Reihen aus Nullen und Einsen fliegen um einen Globus

Zweite Reihe holt auf Machtverschiebungen im Krypto-Markt

Stand: 21.12.2017, 10:59 Uhr

Bitcoin als die "Cyberwährung" und dann ganz lange nichts? Das war einmal. Die Alternativ-Währungen gewinnen an Fans und Marktkapitalisierung. Anleger spekulieren auf das nächste "ganz große Ding".

Allein die Verfügbarkeit einer Kryptowährung auf einer der wichtigen Handelsplattformen kann schon dafür sorgen, dass der Kurs regelrecht explodiert. So sorgte die Einführung des Handels mit der Bitcoin-Abspaltung Bitcoin Cash am Mittwoch für Turbulenzen auf der Plattform Coinbase. Bitcoin Cash verteuerte sich binnen eines Tages um mehr als 80 Prozent und wird derzeit zu knapp 3.000 Dollar gehandelt.

Untersuchungen wegen Insiderhandels

Die Begleitumstände des Starts zeigen, dass der Markt der Kryptowährungen noch einer Wild-West-Szenerie gleicht. So sollen Coinbase-Mitarbeiter, die von der Handelseinführung von Bitcoin Cash wussten, auf anderen Handelsplätzen massiv in die Währung investiert haben - im Wissen, dass der Kurs danach steigen würde. Derzeit laufen interne Untersuchungen bei Coinbase.

Bitcoin in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Crypto Currencies für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.829,41
Differenz relativ
+1,49%

Der Fall zeigt aber auch, dass Anleger derzeit fieberhaft nach Alternativen zum Bitcoin als Spekulation oder auch längerfristiger Anlage suchen. "Wo bekomme ich mehr von diesen außerordentlichen Rendite", fragen sich laut Charles Hayter vom Branchenportal CryptoCompare immer mehr Investoren. "Es ist eine Herdenmentalität, die gerade abhebt. Und das ist sehr gefährlich", so Hayter. Gerade die Einführung von Futures auf Bitcoin durch die US-Börsen CBOE und CME in den vergangenen Wochen haben neue Investoren ermuntert, in den Markt für "digitales Gold" einzutreten.

Kursknaller in der zweiten Reihe

Die Kurssprünge der Kryptos aus der zweiten Reihe, auch "Altcoins" genannt, fallen seit einer Woche auffällig größer aus als die beim Bitcoin, dessen Kurs an den vergangenen Tagen zuletzt sogar deutlich zurückggekommen ist. Ethereum, die Nummer zwei nach Marktgewicht, hat dagegen binnen einer Woche beim Kurs um rund 20 Prozent gewonnen und ist nach Marktkapitalisierung bald ein Drittel so groß wie Bitcoin (siehe unser Überblick: Die Top Ten der Kryptowährungen). Kursknaller unter den Top-Währungen war in der vergangenen Woche die Währung Cardano - ihr Kurs legte um sage und schreibe 250 Prozent in sieben Tagen zu.

Der Gesamtmarkt wächst weiterhin ungehemmt. Die Plattform Coinmarketcap weist für derzeit 1.372 Krypto-Währungen eine Marktkapitalisierung von 637 Milliarden Dollar aus. Derzeit scheint es, dass vor allem die Handelbarkeit verschiedener Währungen auf den einschlägigen Plattformen die Kurse noch bremst. Coinbase kommt nach eigenen Angaben kaum beim Verbuchen von Einzahlungen der Investoren nach. Und die Handelsplattform Bitfinex nimmt bedingt durch den hohen Andrang derzeit gar keine Neukunden mehr an.

Rückschläge immer möglich

Selbst die "Erschaffer" von Bitcoin-Alternativ-Währungen wie Litecoin-Gründer Charlie Lee warnen inzwischen vor allzu heftigen Preisausschlägen. "Litecoin auf diesem Preisniveau zu kaufen ist extrem riskant", so Lee vor wenigen Tagen, als der Kurs von Litecoin binnen weniger Tage von 80 auf 300 Dollar anzog. Ein Rückschlag, selbst von 90 Prozent sei möglich, so Lee. "Wer das nicht aushalten kann, sollte nicht kaufen". Inzwischen notiert Litecoin recht stabil bei rund 350 Dollar. Charlie Lee hat seine Litecoin-Bestände übrigens inzwischen vollständig verkauft und den Erlös gespendet. Nach eigenen Angaben, um Interessenkonflikte zu vermeiden.

AB

1/10

Die Top 10 der Kryptowährungen Der Bitcoin – und seine Alternativen

Bitcoins

Bitcoin (BTC)
Der Bitcoin exisitiert bereits seit 2009 – und ist damit die älteste auf der Blockchain-Technologie basierende Digitalwährung. Die Ur-Kryptowährung hat die schnelle und günstige Abwicklung von Transaktionen zum Ziel, wird diesen Anforderungen aber angesichts von Millionen von Nutzer immer weniger gerecht. Zudem ist das Bitcoin-Protokoll limitiert, zusätzliche Informationen können nicht transportiert werden.