Krypto-Coup als letzte Rettung? Venezuela macht Ernst mit dem Petro

Stand: 16.02.2018, 14:39 Uhr

Pläne gab es schon länger, kommende Woche ist es nun soweit: Venezuela will den Vorverkauf der ersten staatlichen Kryptowährung starten. Der "Petro" soll die Wirtschaftskrise lindern – kann das klappen?

Mit einem Schuldenberg von geschätzt 150 Milliarden Dollar steht Venezuela vor der Staatspleite. Das machte sich im vergangenen Jahr deutlich bemerkbar: Die Wirtschaftskraft sank laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) um zwölf Prozent. Dadurch erlebte die Landeswährung Bolívar eine mehr als 4.000-prozentige Inflation – für 2018 erwartet der IWF eine Inflationsrate von 13.000 Prozent.

Der "Petro" soll es richten

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro. | Bildquelle: Imago

Neben der gescheiterten Staatswirtschaft sind die Wirtschaftssanktionen der USA ein Grund dafür: Im August verbot US-Präsident Trump per Dekret den Handel mit neuen venezolanischen Staatsanleihen. Vor allem die Öl-Industrie des Landes ist davon betroffen: Sie macht rund 95 Prozent der Exporte aus. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro setzt nun zur letzten Rettung an: Die staatliche Kryptowährung "Petro" soll die Not lindern.

Maduro kündigte die Einführung der ersten staatlichen Kryptowährung schon im Dezember an. Sie soll der Regierung finanzielle Transaktionen erleichtern und die Exporte wieder ankurbeln. Andere Länder könnten dann mit der Kryptowährung bezahlen – das hofft zumindest die Regierung. Nächste Woche Dienstag soll nun der Vorverkauf für die ersten rund 100 Millionen Coins als ICO über die Ethereum-Blockchain starten – im Wert von rund sechs Milliarden Dollar.

Ein Kandidat für die Top Ten

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
67,30
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Der Petro (PTR) könnte dann direkt unter die Top Ten der Kryptowährungen aufsteigen: Denn die Cyberdevise soll laut Präsident Maduro mit jeweils einem Barrel (rund 159 Liter) Rohöl-Reserven gedeckt sein: Gemessen am aktuellen Kurs der amerikanischen Ölsorte WTI käme er auf einen Börsenwert von 6,2 Milliarden Dollar.

Venezuelas Öl-Reserven bieten Potenzial: Etwa fünf Milliarden Barrel Öl besitzt das Land. Laut Informationsminister Jorge Rodriguez wäre bei einem Fasspreis von aktuell rund 60 Dollar die Ausgabe von Petros im Wert von rund 300 Milliarden Dollar möglich.

Zu diesem Preis sollen ihn auch  Investoren kaufen. Doch laut der Nachrichtenagentur Reuters haben Berater der Regierung bereits empfohlen, die Kryptowährungen lieber mit Rabatten von bis zu 60 Prozent anzubieten. Denn trotz Euphorie seitens der Regierung - viele sehen den Petro skeptisch.

Neue Schulden durch den Petro?

Gelb-blau-rot-gestreifte Flagge von Venezuela

Flagge von Venezuela. | Bildquelle: colourbox.de

Krypto-Experten bezweifeln, dass Investoren durch die staatliche Kryptowährung wieder Vertrauen in das Land bekommen. Einige sehen den Petro außerdem nur als eine erneute Schuldenaufnahme. So auch die USA: Es handle sich schließlich trotzdem um einen Kredit – nur eben in Kryptowährung. Das verstößt gegen die US-Sanktionen. Daher warnen sie vor einem Kauf. Ein weiteres großes Problem: In Venezuela mangelt es an Strom und Internetzugängen - Kryptowährungen sind dort also kaum nutzbar.

Auch die venezolanische Opposition ist mit den Plänen Maduros nicht einverstanden. "Das ist keine Kryptowährung, sondern ein Ausverkauf von venezolanischem Öl und wie gemacht für Korruption", sagte ein Abgeordneter der Nachrichtenagentur Reuters. Seit vielen Monaten herrscht ein Machtkampf zwischen der sozialistischen Regierung und der Mitte-Rechts-Opposition.

Sie kontrolliert das Parlament und erklärte die Absicherung mit Ölreserven im Januar als verfassungswidrig. Eine Einführung trotz Verbots sei daher Verfassungsbruch. Der Petro werde außerdem wertlos werden, sollte Maduro nicht wiedergewählt.

Es bleibt also sehr fraglich, ob der Cyber-Schachzug der Regierung das Land wirklich retten kann.

jz