Es geht abwärts bei Kryptowährungen

Die Korrelation ist da Taugt der Bitcoin als Aktienindikator?

Stand: 12.02.2018, 12:10 Uhr

Kaum geht die Kryptowährung Bitcoin in die Knie, folgen ihm auch die Aktienmärkte nach unten. Nur eine Momentaufnahme, oder steckt mehr dahinter? Experten sind sich noch nicht ganz einig.

Zugegeben, es ist ein sehr wackliges Territorium, auf dem sich diese Fachleute derzeit noch bewegen. Aber die Frage, wie stark die führende Kryptowährung Bitcoin mit den Aktienmärkten korreliert, gewinnt spätestens mit der Einführung eines Futures auf die Computerwährung eine stärkere Bedeutung.

Zumal die jüngste Kursentwicklung andeutet, dass der Bitcoin und der Aktienmarkt durchaus eine Korrelation aufweisen. So verweist Lionel Laurent in einem Artikel für "Bloomberg" auf den engen Gleichlauf zwischen dem Kurs des Bitcoin und dem Future-Kontrakt auf den S&P-Index.

Der Chart zeigt dazu den Zeitraum Anfang Februar, als die Kryptowährung in heftige Turbulenzen geriet und der Bitcoinkurs sogar unter die Marke von 6.000 Dollar rutschte - ehe er sich dann erholte. Für die Dauer von einem Jahr wird sogar eine hohe Korrelation von 0,8 errechnet - das würde übersetzt schlicht bedeuten, 'steigt der Bitcoin, steigt der Aktienmarkt' und umgekehrt.

S&P 500 E-Mini Futures vs. Bitcoin-Preis

S&P 500 E-Mini Futures vs. Bitcoin-Preis. | Bildquelle: Bloomberg, Grafik: boerse.ARD.de

Ein neues Werkzeug im Kasten

Aber ist es wirklich so einfach? Ist der Bitcoin wirklich mit so bewährten Aktienindikatoren wie technischen Trends, quantitativen Untersuchungen (etwa bei Gewinnvergleichen) oder gar volkswirtschaftlichen Indikatoren vergleichbar? Ein Ansatzpunkt könnte das Chance-Risiko-Verhältnis bei einem Engagement im Bitcoin sein, das aktuell ungleich höher ist als bei einem direkten Einstieg in den Aktienmarkt (oder sogar in Derivate auf diesen).

Für institutionelle Investoren ein (fast) gefundenes Fressen, das mit der Institutionalisierung des Bitcoin-Marktes deutlich reizvoller geworden ist. "Der Bitcoin könnte ein führender Indikator für die Finanzmärkte und die Risikobereitschaft werden", schreiben die Experten von Morgan Stanley in einem Brief an ihre Kunden. Einen Gleichklang der beiden Märkte - Aktie und Krypto - will man bei Morgan Stanley aber nicht sehen. Die Korrelation habe zwar zugenommen, vollständig könne dies aber nicht festgestellt werden, so die Experten weiter.

Christopher Harvey von der Großbank Wells Fargo ist ebenfalls davon überzeugt, dass sich die Korrelation zwischen Aktie und Krypto am ehesten über die Betrachtung der Chance-Risiko-Abwägung erklären lässt. Das Marktrisiko sei durch die neuen Topstände am Aktienmarkt zu Jahresbeginn deutlich gestiegen, weshalb Investoren in den Kryptobereich gewechselt sein - denn hier liegt das Gewinnpotenzial eben noch höher.

Harvey will sich aber nur kurz festlegen. "Kryptowährungen und der Aktienmarkt sollten in den kommenden drei bis sechs Monaten miteinander korrelieren", so seine Einschätzung zur Preisentwicklung für Bitcoin & Co. "Wenn wir recht haben, sollten Risikoprodukte weiter steigen", erklärt der Experte. Sein Kursziel für den S&P-500-Index hat er folgerichtig angehoben auf 2.950 von zuvor 2.863 Punkten.

 Kampf der Kryptowährungen

Survival of the Fittest. | Bildquelle: colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Fazit: Institutionelle Investoren haben ein neues Werkzeug im Instrumentenkasten, das als Indikator für die Risikobereitschaft des Marktes nützlich sein kann. Mit der zu erwartenden weiteren Deregulierung des Kryptomarktes durch die Aufsichtsbehörden sinkt aber dieses Risikopotenzial, wodurch es sich dem des Aktienmarktes angleicht. Damit steigt dann aber auch das Risiko, dass es nicht mehr gebraucht wird.

Die meisten Kryptos gehen auf Null

Apropos nicht mehr gebraucht: Die Meinungen zur Kryptowelt gehen weit auseinander. Goldman Sachs-Experte Steve Strongin prophezeit den meisten Krypotwährungen ohnehin das Aus, da sie keinen inneren Wert haben und durch eine kleine Gemeinde von Futurehändlern ersetzt wurden. Deshalb würden die meisten Kryptowährungen wohl auch verschwinden, nur eine kleine Gruppe könnte überleben. "Werden die heutigen Krypto-Währungen mal ein neues Amazon oder Google, oder werden sie enden wie viele nicht mehr funktionierende Suchmaschinen?" Positiver steht er hingegen er der den Kryptowährungen zugrunde liegenden Blockchain-Technologie gegenüber.

rm

1/12

Das sind Bitcoin & Co Aus der Welt der virtuellen Währungen

Litecoin

Litecoin