Initial Coin Offering

Von Benebit bis PonziCoin Das sind die größten ICO-Betrügereien

Stand: 14.03.2018, 14:17 Uhr

Krypto-Börsengänge (ICOs) gelten als äußerst riskant, erhalten die Anleger dabei doch nur Gutscheine von jungen Firmen, die zwar hohe Gewinne versprechen, aber oftmals über gar kein funktionierendes Geschäftsmodell verfügen.

Der Hype um diese Finanzierungsrunden, "Initial Coin Offerings" genannt, sei "der größte Betrug aller Zeiten“, die Blase werde "sehr vielen Leuten im Gesicht explodieren", sagte der frühere US-Börsenmakler Jordan Belfort, dessen Geschichte in "The Wolf of Wall Street“ verfilmt wurde und der wegen Betrügereien selbst im Gefängnis saß.

Tatsächlich hat es im vergangenen Jahr mehrere Betrügereien gegeben, bei denen Millionen Dollar entwendet und veruntreut wurden.

PlexCoin (15 Millionen Dollar)

Der wohl spektakulärste Fall ist der von Dominic Lacroix. Dieser einschlägig vorbestrafte Firmengründer versprach seinen Anlegern eine astronomisch hohe Rendite von 1.354 Prozent (die von der SEC als nicht umsetzbar eingestuft wurde). Dazu engagierte er eine Gruppe selbst ernannter Experten, um sein Projekt zu preisen und glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Zusätzlich versuchte er, seine früheren Finanzverbrechen zu vertuschen.

Über Monate ging die Masche gut. Zwischen August und Dezember konnten 15 Millionen Dollar eingesammelt werden - bis die SEC das ICO Ende des Jahres stoppte und die eingesammelten Millionen einfror. Lacroix kam in Haft. Welche Straftaten Lacroix genau vorgeworfen werden, ist bis heute unklar.

Initial Coin Offering

Initial Coin Offering. | Bildquelle: colourbox.de

Benebit (2,7 bis 4 Millionen Dollar)

Einen künstlichen Hype erzeugte auch eine Gruppe von Betrügern, die sich Benebit nannten. Sie behaupteten, ein Blockchain-Token-System zu verwenden, um Kundenbindungsprogramme, wie Vielfliegermeilen, zu bündeln. Dazu investierten sie viel Geld in Marketingprojekte, um ihr ICO als legitim und lukrativ darzustellen.

Das betrügerische Treiben flog erst auf, als jemand bemerkte, dass die Fotos vom vermeintlichen Benebit-Team in Wahrheit Schüler eines britischen Internats zeigten, die mit dem Projekt nichts zu tun hatten. Auch kam heraus, dass die Personalien der "Gründer" allesamt gefälscht waren. Nach dieser Enthüllung wurden die Website, das Weißbuch und das Social-Media-Konto von Benebit abgeschaltet. Der geschätzte Schaden für die Anleger beläuft sich auf bis zu vier Millionen Dollar.

Opair und Ebitz (2,9 Millionen Dollar)

Als betrügerisch erwiesen sich auch die ICOs von Opair und Ebitz, die für ein neuartiges Debitkartensystem warben. Es zeigte sich, dass die LinkedIn-Profile von einigen Leuten aus dem Team gefälscht waren. Zudem kam schnell heraus, dass die Mail-Server von Opitz und Ebitz identisch waren. Das Team entpuppte sich als eine selbsternannte "Gruppe von ethischen Hackern". Die Webseiten von Opair und Ebitz wurden zwar nach Bekanntwerden der Betrügereien schnell offline gestellt, dennoch wird der Schaden auf 2,9 Millionen Dollar geschätzt.

Finanzmittelbeschaffung via ICO 2017 in Mio.

Finanzmittelbeschaffung via ICO 2017 in Mio.. | Bildquelle: CoinSchedule, Canaccord Genuity, Grafik: boerse.ARD.de

REcoin und DRC (300.000 Dollar)

REcoin (Real Estate Coin) und der DRC (Diamond Reserve Club) wollten eine Kryptowährung schaffen, die durch reale Vermögenswerte - nämlich Immobilien und Diamanten - gedeckt ist. Ihr Gründer Maksim Zaslavskiy behauptete, dass beide Startups voll mit Personal besetzt seien und bereits Geschäfte mit Einzelhändlern und Investoren tätigen würden - nichts davon stimmte.

Die SEC behauptet, dass weder REcoin noch DRC tatsächlich existierten, dass beide Startups ihr Investitionsvolumen übertrieben dargestellt hätten und keines der vorgeschlagenen Projekte irgendwelche Token oder auch nur irgendetwas mit Blockchain zu tun hätten. Dies führte dazu, dass der Gründer Zaslavsky am 29. September 2017 verhaftet wurde.

PonziCoin (250.000 Dollar)

PonziCoin ist tatsächlich eine Kryptowährung. Sie wurde 2014 geschaffen und kletterte in der Spitze bis auf 7.000 Dollar. Nach Schätzungen könnte ein PonziCoin heute mehr als zwei Millionen Dollar wert sein. Der jüngste PonziCoin, der sich selbst als "das erste legitime Ponzi-Schema der Welt" bezeichnet, erblickte 2017 das Licht der Welt und war nur als Scherz gedacht.

Darauf wurde auf der Website auch explizit hingewiesen. Doch die Gier und auch Dummheit einiger Investoren war so groß, dass sie trotzdem Geld in das "Produkt" investierten. Insgesamt hat dieses Projekt über 250.000 Dollar eingesammelt.

Dass solche Täuschungen und Betrügereien möglich sind, erklärt sich natürlich aus dem derzeitigen Hype um Kryptowährungen. Anleger, die in ein ICO investieren wollen, sollten also ganz genau hinschauen, wem sie ihr Geld anvertrauen.

lg