Kryptokonferenz
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Krypto-Event in Frankfurt Kryptowelt: Chancen, Risiko, Diskussionen

von Till Bücker

Stand: 09.05.2019, 11:43 Uhr

In diesem Jahr feiert die größte Kryptowährung Bitcoin ihren zehnten Geburtstag. Zeit, um einmal auf den aktuellen Stand der Kryptowelt zu schauen. Auf der Konferenz "Kryptowährungen auf den Punkt" am Mittwoch in der Frankfurter Uni waren nicht nur Fans anwesend.

Gleich zu Beginn des rund vierstündigen Events flogen die Fetzen. "Es gibt keine Existenzberechtigung für Kryptowährungen", erklärt Volker Brühl von der Goethe-Universität Frankfurt. Als Zahlungsmittel - wie ursprünglich geplant - sei der Bitcoin nicht relevant. Burkhard Balz, Vorstand bei der Deutschen Bundesbank, pflichtet ihm bei: "Wir nennen es Kryptotoken - sie erfüllen nicht die Merkmale einer Währung."

Wegen der Wertschwankungen eigne sich der Bitcoin nicht als Zahlungs- oder Wertaufbewahrungsmittel. Dazu seien die Kryptos wenig liquide und von anderen Währungen abhängig. Schon früh habe die Bundesbank vor dem Risiko gewarnt.

Wegen geringer Transparenz, der extrem hohen Volatilität und fehlender verlässlicher Regulierung bezeichnete Brühl Kryptowährungen als hochspekulatives Anlageprodukt ohne Anlegerschutz.

Aktuell hat der Bitcoin wieder die 6.000-Dollar-Marke geknackt. Zum Vergleich: Im Dezember 2018 stand der Kurs noch bei rund 3.200 Dollar, Rekordhoch war bei etwa 20.000 Dollar rund ein Jahr zuvor. Die Volatilität sei fünf- bis sechsmal so hoch wie bei traditionell volatilen Anlageformen.

Bitcoin-Blasen Audio

Wissenswert: Was sind Bitcoins?

Der Finanzprofessor kritisiert auch bewusst die Anbieter von Handelsplattformen: "Anbieter wie Bison erwecken den Eindruck, als sei das Ganze reguliert. Dabei habe die BaFin keine allgemeinen Regeln, sondern entscheidet Case-by-Case." Die Aufsichtsbehörde sei viel zu spät aufgewacht.

Kryptobörse gehackt

Schon nach dem ersten Vortrag kommen die Gegenstimmen. Ulli Spankowski, zuständig für die Digitalstrategie der Börse Stuttgart und Mitentwickler der App Bison, hält dagegen: "Bei uns gibt es totale Transparenz. Es gibt keinen regulierten Börsenhandel - und das sagen wir auch." Und auch ein Referent der BaFin lässt die Kritik so nicht stehen: "Es gibt sehr wohl eine Regulierung seitens der BaFin."

Für den schlechten Ruf von Kryptos sorgen vor allem die Skandale, Betrügereien und Hacks in der Branche. In der Nacht zum Mittwoch gab einer der populärsten Kryptobörsen namens Binance bekannt, von Unbekannten gehackt worden zu sein. 7.000 Bitcoins im Wert von gut 40 Millionen Dollar seien transferiert worden. Das Guthaben der Binance-Nutzer sei jedoch nicht futsch, da ein für Notfälle eingerichteter Fonds den Verlust abdecke.

Kryptowährungen vs. Tokens

Hände tippen auf Schlüsselsymbole
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Blockchain - was ist das?

Auf der gesamten Konferenz wird klar: Man muss unterscheiden zwischen Kryptowährungen wie Bitcoin und Krypto-Tokens. Das sind digitalisierte Assets, die Ansprüche auf ein künftiges Produkt (Utility Token), eine Zahlung (Security Token) oder einen Service (Access Token) repräsentieren und auf der DLT-Technologie, zum Beispiel der Blockchain, gespeichert werden. "Die technische Basis hat wesentlich mehr zu bieten als die Spekulationserlöse", betont Balz. "Die Technologie hat eine große Zukunft", räumt auch Brühl ein.

Dennoch gebe es auch hier Handlungsbedarf. In Deutschland hinke die Entwicklung dieser sogenannten Initial Coin Offerings (ICO) sowieso hinterher. Ende 2018 stoppte die BaFin erstmals einen virtuellen Börsengang, bei dem das Unternehmen Rise Geld einsammeln wollte.

Einen riesigen Rückschlag erlebte die Szene im vergangenen Jahr, als der größte deutsche ICO spektakulär scheiterte. Die Envion AG brachte die Anleger um 100 Millionen Dollar, die Firma wurde schließlich wegen Prospektbetrug aufgelöst.

Und auch der Nutzen der Technologie sei noch nicht komplett erforscht, so Balz. "Die Blockchain klingt vielversprechend, aber die vertrauensbildende Komponente fehlt." Die Bundesbank teste aktuell mit der Deutschen Börse Group mit einem Prototypen die Leistungsfähigkeit in Finanzstrukturen.

Privatanleger: Vorsicht bei Kryptos

Für die richtige Regulierung müsse es laut Balz eine europäische Lösung geben. "Die Regulierung schreitet voran", meint Martin Schmidt von Postera Capital, die den weltweit ersten regulierten Fonds für auf der Blockchain basierende Assets aufgestellt haben. Der Fonds ist nach europäischem Recht gestaltet und von der Finanzaufsicht Liechtenstein abgesegnet.

Nicht umsonst ist Liechtenstein ein Vorreiter in Sachen Kryptos. In diesem Jahr hat das Land ein Blockchain-Gesetz auf den Weg gebracht. Immerhin: Auch die deutsche Regierung hat im März Eckpunkte für die regulatorische Behandlung von Tokens veröffentlicht.

Für Privatanleger ist der Fonds nicht gedacht. "Kleinanleger können im Zweifel die Risiken nicht komplett einschätzen", begründet Schmidt. Der Schritt zu professionell gemanagten Produkten sei jedoch der richtige. Die technische Kenntnis, wenige seriöse Anbieter und die hohe Volatilität seien Herausforderungen.

Viele Kryptos werde es auf dem immer noch jungen Markt darüber hinaus in einigen Jahren nicht mehr geben. Schon 2018 sind lediglich 300 von über 2.000 übrig geblieben. Kryptowährungen seien daher keine Alternative für Aktien oder Anleihen, so der Assetmanager. Aber: "Sie eignen sich zur Diversifizierung von Portfolios." Die Korrelation zu Indizes wie dem MSCI World sei sehr gering.

Die deutschen Pioniere

Auch wenn es noch keine regulierten Publikumsfonds gibt - Kryptobörsen tauchen mittlerweile auch in Deutschland auf. Durch die Zusammenarbeit mit deutschen Finanzinstitutionen versprechen sie mehr Sicherheit und Transparenz als ausländische und unseriöse Anbieter, die ihr Angebot häufig komplex und unübersichtlich gestalten. Passende Ansprechpartner? Fehlanzeige.

"Einige Investoren finden Volatilität nun einmal spannend", beschreibt Ulli Spankowski die Motivation der Börse Stuttgart für die App Bison. Hier werden die Kunstwährungen per Smartphone in Deutschland gehandelt und nicht etwa in China oder den USA. Sowa Labs, die zuständige Börsentochter, verdient dabei ausschließlich am Spread, also der Differenz zwischen An- und Verkaufspreis. Transaktionskosten oder Depotgebühren gibt es nicht.

Die Anleger benötigen keine eigene Wallet, sondern können die gekauften Kryptos direkt bei der Börsentochter treuhänderisch aufbewahren lassen. Mithilfe eines "Cryptoradars," der die Stimmung innerhalb der Marktteilnehmer über Twitter ermittelt, wird den Anlegern noch ein Tool zur Beurteilung der Trends am Kryptomarkt an die Hand gegeben. Für den Sommer plant die Börse Stuttgart einen Handelsplatz für alle digitale Assets, eine ICO-Plattform.

Girokonto plus Krypto-Wallet

Das Unternehmen Bitwala hat einen anderen Ansatz. Sie wollen die Verbindung zwischen der traditionellen und der Krypto-Welt herstellen. "Pro Tag gucken die Deutschen fünf- bis zehnmal online auf ihr Girokonto", erklärt Christoph Iwaniez, CFO. Das Berliner Startup ist nach eigenen Angaben das vermutlich weltweit erste, das ein Bankkonto mit eingebauter Bitcoin Wallet anbietet.

Mithilfe eines Dienstleisters checkt die junge Firma die Transaktionen des jeweiligen Bitcoin-Anbieters auf der Blockchain, um Geldwäsche oder kriminelle Machenschaften auszuschließen. Das Ganze sei außerdem sicher, da das Geld stets in einer deutschen Kontobeziehung stehe. Dafür kooperiert das Startup mit der Solaris Bank, die im Hintergrund die Konten führt und bucht.

Am Ende der Konferenz in Frankfurt sind sich dann doch alle einig. Um die Kryptoszene beliebter zu machen und die Technologie auch in der Finanzszene nutzen zu können, müssen alle - Regulierer, Unternehmen und Nutzer - gemeinsam an einem Strang ziehen.

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