FAQ - Frequently Asked Questions

Steuerpflichtig oder nicht? So wird der Bitcoin besteuert

Stand: 22.12.2017, 10:48 Uhr

Der Bitcoin gehört zu den Trends des Jahres. Wer investiert hat, kann ihn handeln oder horten. Doch wie sieht es eigentlich in Sachen Steuern aus? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Es ist zurzeit ein Auf und Ab mit dem Bitcoin: Nachdem der Start des Future an der CME den Kurs die 20.000-Dollar-Marke knacken ließ, sackte der Kurs im Laufe der Woche immer weiter ab. Am Freitagmorgen lag er bei rund 13.300 Dollar.

Bitcoin in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Crypto Currencies für den Zeitraum Intraday
Kurs
7.331,80
Differenz relativ
-0,19%

Ob Verschnaufpause oder Crash - trotz ihrer Volatilität bleibt die Kryptowährung bei ihren Anhängern beliebt. Für viele ist der Bitcoin die Währung der Zukunft. So mancher scheint bei all der Euphorie jedoch vergessen zu haben, die Kryptowährung in seine Steuererklärung aufzunehmen.

Ein kalifornisches Gericht hatte Ende November entschieden, dass die Handelsplattform "Coinbase" einen Großteil ihrer Nutzerdaten offenlegen muss. Betroffen sind rund 14.000 Nutzer, die zwischen 2013 und 2015 Kryptowährungen im Wert von mehr als 20.000 Dollar über die Plattform gekauft oder verkauft haben. In den letzten Steuererklärungen hatten weniger als 1.000 Menschen angegeben, Kryptowährungen zu besitzen, so die US-Steuerbehörde. Coinbase hat aber über sechs Millionen Nutzer - die meisten davon stammen aus den USA.

Wie müssen deutsche Anleger ihre Kryptowährung versteuern?


Sind Bitcoins steuerpflichtig?


Wann sind Bitcoins steuerfrei?


Was gilt für Privatanleger?


Wie wird privates Mining besteuert?


Welche Regeln gelten für Unternehmen?


Werden ICOs besteuert?


Wie werden Bitcoin-CFDs besteuert?


Wie sieht es bei Bitcoin-Zertifikaten aus?


Caroline Heller, Steuerberaterin bei Winheller. | Bildquelle: Winheller

Anders als der Euro oder der Dollar gelten der Bitcoin und andere Kryptowährungen nicht als gesetzlich anerkanntes Zahlungsmittel. Ebenso sind sie kein "E-Geld", weil es bei der Beschaffung durchs Minen keinen Emittenten gibt. Außerdem sind Bitcoins auch keine Anlage wie etwa Aktien, für die beim Verkauf eine Abgeltungssteuer von 25 Prozent anfällt.

Laut des Bundesministeriums für Finanzen gelten Bitcoins als privates Geld – ähnlich wie Fremdwährungen. Damit fällt die Mehrwertsteuer für den Tausch und Handel weg. Stattdessen gilt der Bitcoin als immaterielles Wirtschaftsgut – und fällt damit unter private Veräußerungsgeschäfte im Einkommensteuergesetz (EStG). Dasselbe gilt auch für alle anderen Kryptowährungen wie Litecoin, Ethereum oder Ripple.

Wichtig ist die Frage der Beschaffung: Nicht alle Bitcoins, die verkauft werden, wurden auch im Sinne des Gesetzes angeschafft, so Caroline Heller, Steuerberaterin in der Kanzlei und Steuerberatung Winheller. Denn Verkäufer können die Kryptowährung auch anders als durch den Kauf auf einer Börse erhalten haben, nämlich durch Mining oder Güterverkauf. Je nach Einzelfall muss also geprüft werden, ob das Einkommensteuergesetz überhaupt gilt. Für die Frage, wie dann besteuert wird, ist zusätzlich entscheidend, ob die Umsätze privat oder betrieblich erzielt werden.

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Steuerfrei ist der Bitcoin nur, wenn er nach einer Haltedauer von mindestens einem Jahr verkauft wird. Dann fallen die Umsätze laut EU-Recht unter die Steuerbefreiung für Devisen, so das Urteil des Europäischen Gerichthofs (EuGH) aus dem Jahr 2015. Der Bitcoin gilt dabei als "Spekulationsobjekt".

Wer seine Bitcoins allerdings verleiht und dafür Zinsen erhält, für den gilt die Steuerfreiheit erst nach zehn Jahren. So das Gesetz. Dann müssen übrigens auch die Zinseinnahmen als Kapitalerträge versteuert werden: Der Freibetrag für Singles liegt hier bei insgesamt 800 Euro.

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Wer privat Bitcoins kauft und binnen eines Jahres wieder veräußern möchte, muss Steuern zahlen. So will es das Einkommenssteuergesetz. Als Veräußerung gilt dabei der Verkauf über eine Handelsplattform und der Tausch von Bitcoins gegen eine Ware oder Dienstleistung - also der Friseurbesuch oder das neue Sofa.

Ein kleines Polster gibt es aber: Wer seine Bitcoins innerhalb der einjährigen Haltefrist verkauft, hat einen jährlichen Freigrenze vin Höhe von 600 Euro, so Steuerberaterin Heller. Der gilt jedoch für alle privaten Veräußerungsgeschäfte im betreffenden Jahr - also nicht nur für Geschäfte mit Bitcoins.

Abhängig vom persönlichen Einkommenssteuersatz

Was nun versteuert werden muss, ergibt sich aus der Differenz zwischen dem erzielten Verkaufspreis und den Anschaffungskosten der Bitcoins. Dazu zählen unter anderem der frühere Kaufpreis beim Erwerb und auch die Kosten für das Mining – falls der Verkäufer die Bitcoins selbst geschürft hat. Auch Verluste können angegeben und mit dem Gewinn verrechnet werden. 

Doch die Anschaffungskosten können ein Problem sein: Oft werden Bitcoins zu unterschiedlichen Kursen gekauft. Daher gilt die "First-in-first-out"-Methode (Fifo):  Es gelten also die Bitcoins als zuerst verkauft, die auch zuerst angeschafft oder geschürft wurden. Wenn sich ein An- und Verkauf jedoch klar von anderen Bitcoin-Geschäften abgegrenzt, gilt die Fifo-Methode nicht.

Daher sollten Anleger alle Käufe und Verkäufe mit der digitalen Währung dokumentieren. Das dient als Nachweis über die getätigten Transaktionen – und kann im Zweifel beim Finanzamt vorgelegt werden. Besteuert wird schließlich so, wie es der individuelle Einkommensteuersatz vorgibt. Die Abgeltungssteuer gilt dabei nicht.

Privatanleger sollten im Übrigen aufpassen: Wenn sie zu viele Transaktionen tätigen, kann das im schwerwiegendsten Fall als gewerbliche Tätigkeit eingestuft werden - auch die einjährige Haltefrist zählt dann nicht mehr.

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Wer privat Bitcoins schürft, kann das als gelegentliche Tätigkeit angeben, so das Bundesfinanzministerium 2013. Die Gewinne gehören dann zu Einkünften aus sonstigen Leistungen. Doch es kommt auch hier darauf an, um welche Summe es sich handelt: Nur bis zu 256 Euro sind im Jahr steuerfrei - ansonsten wird nach dem persönlichen Einkommenssteuersatz besteuert. Die Stromkosten für das Mining können dabei angegeben werden - sie werden dann mit dem Gewinn verrechnet.

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Für gewerblich tätige Personen und Unternehmen gelten Bitcoins nicht als private Veräußerungsgeschäfte. Außerdem gibt es auch keine steuerfreie Haltefrist. Bitcoins gehören dann zum Betriebsvermögen und  führen somit zu Gewinnen im Gewerbebetrieb.

Steuerlich gilt für Einzelunternehmer und Personengesellschaften die Einkommensteuer - bei GmbHs und AGs hingegen die Körperschaftsteuer. Hinzu kommt noch jeweils die Gewerbesteuer.

Der gewerbliche Umtausch von Bitcoins in Euro oder andere Währungen unterliegt laut EU-Recht nicht der Mehrwertsteuer. Das entschied der EuGH 2015.

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Vor Investitonen in ICOs wird schon seit Längerem von zahlreichen Finanzhäusern sowie SEC und BaFin gewarnt. Wer sich doch daran beteiligt, sollte sich in Steuerfragen beraten lassen. "Die Besteuerung muss in jedem Einzelfall geprüft werden", so die Fachanwältin für Steuerrecht Anka Hakert vom Krypto-Expertenteam bei Winheller.

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Auch bei Bitcoin-CFDs empfiehlt Hakert eine professionelle Beratung durch einen Steuerberater - denn nicht immer ist die Antwort klar. "Es können Abgeltungssteuern anfallen", so Hakert. Dann gilt wie für andere CFDs: Gewinne werden pauschal mit 25 Prozent (plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer) besteuert. Auch bei CFDs gibt es einen Steuerfreibetrag – der liegt bei 800 Euro.

Abhängig vom Broker müssen die Steuern auf Gewinne aus CFDs abgeführt werden. Deutsche Anbieter ziehen die Abgeltungssteuer direkt vom Gewinn einer Transaktion ab. Bei Broker mit Sitz im Ausland müssen Trader das eigenhändig machen: Alle Erträge aus CFDs müssen dafür in der Steuererklärung angegeben werden. Dann wird die Abgeltungssteuer abgezogen.

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Ein Partizipations-Zertifikat auf den Bitcoin bildet die Performance des Bitcoin-Kurses nach - ist also ein Derivat. Auch hier greift in der Regel die Abgeltungssteuer. Doch auch bei Zertifikaten müsse die Steuerfrage individuell geprüft werden, so Hakert.

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jz

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Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein

Lloyd Blankfein
Goldman-Sachs-Chef Blankfein hält den Bitcoin nur für eine Blase. Das sagte er im September gegenüber dem Nachrichtensender "CNBC". Doch er gab zu: Mit so mancher Einschätzungen in der Vergangenheit lag er falsch. Blankfein vergleicht den Bitcoin mit der Entwicklung vom Zahlungsmittel Gold zum Papiergeld: Damals seien sicher auch nicht alle überzeugt gewesen. Nach dem Schritt vom Hartgeld zum Fiatgeld seien digitale Währungen eine "natürliche Entwicklung". Zwar hat er noch nicht investiert – abgeneigt ist er aber keineswegs. Angeblich plant Goldman Sachs eine eigene Trading-Plattform, auf der der Handel von Bitcoin und anderen Kryptowährungen möglich wäre.