Männer-Figuren stehen auf einer Mausefalle um einen Bitcoin

Boss verstorben, Anlegergelder verschwunden? Das Rätsel um die Kryptobörse QuadrigaCX

Stand: 04.03.2019, 15:09 Uhr

Die Nachricht von Anfang Februar klang ziemlich skurril: Der Boss der kanadischen Kryptobörse QuadrigaCX verstarb in Indien und nahm die Passwörter für die Konten der Anleger mit ins Grab. Jetzt stellt sich heraus: Sie waren wohl leer.

Mehr als 100.000 Kunden einer kanadischen Kryptowährungsbörse bangten um ihre Anlagen, weil das Unternehmen QuadrigaCX den Zugriff auf die Einlagen in Höhe von rund 180 Millionen kanadischen Dollar verlor. Der Chef Gerry Cotton war auf einer Indienreise im Dezember 2018 plötzlich verstorben, hieß es. Er habe die Passwörter mit ins Grab genommen. Deswegen musste die in Vancouver ansässige Börse Gläubigerschutz beantragen. 

Cottens Witwe Jennifer Robertson hatte gegenüber dem Gericht angegeben, dass ihre „wiederholte und gründliche Suche“ nach den Passwörtern kein Ergebnis erbracht habe. Ohne Zugriff auf die Konten könne QuadrigaCX nach eigenen Angaben die Einlagen von 115.000 Kunden nicht mehr auszahlen.

Cold Wallets leider leer

Das Geld soll nach Angaben seiner Witwe überwiegend offline auf Cottens Laptop in sogenannten Cold Wallets verwahrt worden sein, um es besser vor unerwünschten Zugriffen oder Hackerangriffen zu schützen. Irgendwie scheint das entweder nicht richtig funktioniert zu haben oder es ist etwas ganz anderes passiert.

Denn die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete nun, dass die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young sechs Cold Wallets identifiziert und zugeordnet hätten. Sie sind leer. Das können Experten offenbar anhand von Transaktionen nachvollziehen, auch ohne das Passwort zu kennen. In fünf von ihnen habe es zudem seit April 2018 keine Aktivität mehr gegeben.

Was auch immer genau bei QuadrigaCX passiert sein mag: Besonders vertrauenerweckend klingen die Nachrichten für die Anleger bislang gewiss nicht. Die Untersuchungen von Ernst & Young sind allerdings nicht abgeschlossen.