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Die Bitcoin-Rally und ihre Risiken Die Gier trübt die Sinne

Stand: 08.12.2017, 10:56 Uhr

Der Höhenflug des Bitcoin suggeriert, dass es eigentlich nur Käufer für die Computerwährung gibt. Kein Wunder, wer will schließlich nicht schnell reich werden? Aber es könnte auch ein böses Erwachen geben.

Denn schon ab dem kommenden Sonntag, 10. Dezember, will die US-Optionsbörse Chicago Board Options Exchange (CBOE) einen Future auf die Kryptowährung anbieten. Der Montag darauf wäre dann der erste volle Handelstag. Der weltgrößte Börsenbetreiber, die Chicago Mercantile Exchange (CME), folgt mit seinem Future eine Woche später ab dem 18. Dezember. "Streichen Sie das Datum in Ihrem Kalender an", schrieb die CME am Monatsanfang in einer Mitteilung an Interessenten und die Öffentlichkeit.

Damit erreicht der Handel in der Computerwährung eine völlig andere Ebene. Für die Kunstwährung dürfte es zur Nagelprobe kommen, denn mit dem neuen Instrument können Profi-Anleger erstmals in großem Stil auch auf fallende Kurse setzen. Bisher war der Handel mit dem Bitcoin vor allem Enthusiasten und Long-Spekulanten vorbehalten. Werden frühere Exzesse korrigiert oder folgt eine komplette Neubewertung? Für Spannung ist jedenfalls gesorgt.

Kurs hochvolatil

Zum Wochenschluss jedenfalls gibt es nochmal kräftige Bewegung beim Bitcoin - und vielleicht einen Vorgeschmack darauf, was kommen könnte. Denn zunächst sackte der Kurs am frühen Morgen um über zwölf Prozent auf rund 14.500 Dollar ab, um danach wieder rasant anzuziehen. Aktuell notiert der Bitcoin wieder unterhalb von 15.000 Dollar.

Warnsignale gibt es genügend

Der momentane Hype um die Computerwährung dürfte so manchen Marktteilnehmer noch an die Zeiten des neuen Marktes oder der Techblase zur Jahrtausendwende erinnern. Kritische Reflexionen wurden im allgemeinen Goldrausch einfach ausgeblendet, zu groß war die Gier nach dem schnellen Geld.

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Bitcoin - wie viel ist er wirklich wert?. | Bildquelle: ulifunke.com / bitcoin.de

Warnsignale sind also nicht gefragt. Kritiker warnen aber trotzdem vor einer Blase. Der Bitcoin scheine "wie ein Güterzug ohne Bremsen" zu sein, sagte der Analyst Shane Chanel von der in Sydney ansässigen Beratungsfirma ASR Wealth Advisers am Donnerstag. Es gebe auf dem Markt für Kryptowährung eine "unfassbare Menge" an neuen Akteuren. "Doch wenn der Hype sich abschwächt, werden wir mit großer Sicherheit irgendeine Art der Korrektur erleben", sagte Chanel.

40.000 oder eine Million?

Ein weiterer Kritiker, Lionel Laurent, verweist auf "Bloomberg" auf weitere mögliche Knackpunkte. So auf das Risiko von Sicherheitslücken oder durch Hacker, die Sorgen des Einzelhandels, dass der Bitcoin als funktionierendes Zahlungsmittel nicht flächendeckend verwendbar ist oder allgemein die zurückhaltende Einstellung der Wall Street zum Kryptogeld.

Anja Kohl
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Bitcoin-Rausch lockt Hacker an

Die Gerüchte um fundamentale Werte, die hinter der Computerwährung stehen, seien geradezu paradox, heißt es bei Laurent weiter. Abzulesen an den Schätzungen, was ein Bitcoin denn wirklich wert sei. Dies treibt derzeit ungeahnte Blüten. Dürfen es 40.000, 100.000 oder 400.000 Dollar sein? Sogar eine Million wurde schon genannt. Was der Future aber genau anzeigen soll bei einem Basiswert, dessen Angebot strukturell begrenzt ist, muss sich zeigen. Fest steht aber, drückt die Herde auf den Verkaufsknopf, dürfte es gefährlich werden.

Apropos Regulierung: Ungemach kommt für den Bitcoin schon aus Südkorea. Die Financial Service Commission hat den Handel mit Bitcoin-Futures jedenfalls erst einmal verboten, berichtet die "Financial Times". "Das ist im Grunde wie ein Schneeballsystem – Handel ohne Substanz", sagte ein Regierungsbeamter.

rm/lg

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Was die Bitcoin-Kritiker sagen Alles nur ein Hype?

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein

Lloyd Blankfein
Goldman-Sachs-Chef Blankfein hält den Bitcoin nur für eine Blase. Das sagte er im September gegenüber dem Nachrichtensender "CNBC". Doch er gab zu: Mit so mancher Einschätzungen in der Vergangenheit lag er falsch. Blankfein vergleicht den Bitcoin mit der Entwicklung vom Zahlungsmittel Gold zum Papiergeld: Damals seien sicher auch nicht alle überzeugt gewesen. Nach dem Schritt vom Hartgeld zum Fiatgeld seien digitale Währungen eine "natürliche Entwicklung". Zwar hat er noch nicht investiert – abgeneigt ist er aber keineswegs. Angeblich plant Goldman Sachs eine eigene Trading-Plattform, auf der der Handel von Bitcoin und anderen Kryptowährungen möglich wäre.