mit der Einführung eines Bitcoin-Future werden aber auch die warnenden Stimmen lauter. Die Risiken sind erheblich.

Spätestens heute, mit dem Beginn des Futurehandels, hat die Computerwährung Bitcoin ihr Image als Produkt von Hinterzimmer-Freaks ein gutes Stück abgelegt. Die Kunstwährung ist erwachsener geworden, wird sie doch jetzt zusammen mit so etablierten Produkten wie dem Dax- oder Bund-Future regulär gehandelt. Zudem startet die Chicagoer Terminbörse CME, die größte ihrer Art, am kommenden Montag ebenfalls einen Bitcoin-Future.

Abseits zahlreicher Überlegungen, ob und wenn ja welcher fundamentale Wert hinter der Kunstwährung steht, wirft nun der beginnende Handel weitere Fragen auf.

Zumal die stürmische Preisentwicklung fatal an Blasen vergangener Zeiten erinnert. Ob Hollands Tulpenkrise im 17. Jahrhundert bis hin zum Platzen der Technologieblase oder der großen Finanzkrise mit dem Lehman-Crash. Die Folgen waren bekanntlich in jedem Fall fatal.

Clearinghäuser und Broker im Blick

Was wohl die wenigsten genau wissen: Hinter dem Handel mit Terminprodukten steht immer ein sogenanntes Clearinghaus, das die korrekte Abwicklung der Geschäfte seiner Mitglieder, der Broker, garantiert. Die extrem hohe Volatilität, also Schwankungsbreite, des Bitcoin, könnte die den Clearinghäusern angeschlossenen Marktteilnehmer überfordern. Davor warnt der Chef der börsennotierten Handelsplattform Interactive Brokers, Thomas Peterffy, gegenüber der "NZZ".

Mit

Der Tulpenwahn 1630.

Denn in den Clearinghäusern seien viele Broker mit wenig Eigenkapital vertreten. Sofern sie sich verspekulieren, könnten diese angesichts der unkalkulierbar hohen Schwankungen des Bitcoin in Schwierigkeiten kommen und ihre Verpflichtungen gegenüber dem Clearinghaus nicht mehr erfüllen.

"Der Tag wird kommen, an dem sich der Kurs des Bitcoin-Produkts so stark bewegt, dass manche Anleger und Broker in finanzielle Schwierigkeiten geraten – was zu Verlusten führen kann wie 2008, als Lehman Brothers unterging", so Peterffy.

Langfristig wertlos

Thomas Peterffy

Thomas Peterffy. | Bildquelle: Interactive Brokers

Der aus Ungarn stammende Selfamdemilliardär prophezeit dem Bitcoin selbst darüber hinaus den baldigen Untergang. "Langfristig betrachtet rechne ich damit, dass Bitcoin wertlos werden könnte", sagte er. Knackpunkt sei die fehlende Regulierung. Sollte der Bitcoin nämlich von breiteren Kreisen angenommen werden, könnten keine Steuern erhoben, Schwarzgeld oder terroristische Aktivitäten verfolgt werden.

Problem beim Kauf auf Kredit

Isabel Schnabel

Isabel Schnabel. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auch die "Wirtschaftsweise" Isabel Schnabel warnt vor negativen Auswüchsen des Handels. Vor allem dann, wenn er auf Kredit abgewickelt wird: "Dann könnte ein Preisverfall das gesamte Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen." Solange der Handel nur mit Eigenkapital durchgeführt werde, dürften die Ansteckungsgefahren aber begrenzt sein.

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ARD-Börse: Bitcoin in Chicago - wie geht es weiter?

Auch Schnabel hat Bauchschmerzen damit, dass der Handel weitgehend unreguliert abläuft. "Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es aufgrund von operationellen Risiken, zum Beispiel einem Systemausfall, oder Unregelmäßigkeiten zu einem Crash kommt." Auch für die Aufsicht sei es sehr schwierig, Gefahren und Risiken rechtzeitig einzudämmen, sagte die Bonner Wirtschaftswissenschaftlerin weiter.

Apropos Gefahren und Risken. Erst vergangene Woche hatten sich Notenbanker und Bankenaufseher aus 27 Industriestaaten unter dem Stichwort "Basel III" auf eine weltweite Verschärfung der Eigenkapitalregeln für Banken verständigt, um das globale Finanzsystem künftig sicherer zu machen. Dies nach jahrelangen Verhandlungen. Die Schnelligkeit, mit der Produkte wie der Bitcoin-Future auf die Märkte drängen, konterkartiert diese Versuche.

rm

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Was die Bitcoin-Kritiker sagen Alles nur ein Hype?

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein

Lloyd Blankfein
Goldman-Sachs-Chef Blankfein hält den Bitcoin nur für eine Blase. Das sagte er im September gegenüber dem Nachrichtensender "CNBC". Doch er gab zu: Mit so mancher Einschätzungen in der Vergangenheit lag er falsch. Blankfein vergleicht den Bitcoin mit der Entwicklung vom Zahlungsmittel Gold zum Papiergeld: Damals seien sicher auch nicht alle überzeugt gewesen. Nach dem Schritt vom Hartgeld zum Fiatgeld seien digitale Währungen eine "natürliche Entwicklung". Zwar hat er noch nicht investiert – abgeneigt ist er aber keineswegs. Angeblich plant Goldman Sachs eine eigene Trading-Plattform, auf der der Handel von Bitcoin und anderen Kryptowährungen möglich wäre.