Kryptoanleger

Startups auf der CAC 2019 Neues aus der deutschen Kryptowelt

von Till Bücker

Stand: 25.02.2019, 17:57 Uhr

Zahlreiche Startups mit vielen neuen unterschiedlichen Ideen tummeln sich am Montag auf der Crypto Assets Conference (CAC) an der Frankfurter School of Finance & Management. Eine Gemeinsamkeit haben sie aber doch: Sie wollen sich in der Kryptoszene behaupten.

Tag 1 der CAC 2019: Es herrscht Gedränge. In drei Räumen der Frankfurt School of Finance & Management präsentieren Protagonisten der Kryptowelt die neuen Entwicklungen und Meinungen über den aktuellen Stand in der Branche. Hier kommen Kryptofans, Techniknerds, Investoren, Unternehmer und auch Banker zusammen. Eine Menge Gesprächsbedarf also.

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Neben der BaFin, zuständig für den viel diskutierten regulatorischen Rahmen der digitalen Währungen und Finanzierungsmöglichkeiten in Deutschland, oder der Regierung von Liechtenstein, einem aufgrund kurzer bürokratischer Wege und einer offenen Finanzaufsicht für Kryptoliebhaber äußerst beliebten Land, sind auch viele Startups vor Ort - mit innovativen Geschäftsmodellen.

Zum Beispiel Bitwala. Das Berliner Unternehmen ist nach eigenen Angaben das vermutlich weltweit erste, das ein Bankkonto mit eingebauter Bitcoin Wallet anbietet, ein digitales Portemonnaie für den Handel mit Kryptowährungen.

Einzigartig, sicher, schnell

"Wenn ich mich bei Bitwala registriere, kann habe ich grundsätzlich ein ganz normales Girokonto, mit dem ich Daueraufträge ausführen kann oder auf das ich mein Gehalt gezahlt bekommen kann. Ich bekomme eine Mastercard, mit der ich am Geldautomaten Geld abheben und weltweit zahlen kann", beschreibt CFO Christoph Iwaniez im Gespräch mit boerse.ARD.de.

Einzigartig sei, dass Kunden darüber hinaus mit ihrem Online-Konto und dem dazugehörigen kostenlosen Wallet Kryptowährungen kaufen und verkaufen können - für eine Gebühr von einem Prozent. Normalerweise könne der Handel mit digitalen Währungen auch mal ein Wochenende oder länger dauern. Die Umwandlung in Bitcoins oder zurück dauert laut Bitwala nur eine Stunde.

Mithilfe eines Dienstleisters checkt die junge Firma die Transaktionen des jeweiligen Bitcoin-Anbieters auf der Blockchain, um Geldwäsche oder kriminelle Machenschaften auszuschließen. Das Ganze sei außerdem sicher, da das Geld stets in einer deutschen Kontobeziehung stehe. Dafür kooperiert das Startup mit der Solaris Bank, die im Hintergrund die Konten führt und bucht. Bitwala startete sein Produkt im vergangenen Dezember mit 40.000 Kunden auf der Warteliste, die nun der Reihe nach ein Konto bekommen.

Aktuell arbeite das rund 35-köpfige Team daran, neue Kryptowährungen neben Bitcoin in das System zu integrieren, sagt Iwaniez. Seit Anfang Januar wurden mehr als Million Bitcoins gehandelt und rund eine Million an Einlagen hinterlegt.

Startups in Zeiten des kriselnden Bitcoins

Christoph Iwaniez, Bitwala

Christoph Iwaniez, Bitwala. | Bildquelle: Unternehmen

Aber wie gut ist diese Idee? Immerhin hat nur ein Siebtel aller Kryptowährungen das Jahr 2018 überlebt und der Bitcoin rasant an Wert eingebüßt. Zudem brachte kürzlich auch die Börse Stuttgart eine App für den Handel mit digitalen Assets auf den Markt.

"Ich glaube, die Zeit war noch nie so gut für blockchainbasierte Geschäftsmodelle wie aktuell. Es gibt viele Beispiele, die funktionieren und die Regulatoren öffnen sich so langsam", meint Iwaniez. Außerdem sei Bitwala auch keine Trading App - sondern eine Verbindung zweier finanziellen Welten.

Das Startup wolle als Banking-Anwendung keine Spekulanten anlocken, sondern langfristig und nachhaltig das finanzielle Leben rund um digitale Währungen ermöglichen. Kunden sollen sie dafür einsetzen, wofür sie früher einmal gedacht waren: schneller und günstiger mit Menschen aus anderen Ländern Geld tauschen.

Digitaler Vermögensmanager investiert für Privatanleger

Bitwala ist nicht das einzige Startup auf der CAC. Auch Kai Kuljurgis, CEO von coindex, überraschte mit einer Innovation - dem ersten deutschen Index für Krypto-Assets. Der bereits an der Stuttgarter Börse gelistete cdx besteht aus 30 Krypto-Assets und berechnet sich dynamisch aus den Top 100. Er aktualisiert sich sekündlich und bildet damit eine Benchmark für den Kryptomarkt. In acht bis zehn Wochen wollen die Bielefelder dann das zugehörige Investmentprodukt coindex starten.

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Eine Art Robo Advisor soll dabei für Privatanleger auf Basis des Index-Algorithmus datengetrieben und dynamisch Geld anlegen. "Wir möchten ein Angebot schaffen, dass ganz emotionsfrei die Performance des Krypto-Markts abbildet", sagt Kuljurgis. Dafür nutzt der "digitale Vermögensmanager" den cdx als Investmentstrategie und passt sich einmal im Monat daran an. Die Kurse werden nach dem Preis bestimmt, zu dem die Partnerbank die Assets einkauft plus einer Gebühr.

Fragen über Fragen

Aber wie versteuern Anleger denn eigentlich ihre Gewinne aus dem Krypto-Handel? Darauf hat sich das Startup Cryptotax aus Bayern spezialisiert. Es hilft privaten Kunden und Firmen bei der Steuererklärung. Nicht ganz einfach, denn: Die Rechtsansprüche und Steuerpflichten ergeben sich aus der Art des Token, erklärt CEO Klaus Himmer.

Wie auch immer, es gibt noch viele offene Fragen in der Welt der digitalen Assets. Immer mehr junge Firmen wollen diese beantworten und kommen mit neuen Ideen auf den Markt.