Savedroid Visuals

Digitale Jetons zum Spekulieren Savedroid im Bitcoin-Fieber

von Bettina Seidl

Stand: 24.01.2018, 14:58 Uhr

Das irre Bitcoin-Fieber lockt Spekulanten en masse. Es hat auch den Spar-App-Anbieter Savedroid gepackt. Der bringt eine Spar-App für Kryptowährungen auf den Markt. Dafür gibt die Fintech-Firma eine Art hauseigenen Bitcoin heraus: den Savedroid Token. Eine höchst spekulative Geschichte.

Die Spekulation ist im vollen Gange. Schon vor dem eigentlichen Start des Savedroid (SVD) Token ist der Ansturm auf die neuen Währung überbordend. Wie bei neuen Kryptowährungen üblich, wird der Savedroid Token über ein so genanntes Initial Coin Offering (ICO) herausgegeben - erinnert namentlich an das Initial Public Offering (IPO), also den Börsengang eines Unternehmens, hat damit aber nichts zu tun.

Hier geht es nicht um die Beteiligung an einem Unternehmen, und es gibt natürlich auch keine Dividende. Es geht nur um das Prinzip Hoffnung. Die Hoffnung, dass die Währung kräftig steigt, was eigentlich nur dann geschieht, wenn das digitale Geld neue Interessenten lockt. Deshalb werden für Kryptowährungen wie den Bitcoin bisweilen auch Vergleiche mit einem Schneeballsystem bemüht.

"Bei einem ICO handelt es sich um ein Crowdfunding", betonen die Experten des Vermögensberaters Incrementum in einer Kryptowährungsstudie. Es wird also in Projekte investiert, die es noch nicht gibt, deren Erfolg noch nicht absehbar ist. Es tummeln sich hier auch viele schwarze Schafe. Für Anleger besteht das Risiko eines Totalverlustes, wie die Finanzaufsicht BaFin warnt.

Verknappung erhöht den Reiz

Trotz Warnungen schaffen es die Unternehmen, genug Investoren zu locken. Das allgemeine Bitcoin-Fieber steckt viele an. Dafür ist gar nicht viel Aufwand vonnöten. Anders als bei klassischen Börsengängen schalten Unternehmen bei einem ICO üblicherweise keine Anzeigen oder TV-Werbespots. Auch sogenannte Roadshows, Präsentationen für institutionelle Anleger, sind selten.

Stattdessen trommeln die Firmen im Internet für ihre Geschäftsidee und die neue Kryptowährung. Wichtige Werkzeuge hierfür sind Facebook, Twitter und Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Threema. Und eine geschickte Verkaufsstrategie: Bevor bei so einem ICO im "Main Sale" der Großteil der neuen digitalen Münzen verkauft wird, wird ein kleinerer Teil im "Pre-Sale" angeboten, wie es verkaufsförderlich heißt, in der Regel mit 30 Prozent Rabatt. Im Vorverkauf von Savedroid kannten spekulationswillige Investoren kein Halten. "Pre-Sale is sold out in 7 hours!", weiß die Fintech-Firma auf ihrer Webseite stolz zu berichten. Savedroid versteht die Sprache der Spekulanten.

Die Masche zieht. Auch andere ICOs von deutschen Unternehmen schaffen es, hohe Summen einzusammeln. So nahm die Naga Group aus Hamburg mit ihrem ICO im Dezember 40 Millionen Euro ein. Bei seinem Börsengang im Sommer 2017 konnte das FinTech-Unternehmen nur etwa 1,7 Millionen Euro einsammeln. Auch Envion war mit seinem ICO erfolgreich. Wegen des starken Andrangs wurde die Emission vorzeitig beendet. Envion konnte 100 Millionen Dollar einnehmen, das bislang sechstgrößte ICO überhaupt. Weil Menschen aus aller Welt was vom Kuchen abhaben wollen, können sich manche Firmen vor Anfragen kaum retten. Viele Anleger stürzen sich blind auf jeden ICO. Die zehn kürzesten Emissionen zogen im Schnitt 300.000 Dollar Kapital an - pro Sekunde.

Das geht aber nicht immer auf. Wysker hat zum Beispiel Startschwierigkeiten. Hier sollte der Pre-Sale eigentlich am 1. November 2017 beendet sein, doch das Berliner Startup musste den Vorverkauf bis zum 31. Januar 2018 verlängern.

Wofür steht der SVD Token?

Das Fintech-Unternehmen Savedroid wurde 2015 gegründet. Es brachte eine Spar-App auf den Markt. Die soll vor allem junge Nutzer ansprechen, die sich einerseits nicht sonderlich für das Thema Geld interessieren und am besten über eine spielerische Form des Sparens begeistert werden.

Nun soll eine Art Sparbuch für Kryptowährungen hinzukommen, mit der künftig das Sparen von Bitcoin oder Ethereum möglich sein wird. Um diese App nutzen zu können, gibt Savedroid seine neue hauseigene Währung. den SVD Token heraus. Auch hier erwirbt der Investor mit dem Kauf des Token nicht etwa eine Beteiligung an Savedroid. Wohl aber das Recht, eine Dienstleistung des Unternehmens in Anspruch zu nehmen. Denn mit dem SVD Token werden die Transaktionskosten für die Krypto-Spar-App von Savedroid bezahlt. Die neue SVD-Währung dient also als Recheneinheit für Geschäfte mit der Fintech-Firma.

Hauptsächlich dient sie aber der Spekulation. Die Käufer des SVD Token hoffen, dass sein Wert steigt. Dafür will Savedroid auch mit künstlicher Verknappung sorgen. Denn ein Teil der Token, die in Form von Transaktionsgebühren an die Firma zurückfließen, wird "verbrannt", aus dem Verkehr gezogen. Savedroid spricht von einem Deflationsmechanismus. Auf diese Art hat der SVD Token aber nur eine begrenzte Lebenszeit von 10 bis 20 Jahren.

Was heißt höchstes Sicherheitsniveau?

Savedroid unterstreicht seine seriöse Seite. Gründer Yassin Hankir war vier Jahre bei McKinsey tätig, er gründete 2013 den Robo-Advisor Vaamo. Und: Savedroid hebt noch ein anderes Merkmal hervor, mit dem man sich von anderen ICOs unterscheide: Man sei das erste ICO einer deutschen Aktiengesellschaft, die deutschen Gesetzen und Vorschriften folgt, "um den Teilnehmern das höchste Sicherheitsniveau zu bieten".

In der Tat: Andere nutzen die Vorschriften der Schweiz wie beispielsweise die Hamburger Envion. Oder auch Tezos: Mit über 230 Millionen Dollar das größte ICO überhaupt. Es war eines der viel versprechendsten ICOs des Jahres 2017 - doch inzwischen gibt es Betrugsvorwürfe. Die Schweiz und insbesondere das Steuerparadies Zug haben sich nicht gerade hervorgetan in puncto Anlegerschutz. Allerdings ist es mit Blick auf ICOs auch mit den deutschen Gesetzen nicht so weit her, wie selbst die BaFin warnt. Das strenge Aktienrecht findet jedenfalls keine Anwendung.

Savedroid streicht noch ein anderes Qualitätsmerkmal heraus: sein großartiges Team und das "Advisory Board". Unter den Experten im Aufsichtsrat ist zum Beispiel Finanzjournalist Roland Klaus, der denn auch vollmundig in einem Gastbeitrag auf "Wallstreet-Online" schreibt: "Savedroid mit Superstart: Erstes deutsches ICO haut richtig rein." Wer dabei nicht zum Zuge kam, könne aber immer noch am Mail Sale im Februar teilnehmen, macht Klaus Werbung.

"Russisch Roulette mit vollem Magazin"

"ICOs werden derzeit in vielen Fällen missbräuchlich genutzt", sagt Dirk Siegel, Partner bei der Unternehmensberatung Deloitte. "Auf Sicht besteht daher die Gefahr, dass im ICO-Markt viel Geld verbrannt wird." Die Aufsichtsbehörden sollten daher Regeln für die Platzierung neuer Kryptowährungen aufstellen.

"Der Markt für ICOs ist derzeit überwiegend ein reiner Spekulationsmarkt, weil nichts geregelt ist", sagt ein Anwalt, der auf Kapitalmarkt- und Wertpapierrecht spezialisiert ist. "Neun von zehn ICOs sind von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Das ist für Anleger wie russisch Roulette mit vollem Magazin." Im Vergleich zu ICOs seien Optionsscheine harmlos - diese seien von den Aufsichtsbehörden im Detail geregelt.

Ein Riesenmarkt
Dem Branchendienst CoinMarketCap.com zufolge gibt es derzeit knapp 1.500 Kryptowährungen. Täglich kommt eine zweistellige Zahl neuer Cyber-Devisen hinzu.

"Wir waren schockiert"

Nach Berechnungen der Experten der Unternehmensberatung Ernst & Young wird ICO-Investoren im Schnitt zehn Prozent ihre Kapitals gestohlen - meist durch Hacker-Angriffe. Dazu kommen Mängel in den "White Paper" genannten Verkaufsprospekten. Weil verbindliche Regeln fehlen, steht es Firmen frei, welche Informationen sie veröffentlichen. "Wir waren schockiert über die Qualität einiger White Paper", sagt Paul Brody, Experte bei Ernst & Young für die Blockchain-Technologie, auf der Bitcoin & Co. basieren.

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