Dunkle Euromünze mit Bundesadler

Digitale Währungen auf dem Vormarsch Kommt jetzt der digitale Euro?

von Marc Stephan

Stand: 12.11.2019, 11:05 Uhr

In Schweden bereitet man eine eigene Digitalwährung vor und in China ist die Idee schon weit fortgeschritten. Innerhalb der Eurozone werden Forderungen nach dem E-Euro immer lauter.

Es ähnelt einem Wettrüsten: Seit der Bitcoin im Jahr 2009 den Beginn des Kryptowährungs-Zeitalters eingeläutet hat, entstehen in regelmäßigen Abständen neue Kryptowährungen. Der derzeit größte Konkurrent des Bitcoin ist die digitale Währung Ethereum. Zuletzt kündigte der Technologieriese Facebook an, mit Libra eine eigene digitale Währung auf den Markt zu bringen.

Mit Kryptowährungen beschäftigen sich aber nicht nur private Anbieter, sondern zunehmend auch Staaten und Zentralbanken. "Die Verantwortung für die Währungsordnung wird und muss auch weiterhin bei den Staaten liegen", sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Hans-Walter Peters anlässlich der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank im Oktober.

Das Problem an Bitcoin und Co.

Blockchain Screenshot

Kryptogeld ist weiter auf dem Vormarsch. | Bildquelle: ethdev.com

In den vergangenen Monaten war das Thema Regulierung in Bezug auf Kryptowährungen oft präsent. Auch die neue Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB) Christine Lagarde positionierte sich im September zu diesem Thema. Die EZB müsse "offen sein für die Möglichkeiten, die im Wandel liegen". Eine angemessene Regulierung solle dafür sorgen, dass Ansätze aus der Kryptobranche in Richtung Allgemeinwohl gelenkt werden. Sowohl die europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) als auch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) sprachen sich Anfang dieses Jahres für eine stärkere Regulierung aus, die in der ganzen EU einheitlich angewandt werden könne. Dadurch sollen Kryptoinvestoren besser geschützt werden.

Staatliche Kryptowährungen

Schon häufiger sprachen sich Experten und Politiker, auch aus Deutschland, dafür aus, ein Konkurrenzprodukt zu den unregulierten Kryptowährungen wie dem Bitcoin oder der geplanten Libra zu schaffen.

In China und Schweden sind die Pläne dazu bereits konkret. Folgt nun möglicherweise Deutschland oder die gesamte Eurozone? Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU im Bundestag, Nadine Schön, ist der Meinung, dass ein eigenes Angebot nicht schaden könne, um im Krisenfall unabhängig zu bleiben.

In einer aktuellen Studie des Schweizer Börsenbetreibers SIX heißt es, es sei wenig wahrscheinlich, dass sich dezentrale digitale Währungen durchsetzen und Kryptowährung wie der Bitcoin die von der Zentralbank ausgegebenen Währungen als dominante Geldformen ersetzen.

Digitaler Euro vorerst nur in der Industrie?

Ein Arbeiter überprüft mit einem Laptop die Betriebsdaten von vernetzten Maschinen

Der Bankenverband fordert einen "E-Euro" für die Industrie. | Bildquelle: colourbox.de

Nun fordert auch der Bundesverband deutscher Banken (BdB) eine rasche Entwicklung des digitalen Euro. In einem Positionspapier spricht sich BdB-Chef Andreas Krautscheid für einen "E-Euro" aus. Der Bankenverband fordert nationale Notenbanken, EZB, Politik und Wirtschaft auf, an einer E-Geld-Lösung zu arbeiten. Allerdings solle die Lösung vorerst nur für die Industrie gedacht sein, nicht für Jedermann. Durch die Digitalisierung und das Fortschreiten der "Industrie 4.0" sei eine digitale Währung notwendig und der Bedarf in diesem Bereich am dringendsten.

Die Möglichkeiten, über die man sich in Deutschland derzeit Gedanken mache, gehen laut Krautscheid noch nicht soweit, jeden Bürger mit digitalem Geld zu versorgen. "Es lässt sich aber nicht ausschließen, dass es in der ferneren Zukunft dazu kommt. Aber dieser Schritt würde das Bankensystem grundlegend verändern", schreibt Krautscheid.

Die Commerzbank ermöglicht gemeinsam mit dem Start-up Cash on Ledger bereits heute Transaktionen mit digitalem Euro. Echtes Geld wird hierbei in die Blockchain transferiert und dann eine automatische Zahlungsabwicklung ermöglicht. Die entwickelte Lösung wurde im Rahmen eines Pilotprojekts mit Daimler Trucks getestet. Dabei ging es um die automatische Zahlungsabwicklung von Ladevorgängen an E-Ladesäulen.

Die meisten Europäer schwören auf das Bargeld

Bezahlen mit dem Apple iPhone

Trotz der Möglichkeiten bargeldlos zu zahlen, sind Münzen und Scheine derzeit nicht wegzudenken. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Was bei der Einführung des E-Euros für Jedermann erschwerend hinzu kommt ist die Akzeptanz bei den Bürgern. Denn derzeit dominiert noch das Bezahlen mit Bargeld in Europa und Deutschland. Durchschnittlich werden 78 Prozent aller Geschäfte bar erledigt. Und auch mit dem mobilen Bezahlen tut man sich in Deutschland schwer. Dienste wie Apple Pay oder Google Pay werden hierzulande bei weitem nicht so akzeptiert wie in den USA. Italien kündigte jüngst an, bargeldlose Zahlungen zu unterstützen.

China und Schweden als Vorbild

Schwedische Flagge

Schweden macht es vor. | Bildquelle: colourbox.de

Die Vorbereitungen für eine E-Krone in Schweden sind weit fortgeschritten. Dort ist man schon auf der Suche nach einem Anbieter, der der schwedischen Zentralbank dabei hilft, die digitale Währung für die Einführung bereit zu machen.

Dass uns Schweden mit der digitalen Währung einen Schritt voraus ist, wundert nicht, wenn man die Relevanz des Bargeldes in beiden Ländern vergleicht. Im Jahr 2018 fiel die Quote der Barzahlungen in Deutschland erstmals unter 50 Prozent, dies geht aus Zahlen der Bundesbank hervor. In Schweden dagegen spielt das Bargeld kaum noch eine Rolle. Immer mehr Bürger setzen stattdessen die EC- oder Kreditkarte, aber auch PayPal, Apple Pay oder andere Dienstleister für Mobiles Bezahlen ein. Die Quote der Barzahlungen lag 2018 laut der schwedischen Nationalbank bei 19 Prozent. Um sich diesem Wandel anzupassen, sieht sich die schwedische Reichsbank gezwungen, die „e-krona“ einzuführen.

Dass auch in China eine staatliche digitale Währung kommt, ist schon länger bekannt. "Chinas Zentralbank befasst sich schon seit fünf oder sechs Jahren mit dem Thema Digitalwährung und inzwischen ist das Konzept ausgereift", sagte Huang Qifan, Vizechef eines regierungsnahen Thinktanks.

Krypto-Währung in China

China ist Vorreiter bei einer digitalen Staatswährung. | Bildquelle: colourbox, Montage: boerse.ARD.de

Er halte nichts von nicht-staatlich organisiertem Kryptogeld wie dem Bitcoin oder Facebooks Libra. Seit rund zwei Jahren ist der Handel mit solchen Währungen in China verboten. Insofern ist davon auszugehen, dass Chinas digitaler Währung darauf ausgelegt ist, Transaktionen lückenlos zurückzuverfolgen – anders als bei Bitcoin und Co.