Apps von Instagram, Facebook, WhatsApp auf einem Smartphone
Audio

Erste Details bekannt geworden Facebook und die neue Weltwährung

Stand: 05.06.2019, 15:35 Uhr

Facebook arbeitet an der Schaffung einer eigenen Kryptowährung, die das Zeug zu einer neuen Weltwährung hätte. Nun sind einige Details bekannt geworden.

Die Währung soll an den Dollar gebunden sein und allen offen stehen, auch Nichtnutzern von Facebook. Dabei will Facebook sich auf die Blockchain-Technologie stützen.

Das bedeutet: Zahlungen könnten direkt zwischen den Parteien ("peer-to-peer") abgewickelt werden, ohne die Vermittlung einer Bank, wie das derzeit noch der Fall ist. Wer mit einer Kryptowährung zahlt, braucht keine Bank, die den Vorgang abwickelt und dafür Geld verlangt. Direkte Zahlungen können deshalb erheblich billiger sein als herkömmliche Vorgänge.

Mehr Nutzer als die USA und der Euroraum

Riesiges Potenzial verspricht die Bindung der Kryptowährung an den Dollar. Damit wäre eine Facebook-Münze (FB-Coin) soviel wert wie die Währung der Vereinigten Staaten. Eigenen Schätzungen zufolge nutzen jeden Monat 2,7 Milliarden Menschen Facebook, WhatsApp, Instagram oder Messenger.

Zwar dürften nicht alle Facebook-Nutzer das neue Zahlungsmittel verwenden wollen. Doch wenn sich nur ein Viertel von ihnen für das neue Zahlungsmittel entscheiden sollte, hätte die neue Währung mehr Nutzer als die Vereinigten Staaten und der Euroraum zusammen an Einwohnern haben, erklärt der frühere langjährige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, gegenüber der "FAZ".

"Zeug zu einer Weltwährung"

"Folglich hätten die meisten Menschen der Welt Zugang zu Facebook-Coins", so Mayer. Da die Marke stark, die Kaufkraft bekannt und die Zahlungen billig wären, hätte FB-Coin das Zeug zu einer Weltwährung. "Facebook bekäme einen Finanzdatenschatz, und der Einfluss der Vereinigten Staaten auf das globale Geld- und Finanzsystem würde noch stärker."

Allerdings dürfte das Beispiel rasch Schule machen. Mayer schätzt, dass auch andere große Technologiefirmen wie Amazon oder PayPal eigene Coins herausgeben würden, um ihre Nutzer an sich zu binden und an deren Daten zu kommen. "Wären diese auch an den Dollar gekoppelt, würde die Finanzmacht der amerikanischen Notenbank gewaltig. Vermutlich hätten nur chinesische Plattformunternehmen wie Alibaba oder Tencent dem etwas entgegenzusetzen", schlussfolgert der Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute.

Allerdings haben die staatlichen Regulierer wie die US-Notenbank dem Projekt noch kein grünes Licht gegeben. Eine Facebook-Sprecherin wollte die Spekulationen über eine eigene Währung nicht kommentieren und verwies auf frühere Angaben, wonach der Konzern verschiedene neue Anwendungen austeste.