Krypto-Währung in China

Antwort auf Bitcoin und Libra Chinas Digitalwährung kommt

von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Stand: 30.10.2019, 10:54 Uhr

China arbeitet an einer staatlichen Digitalwährung. Auch wenn Einzelheiten und Termine noch unklar sind: Chinas Führung scheint entschlossen. Und die Akzeptanz bei der Bevölkerung dürfte kein Problem werden.

Einzelheiten nannte Huang Qifan nicht. Doch der Vizechef des China-Zentrums für internationalen Wirtschaftsaustausch (CCIEE) machte bei einem Fachtreffen in Shanghai vor wenigen Tagen deutlich: Die staatliche chinesische Digitalwährung – sie wird kommen.

»Chinas Zentralbank befasst sich schon seit fünf oder sechs Jahren mit dem Thema Digitalwährung und inzwischen ist das Konzept ausgereift. Die chinesische Zentralbank wird wahrscheinlich die erste der Welt sein, die eine echte staatliche Digitalwährung einführen wird.«

Das CCIEE ist ein regierungsnaher Thinktank mit Sitz in Peking. Insofern handelt es sich bei den Aussagen seines Vizechefs weniger um die Analyse eines Fachmanns, als vielmehr um eine de facto offizielle Ankündigung.

Was Huang Qifan bei seinem Auftritt auf dem Wirtschaftsforum auch klar machte: Mit dem dezentral organisierten Bitcoin oder mit dem vom US-Konzern Facebook geplanten Konzept Libra werde Chinas Digitalwährung nichts zu tun haben. Ohnehin halte er nichts von solch nicht-staatlich organisiertem Krypto-Geld: "Einige Firmen versuchen, offizielle staatliche Währungen herauszufordern, indem sie Bitcoin oder Libra herausgeben. Doch das wird nicht funktionieren."

Es geht um Kontrolle

In der Volksrepublik wird es mit Sicherheit nicht funktionieren. Denn der Handel mit nichtstaatlichen Kryptowährungen wie dem Bitcoin ist seit rund zwei Jahren offiziell verboten in China. Hintergrund ist, dass Chinas Staatsführung damals klar wurde, dass sie weder den Kurs noch den Handel mit Bitcoin kontrollieren kann.

Doch genau das ist das oberste Ziel der chinesischen Finanz- und Geldpolitik: Die kommunistische Führung will auf keinen Fall die Kontrolle darüber verlieren, wer wann wieviel Geld von wo nach wo transferiert. Das gilt insbesondere für Zahlungen ins Ausland. Entsprechend dürfte es bei der geplanten staatlichen chinesischen Digitalwährung möglich sein, dass Zahlungen komplett nachverfolgt werden können, vermuten Analysten.

"Sehr stark zentral gesteuerte Währung"

Klar ist: Mit dem dezentralen Ursprungskonzept von Bitcoin und anderen Kryptowährungen wird Chinas Digitalwährung nichts zu tun haben, sagt Alexander Sirakov von der Shanghaier Finanzberatung Kapronasia: "Das wird keine dezentrale Krypto-Währung nach westlichem Vorbild, sondern es wird eine sehr stark zentral gesteuerte Währung sein."

Wann Chinas Zentralbank die neue Digitalwährung einführen wird und wie sie genau funktionieren soll, ist noch unklar. Doch sie dürfte sehr schnell von der Bevölkerung akzeptiert werden. In den chinesischen Ballungszentren spielt Bargeld schon heute keine Rolle mehr im Leben der meisten Menschen. Sie bezahlen ausnahmslos alles per Smartphone-App. "Es wird für die Chinas Regierung und die Zentralbank ein Leichtes sein, die existierenden App-Bezahlsysteme umzustellen... Diese Umstellung wird für die meisten Bürger wahrscheinlich unsichtbar und nahtlos ablaufen", so Sirakov.

Blockchain in China großes Thema

Auch wenn Chinas Führung mit dem neuen staatlichen Digitalgeld ausdrücklich ein Gegenkonzept zu den bestehenden Blockchain-Währungen auf den Weg bringen will: Der Kurs der bekanntesten Krypto-Währung Bitcoin ist in den vergangenen Tagen steil nach oben geschossen. Grund war eine Aussage von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping: Er wies die Ministerien und Behörden des Landes an, künftig stärker auf die Blockchain-Technologie zu setzen: zum Beispiel in der Big-Data-Forschung, der vernetzten Industrie und anderen Bereichen der Informationstechnologie. Das Thema Währung spielte bei Xi Jinpings Blockchain-Initiative keine Rolle.