Oswald Salcher

Marktanalyst Oswald Salcher Bitcoin: "Werden wohl noch die 5.000 Dollar sehen"

Stand: 05.02.2018, 14:02 Uhr

Jetzt ist auch die Marke von 8.000 Dollar gefallen: Verschwindet der Bitcoin in der Versenkung, oder ist er noch zu retten? Und welche Kryptowährungen haben Zukunft? Wir sprachen mit dem Kryptoexperten Oswald Salcher.

boerse.ARD.de: Herr Salcher, wo könnte der Bitcoin in der derzeitigen Korrektur einen Boden finden?

Oswald Salcher: Also, ich finde die derzeitige Korrektur dringend notwendig, gesund und auch nicht unerwartet. Im Dezember hatte man ja das Gefühl, dass die Bäume in den Himmel wachsen - und das tun sie ja bekanntlich sehr selten. Wir müssen uns jetzt mal wieder an den Grundgedanken der Kryptowährungen zurückerinnern, warum es sie überhaupt gibt und wofür sie gebraucht werden. Gerade die Punkte schnelle und kostengünstige Transaktionen sind ja derzeit nicht so ausgeprägt, wie es ursprünglich mal gedacht war. Der Bitcoin zum Beispiel erfüllt das im Moment nicht, sondern hat immer noch einen Stau in der Abarbeitung von Transaktionen und ist auch nicht mehr so günstig.

Bitcoin in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Crypto Currencies für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
4.373,69
Differenz relativ
-0,10%

Jetzt ist die Zeit gekommen, um diese Schwächen zu analysieren und sehr wahrscheinlich in einer nächsten Hardfork zu beheben. Der Sell-Off ist noch nicht vorbei und ich glaube, dass wir sehr wahrscheinlich bis Mitte Februar die 5.000 US-Dollar noch sehen werden, ehe es dann wieder nach oben geht.

boerse.ARD.de: Kann man Kryptowährungen eigentlich mittels Charttechnik analysieren, oder versagen hier die Mechanismen, die man aus den etablierten Märkten kennt?

Salcher: Ich bin ja gelernter Chartist und sehe bei den Kryptowährungen kaum Einsatzmöglichkeiten der Charttechnik. Bis auf den Bitcoin fehlt uns ja bei den meisten Kryptowährungen eine aussagekräftige Historie, und wie wir im letzten Jahr gesehen haben, gelten nicht einmal die wichtigen Widerstands- und Unterstützungsmarken wie zum Beispiel bei 10.000 Dollar. Aber wenn man doch eine Aussage aus dem Chart lesen möchte, dann sieht man, dass der Bitcoin (in US-Dollar) nun erstmal deutlich unter der 200-Tage-Linie liegt. Das sagt uns ganz klar, dass die Reise erstmal noch weiter nach Süden gehen wird.

boerse.ARD.de: Das hinter dem Bitcoin stehende Miningkonzept ist sehr energieaufwändig, zudem gilt das Protokoll als technisch überholt. Ist es überhaupt noch möglich, den Bitcoin über Forks und Upgrades zu retten?

Salcher: Es gibt derzeit mehr als 1.500 bekannte Kryptowährungen, und eigentlich sind alle angetreten, der bessere Bitcoin zu sein. Viele haben die Schwachstellen von Bitcoins aufgezeigt und bieten zum Teil bessere Lösungen an, wie beispielsweise eine höhere Blockgröße. Ich bin mir sicher, die Entwickler und Miner von Bitcoins haben das auch erkannt und haben nun die Chance, das Konzept von Bitcoin zu verbessern. Wichtig ist ja bei jeder Kryptowährung am Ende die Akzeptanz als Zahlungsmittel. Ich glaube auch, dass Cardano ein besseres Konzept hat als Bitcoin. Allein, man kann nirgendwo damit bezahlen und das spricht dann doch für den Bitcoin, weil er noch die Nummer 1 in der Akzeptanz und nach Marktkapitalisierung ist - und "size matters".

boerse.ARD.de: Derzeit scheint Ethereum auf dem Weg, Bitcoin den Rang als Kryptowährung Nummer 1 abzulaufen. Zu Recht?

Salcher: Nein, das sehe ich nicht so, denn Ethereum ist ja mehr als eine Kryptowährung. Ethereum ist eine sehr intelligente Erweiterung einer Kryptowährung um Vertragsbedingungen, also so genannte "Smart Contracts". Das Konzept ist überzeugend und man versteht auch die Anwendungsmöglichkeiten, an denen schon intensiv gearbeitet wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass mehrere Kryptowährungen nebeneinander existieren können. Ethereum, Bitcoin und IOTA werden sicher dazugehören. Wer am Ende die Nase vorne hat, ist nicht wirklich entscheidend.

boerse.ARD.de: Welche Kryptowährungen halten Sie nach aktuellem Stand für die aussichtsreichsten?

Salcher: Neben Bitcoin Bitcoin Cash, Ethereum, IOTA, Ripple, Litecoin, Dash und Neo.


Das Gespräch führte Detlev Landmesser.

Oswald Salcher war mehrere Jahre Marktanalyst beim Onlinebroker Flatex. Er verfügt über mehrere Jahre Tradingerfahrung mit Bitcoins und anderen Kryptowährungen. Als freier Marktanalyst beschäftigt er sich vor allem mit der zugrundeliegenden Technologie, den Konzepten und der Entwicklung der Kryptomärkte.