Kryptoanleger

Von Träumen und Ängsten So ticken Kryptoanleger

von Jule Zentek

Stand: 12.07.2018, 10:51 Uhr

Nerds, Hacker, Gegner des Finanzsystems – die Liste mit Vorurteilen gegen Kryptoanleger ist lang. Was treibt sie tatsächlich zum Kauf – was hält sie zurück? Ein Einblick in die Seelen der Kryptoanleger.

Der klassische Kryptoanleger ist jung und männlich, das ist bereits bekannt. Neben seinem Hang zur Risikobereitschaft hat der typische Anleger aber auch ein großes Interesse an IT. "Die mit Abstand größte Gruppe bilden die Digital Natives", sagt Philipp Sandner, Leiter des Frankfurt School Blockchain Center.  

Angst, etwas zu verpassen

In Deutschland schätzt der Frankfurt Blockchain Center die Zahl der Kryptoanleger auf knapp eine halbe Million – wovon jeder durchschnittlich einen vierstelligen Betrag investiert haben soll. Für viele spielte der Wunsch nach Rendite eine große Rolle. Gerade der kann aber auch schnell in Gier umschlagen. "Sie haben Angst, etwas zu verpassen", sagt Sandner. Das Phänomen nennt sich "Fear of missing out" - kurz FOMO.

Vor allem während des Krypto-Booms im vergangenen Jahr dürfte die FOMO eine große Rolle gespielt haben: Bei einer Umfrage von der Handelsplattform CoinDesk unter 3.000 Anlegern gaben mehr als 60 Prozent an, erst 2017 in den Markt eingestiegen zu sein.

Eiinstieg Krypto-Investoren

Einstieg Krypto-Investoren. | Bildquelle: Coindesk, Grafik: boerse.ARD.de

Für IT-affine Anleger dürfte vor allem die Technologie der Blockchain Anreiz gewesen sein. "Viele fühlen sich durch ihr Investment quasi als Mitbegründer der Technologie", sagt Sandner. Er ist überzeugt, dass die Technologie weiterhin an Bedeutung gewinnen und sich in andere Bereiche integrieren wird. Daran glauben auch rund 40 Prozent einer Umfrage der Online-Plattform LendEDU unter rund 560 amerikanischen Kryptoanleger. Sie gaben an, genau deswegen in Bitcoin investiert zu haben.  

Bitcoin statt Gold

Mit Gold und Silber vergleichen rund 22 Prozent die digitale Währung: Sie sehen darin eine langfristige Wertanlage. Außerdem glaubten 2017 noch 14 Prozent, dass der Preis von Bitcoin zu niedrig sei und steigen werde. Aus damaliger Sicht hatten sie Recht: Im Dezember knackte er die Rekordmarke von 20.000 Dollar.

Seitdem ist jedoch viel passiert – und es ging abwärts. Denn seit einigen Monaten bewegt sich der Bitcoin-Kurs seitwärts rund um die 6.500 Dollar. Auch das Hoch Anfang Mai knapp unter 10.000 Dollar hielt nur kurz an.

Glaube an mittelfristiges Wachstum

Für die viele Anleger ist das aber längst noch kein Grund, auszusteigen: Sie glauben, dass sich die Marktkapitalisierung von Kryptowährungen in den kommenden drei Jahren wesentlich erhöhen wird. Das gaben zumindest 80 Prozent der 1.800 Befragten beim Sentiment Index Report der Krypto-Börse Huobi im März an. Das ist auch exakt der Zeitraum, indem mehr als ein Drittel seine Bestände halten will.

Was die Anleger hingegen besorgt, ist unter anderem die Sicherheit ihrer Assets. Allein seit Anfang 2017 gab es 15 Hackerangriffen auf Kryptobörsen. Der größte in dieser Zeit traf Coincheck: Hacker konnten im Januar 2018 Coins der Kryptowährung Nem zum damaligen Wert von 400 Millionen Dollar stehlen. Die Angst vor ähnlichen Attacken teilen mehr als ein Drittel der rund 1.100 Teilnehmer einer Umfrage der Handelsplattform Encrybit.

Angst vor Hackerangriffen macht erfinderisch

Prof. Philipp Sandner, Frankfurt School of Finance & Management

Prof. Philipp Sandner. | Bildquelle: Frankfurt School of Finance & Management

Noch gibt es sehr wenige professionelle Verwahrungsmöglichkeiten für Kryptobestände. Not macht bekanntlich erfinderisch – doch die vermeintlichen Lösungen klingen skurril. "Manche kaufen sich ein zweites Laptop und ein zweites Handy um im Verborgenen Kryptowährungen zu besitzen", sagt Sandner. Hierbei gehe es jedoch nicht um Steuerbetrug oder Geldwäsche, sondern schlicht um die Sicherheit der Wertanlage.

Ebenfalls ein Drittel fürchtet sich vor mangelnder Liquidität. "Manche haben Angst, dass sie ihre Bestände später nicht mehr problemlos in übliche Währungen wie Euro zurücktauschen können", sagt Sandner. Auch die Steuerfrage beunruhigt: Denn noch immer wissen viele nicht, wie Krypto-Assets besteuert werden. "Die Angst vor unbeabsichtigter Steuerhinterziehung ist bei einigen groß", sagt Sandner. Es fehle noch immer an entsprechenden Dienstleistern, die einen Steuer-Report anbieten, den dann auch Finanzämter akzeptieren.

Sollten sich jedoch die Unklarheiten bei Steuern und Regulierungen in Zukunft klären, könnte das für einen Aufschwung am Kryptomarkt sorgen. Ob sich die Erwartungen der Kryptoanleger dann erfüllen, bleibt allerdings abzuwarten.