Dr. Martin Diehl - Deutsche Bundesbank
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Blockchain in der Diskussion "Kryptowährungen verdienen den Namen nicht"

Stand: 29.03.2018, 14:19 Uhr

Dr. Martin Diehl, Chef der Abteilung Payment Systems Analyse bei der Deutschen Bundesbank, hält nicht viel von Kryptowährungen als Alternative zu etablierten Währungen. Seine Begründung: Sie haben keinen realen Wert.

Blockchainbasierte Währungen nennt er Krypto-Tokens. "Sie haben keinen instrinsischen Wert und sie erfüllen nicht die wesentlichen Funktionen des Geldes", erklärt Diehl. Mit intrinsischem Wert meint der Zentralbanker den Verbrauchs- oder Gebrauchswert eines Gutes. Die wesentlichen Funktionen von Geld, also Zahlungsmittel-, Wertaufbewahrungs- und Wertmaßstabsfunktion, spricht er den Kryptowährungen komplett ab: "Zentralbankgeld hat einen Emittenten. Dahinter steht die Zentralbank mit all ihrer Bonität und der Integrität, der für sie handelnden Personen." Kryptowährungen haben keinen Emittenten, deshalb könne man sie auch niemandem zurückgeben.

Gefährliches Spiel

Weil Kryptowährungen nicht real seien und deshalb auch keinen realen Wert haben, seien sie hochgefährlich, erklärt Diehl. Ihr Wert sei vollkommen willkürlich: "Damit ist jeder Wert möglich und damit auch ein Totalverlust", erläutert er. Das müsse jeder wissen, der in Kryptowährungen investiert, "wobei ich das Wort Investition in Zweifel ziehen würde".

Blockchain ohne Nutzen

Und Diehl geht noch weiter. Im reinen Zahlungsverkehr spricht er der Blockchain, also der Technologie, die hinter vielen Kryptowährungen steckt, wenige bis gar keine Anwendungsmöglichkeiten zu. Innerhalb des Euroraumes gäbe es mit Sepa bereits ein sehr effizientes Zahlungsverkehrssystem. Wenn überhaupt, könnte die Blockchain irgendwann einmal eine Rolle bei der Abwicklung unbarer Transaktionen sein, so Diehl.

Getroffen haben wir Dr. Martin Diehl auf der Crypto Asset Conference der Frankfurt School of Finance and Management.

mb