Euromünze in Nahaufnahme

Ergänzung zum Bargeld, kein Ersatz? EZB bereitet sich auf digitalen Euro vor

Stand: 02.10.2020, 13:28 Uhr

Europas Währungshüter intensivieren ihre Arbeit an einem digitalen Euro. Damit möchte die EZB auf den Trend hin zu elektronischem Bezahlen reagieren, erklärt die Präsidentin Christine Lagarde. Aber es gibt auch andere Gründe.

"Die Menschen in Europa bezahlen, sparen und investieren immer häufiger auf elektronischem Weg. Unsere Aufgabe ist es, das Vertrauen in unsere Währung zu sichern. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass der Euro für das digitale Zeitalter gerüstet ist", sagte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde. "Wir sollten darauf vorbereitet sein, einen digitalen Euro einzuführen, sollte dies erforderlich werden."

Christine Lagarde

Christine Lagarde. | Bildquelle: imago images/Xinhua

Technisch würde ein digitaler Euro dem Bitcoin ähneln. Aber im Gegensatz zu der Kryptowährung stünde er unter Aufsicht und den Regeln einer Zentralbank. Das dürfte kein unwesentliches Argument für die EZB sein, denn an einer privaten Konkurrenz für die Euro-Währung wird sie kaum Interesse haben.

Ferner entwickeln US-Konzerne wie beispielsweise Facebook mit Libra längst digitale Währungen. Auch die chinesische Zentralbank, die People’s Bank of China steht in den Startlöchern. Hier möchte die EZB Anschluss und Einfluss nicht verlieren.

Digitales Bezahlen bei Naturkatastrophen?

"Die Einführung eines digitalen Euro kann in verschiedenen Szenarien erforderlich sein, etwa wenn die Menschen nicht mehr mit Bargeld zahlen wollen, oder in extremen Situationen wie Naturkatastrophen oder Pandemien, in denen andere herkömmliche Zahlungsdienstleistungen nicht mehr funktionieren", erläuterte EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta in einem am Freitag veröffentlichten Gastbeitrag.

Ein digitaler Euro würde uns auch davor bewahren, dass staatliche oder privatwirtschaftliche digitale Zahlungsmittel, die aus Ländern außerhalb des Euroraums stammen oder von dort kontrolliert werden, bestehende Zahlungsmittel weitgehend verdrängen", führte Panetta weiter aus.

Nur Ergänzung zum Bargeld, kein Ersatz?  

Digitale Währungen funktionieren auf Basis einer sogenannten Blockchain - also über eine Kette von Datenblöcken, die sich mit jeder Transaktion ausbaut. Ein solcher Euro würde dabei als digitale Einheit existieren und für Online-Geschäfte verfügbar sein.

Die EZB erklärte, eine solche elektronische Form von Zentralbankgeld könnte von der breiten Bevölkerung genutzt werden, genauso wie Bargeld, nur in digitaler Form. Die Währungshüter versicherten, ein digitaler Euro wäre eine Ergänzung zum Bargeld, kein Ersatz: "In jedem Fall wird das Eurosystem auch weiterhin Bargeld ausgeben."

Regnende Euroscheine

Euroscheine soll es auch weiterhini geben . | Bildquelle: colourbox.de

Datenschützer üben Kritik

Datenschützer kritisieren, dass die ein digitaler Euro dazu führt, dass die Zentralbank jede Transaktion nachvollziehen könne. Darauf möchte die EZB reagieren, indem sie anonyme Käufe bis zu einem gewissen Geldbetrag ermöglichen will.   

Schon vor der Corona-Krise hatte sich der Trend zum Bezahlen ohne Scheine und Münzen in Deutschland und im Euroraum verstetigt. 98 Milliarden Zahlungen im Währungsraum der 19 Staaten im Gesamtwert von gut 162 Billionen Euro wurden 2019 nach EZB-Angaben bargeldlos abgewickelt. Das waren 8,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Pandemie sorgte für einen weiteren Schub bei digitalen Bezahlverfahren. "

Bislang hat der EZB-Rat aber noch keinen Beschluss zur Ausgabe eines digitalen Euro gefasst. Geplant ist nun ein Austausch mit Bürgern, Wissenschaftlern, dem Finanzsektor und Behörden, um Vor- und Nachteile eines digitalen Euro abzuwägen. Ein öffentliches Konsultationsverfahren werde am 12. Oktober eingeleitet. Gleichzeitig werde die Testphase beginnen, ungeachtet des finalen Beschlusses, teilte die EZB mit.

ts