Zwei Figuren mit Hacke und Schippe stehen auf einer Bitcoinmünze

Nach Bitcoin-Crash Sind nun auch die Miner am Ende?

Stand: 07.12.2018, 10:00 Uhr

Der Bitcoin ist zuletzt vier Monate in Folge gefallen. Nicht nur für Anleger ist der Absturz verheerend. Auch für Miner wie das Frankfurter Unternehmen Northern Bitcoin gibt es Veränderungen - die allerdings auch Vorteile mit sich bringen.

Über 47 Prozent hat die bekannteste und größte Kryptowährung der Welt seit Anfang November an Wert verloren. Der Verlust im November entspricht dem größten Rückgang innerhalb eines Monats seit April 2011. Erholung? Fehlanzeige. Schnäppchenjäger halten sich bisher weiter zurück, sodass der Bitcoin immer neue Rückschläge verkraften muss.

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Bitcoin - was ist das?

Aktuell steht der Kurs bei etwa 3.350 Dollar, mehr als 80 Prozent unter dem Allzeithoch von 20.000 Dollar im Dezember 2017. Das ist der tiefste Stand seit 16 Monaten. Als ein Grund für die monatelange Talfahrt gilt ein Streit in der Fangemeinschaft über die Aufspaltung der Bitcoin-Schwesterwährung „Bitcoin Cash“.

"Bitcoin noch in den Kinderschuhen"

"Natürlich sind nicht alle begeistert, wenn der Bitcoin gerade so an Wert verliert", sagt Hans Joachim Dürr von Northern Bitcoin im Gespräch mit boerse.ARD.de. "Für uns sind diese Schwankungen aber normal. Man darf nicht vergessen, dass die Kryptowährung immer noch in den Kinderschuhen steckt."

Hans Joachim Dürr, Pressesprecher Northern Bitcoin AG

Hans Joachim Dürr. | Bildquelle: Unternehmen

Es seien zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Bitcoins gemint, der Bitcoin stehe immer noch vor seinem Durchbruch. Oft werde vergessen, dass gerade auch für Menschen in Ländern mit einer unsicheren Währung der fälschungssichere weltweit verfügbare Bitcoin ein Segen sei. Das Unternehmen sehe die Kryptowährung nicht als kurzfristiges Spekulationsobjekt.

Kurseinbruch an der Börse

Northern Bitcoin ist ein auf die Bitcoin-Blockchain-Infrastruktur spezialisiertes börsennotiertes Technologieunternehmen aus Frankfurt und Betreiber eines klimaneutralen Bitcoin-Mining-Pools in Norwegen. Das Unternehmen ist seit Anfang Oktober auf dem elektronischen Handelssystem Xetra gelistet. Damit können die Titel nun auch an der Frankfurter Börse gehandelt werden - kein gutes Timing.

Der Aktienkurs konnte bis Ende Oktober zwar fast um die Hälfte seines Wertes klettern, stürzte seitdem jedoch um 37,5 Prozent ab. Derzeit liegt der Titel mit 16 Euro sogar unter dem Ausgabepreis.

Was bedeutet der Sturz für Miner?

Der Bitcoin-Absturz habe einen positiven Nebeneffekt, so Dürr. "Wenn der Kurs sinkt, steigen Miner aus dem Geschäft aus." Dadurch würden die Kosten pro Bitcoin sinken, das mache das Schürfen für die anderen Miner effektiver.

Bitcoin-Miner im Container

Bitcoin-Miner im Container. | Bildquelle: Northern Bitcoin AG

Alle zehn Minuten wird in der Blockchain einer neuer Block gefunden und verifiziert. Sinkt nun die Rechenleistung, also die geschätzte Anzahl von Tera-Hashes pro Sekunde im Bitcoin-Netzwerk, steigt die Wahrscheinlichkeit für den einzelnen Miner, einen Block zu berechnen und damit einen neuen Bitcoin herzustellen. Nach Angaben von blockchain.com durchlebte die sogenannte Hash Rate durch den Crash einen Wendepunkt und ist seit Anfang November um etwa 45 Prozent gesunken.

"Um zu gewährleisten, dass nach wie vor alle 10 Minuten ein Block gemint wird, wird die Difficulty verringert. Dadurch schürfen die übrigen Miner bei gleicher Rechenleistung mehr Bitcoins", erklärt Dürr. Die Difficulty bezeichnet die Schwierigkeit, einen neuen Block zu finden.

Stromkosten entscheidend

Wenn der Verkauf der Bitcoins jedoch immer weniger einbringt, stellt sich für jeden Miner irgendwann die Frage, ob die Energiekosten noch gedeckt sind. Wann diese Grenze bei Northern Bitcoin erreicht ist, will Dürr nicht recht beantworten. "Wir haben noch genügend Luft", behauptet er. Genau darauf kommt es an, beschreibt Dürr: "Wer hat einen langen Atem? Wer hat vor allem kostengünstige Konditionen? Und da sind wir bestens aufgestellt."

Container mit Bitcoin-Minern

Container mit Bitcoin-Minern. | Bildquelle: Northern Bitcoin AG

Bitcoin-Mining, das mithilfe hochentwickelter Computer neue Bitcoins über das Peer-to-Peer-Blockchain-Netzwerk erstellt, ist ein kostspieliges Unterfangen, das seine Umwelt und Ressourcen belastet. Für die Herstellung wird laut des Wissenschaftsmagazins Nature mehr als doppelt so viel Energie benötigt wie beim Abbau von Kupfer, Gold oder Platin.

Skandinavien ein Traum für Miner

Northern Bitcoin betreibt ein Mining-Pool in einer ehemaligen norwegischen Metallmine. Gegenüber Forbes betonte der Konzern im November, er könne in der norwegischen Lefdal-Mine, die im vergangenen Jahr als Rechenzentrum mit dem IT-Riesen IBM eröffnet wurde, einen Bitcoin für nur 2.700 Dollar abbauen. Das Ziel sei, irgendwann 100 Bitcoins pro Tag zu minen.

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Bitcoin - wie funktioniert das Mining?

Die Mine nutze das kalte Wasser des Fjords, um die Computer günstig zu kühlen. Wasser- und Windkraft stelle den Strom bereit. Immer mehr Miner verschlägt es wegen des günstigen Strompreises und niedrigen Temperaturen nach Skandinavien. Die durchschnittlichen Kosten in Norwegen betragen laut Northern Bitcoin 7.700 Dollar. Zum Vergleich: In Australien kostet das Mining fast 10.000 Dollar pro Bitcoin. Lediglich in Staaten wie China oder Saudi-Arabien sei es günstiger.

Jüngst wurde aber bekannt, dass Norwegen das Bitcoin-Mining ab Januar 2019 nicht mehr unterstützt. Bisher profitierten Miner von einem Steuererlass, der den Strompreis drückte. Durch die Aufhebung, begründet mit Umweltschutz, erhöht sich der Energiepreis um etwa das Vierfache. Ob das Bitcoin-Mining dann noch rentabel ist? Fraglich.

tb