Monero-Münze

Anonymer Liebling Die kriminelle Szene setzt jetzt auf Monero

Stand: 11.01.2018, 09:16 Uhr

Derzeit ist eine breit angelegte Bewegung weg vom Bitcoin hin zu anderen Kryptowährungen zu beobachten. Der steigende Regulierungsdruck treibt eine gewisse Klientel unter den frühen Bitcoin-Fans in andere Coins, die mehr Privatsphäre versprechen. Insbesondere der Monero erscheint interessant für Kriminelle.

230.000 Computer in über 150 Ländern fielen im vergangenen Jahr der WannaCry-Cyberattacke zum Opfer. Die Hacker infizierten die Computer mit einer Schadsoftware und verlangten die Zahlung von Lösegeldern – aber bitte in Bitcoin.

Es war nicht der erste Erpressungsversuch mit der Kryptowährung: In der Vergangenheit nutze die kriminelle Szene die Anonymität der Blockchain-Technologie für ihre Zwecke. Daher sind Bulgarien und viele weitere Länder nach Festnahmen im Besitz von Kryptowährungen.

Bloß weg vom Bitcoin!

Doch das hat sich mittlerweile geändert: Nur die Nutzvorgänge beim Bitcoin ist anonym. Jede abgeschlossene Transaktion in der Blockchain liefert Informationen, die für jeden Interessierten öffentlich zugänglich sind. Durch spezielle Tools können Behörden diese Informationen mittlerweile ausfindig machen.

Hackerangriff

Hackerangriff. | Bildquelle: colourbox.de

Europol hat daher bereits vor drei Monaten Alarm geschlagen: Kryptowährungen wie Monero, Ethereum und Zcash seien beim digitalen Untergrund immer beliebter. Laut der Sicherheitsfirma Wordfence haben Hacker im Dezember rund 190.000 WordPress-Seiten pro Stunde attackiert: Die Seitenbetreiber sollten daraufhin Monero produzieren.

Die zwielichtige Unterwelt wechselt also gerade den Anbieter. Ein heißer Kandidat für kriminelle Geschäfte ist der Monero, so Matt Suiche vom indischen Sicherheitsunternehmen Comae Technologies gegenüber Bloomberg. Auch die Verantwortlichen der WannaCry-Attacke seien bereits umgestiegen.

Je anonymer, desto krimineller

Monero-Münze

Monero. | Bildquelle: Unternehmen

Entwickelt wurde der Monero von einem siebenköpfigen Team. Der Name kommt aus der Plansprache Esperanto und bedeutet übersetzt "Münze". Er basiert zwar auch auf der Blockchain-Technologie, verwendet aber mit dem so genannten CryptoNight-Protokoll eine spezielle Verschlüsselung. Anders als beim Bitcoin kann eine Blockchain-Analyse daher den Geldstrom nicht so einfach aufdecken. Das macht ihn noch sehr viel anonymer - ein Vorteil, den unter anderem auch die Kriminelle zu schätzen wissen.

Verschieden große Schlosssymbole

Blockchain. | Bildquelle: colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Eine weitere Eigenschaft von CryptoNight ist der speicherintensive Algorithmus. Daher reicht für das  Monero-Mining die Prozessorleistung und Grafikkarte eines handelsüblichen Computers aus. Große Serverfarmen, wie es sie für das Mining des Bitcoin mittlerweile gibt, braucht es also nicht.

Inflation ist willkommen

Ein weiterer Unterschied zum Bitcoin: Die Menge an Coins ist nicht festgelegt. Die Zahl soll sogar beständig anwachsen – Experten schätzen, dass es ab 2040 mehr Moneros als Bitcoins geben wird. Dadurch gibt es eine gewollte Inflation. Laut der Entwickler soll sie bei 0,87 Prozent liegen und dadurch eine Deflation verhindern. Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei mehr als fünf Milliarden Dollar - im Frühjahr 2017 lag sie noch bei rund 730 Millionen Dollar.

Obwohl es den Monero schon seit 2014 gibt, kam er erst in den letzten Monaten so richtig in Fahrt: Seit August ist er von 50 Dollar auf über 300 Dollar gestiegen. Kurz vor Weihnachten knackte er dann kurzzeitig sogar die 450-Dollar-Marke. In der vergangenen Woche schwankte er dann zwischen 350 und 400 Dollar.

Da der Monero als eine der sichersten und privatesten Kryptowährungen gilt, finden auch Unternehmen Gefallen daran: Mittlerweile können Fans die Alben und Fanartikel von Stars wie Alice Cooper, Mariah Carey und Motörhead in deren offiziellen Online-Shops mit Monero bezahlen. Auch die Organisation VideoLan, die hinter dem VLC Media Player steckt, akzeptiert den Monero als Zahlungsmittel.

Der Bitcoin kommt ins Straucheln

Bitcoin in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.326,39
Differenz relativ
-10,04%

Der Bitcoin dümpelt unterdessen seit einigen Tagen um die 15.000-Dollar-Marke herum. Experten sehen die geplante strengere Regulierung der asiatischen Märkte in China und Südkorea als Ursache. Auch bei Ripple ging es zuletzt abwärts, so dass sich Ethereum wieder auf den zweiten Platz der Kryptowährungen setzen konnte. Auch die weitere Konkurrenz holt langsam auf.

Zugleich beendete der Branchendienst Coinmarketcap den Handel an südkoreanischen Börsen: Dort waren die Tauschkurs in der Vergangenheit oft deutlich höher ausgefallen als an europäischen und amerikanischen Börsen, was den durchschnittlichen globalen Preis verzerrt hat. Außerdem erteilten zwei US-Fondgesellschaften ihren Plänen für Bitcoin-ETFs eine Absage.

jz

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