Bitcoin- und Ethereum-Münze

"Digitales Gold" als Krisenwährung Dank Corona: Bitcoin vor neuem Hype?

von Till Bücker

Stand: 26.03.2020, 12:52 Uhr

Durch die Coronakrise und drastischen Maßnahmen der Notenbanken könnten die Menschen ihr Vertrauen in traditionelle Währungen verlieren. Schlägt nun wieder die Stunde des Bitcoins?

Eine Geldpolitik auf Hochtouren, Notfallpakete, Konjunkturprogramme, Verschuldung: Notenbanken und Regierungen pumpen in Zeiten der Corona-Pandemie massig Geld in die Märkte, um die Wirtschaft zu retten.

Im Extremfall stehen nicht nur Unternehmen, sondern auch die Staaten vor der Pleite. Spätestens dann werden die Zentralbanken zu den Finanzierern der Länder. Aber schon zuvor dürfte das Vertrauen in die etablierten Währungen wanken. Mit der Coronakrise droht auch eine Krise des konventionellen Geldsystems.

Bitcoin auf Achterbahnfahrt

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Derweil schwächelte zwischenzeitlich selbst das als "sicherer Hafen" geltende Gold. "Bei Investoren und Händlern herrscht die Panik, und sie vertrauen nicht einmal mehr Gold", sagte Hareesh V, Chef-Rohstoffanalyst beim Finanzdienstleister Geojit Financial Services.

Die zwischenzeitliche Schwäche von Gold ebenso wie beim Bitcoin wurde von Experten auf Notverkäufe von Investoren zurückgeführt, die in diesen Zeiten Assets verkaufen, um liquide zu bleiben.

Insbesondere der Bitcoin konnte sich in den vergangenen Tagen jedoch wieder erholen. Aktuell liegt der Kurs etwa 25 Prozent unter dem vor der Coronakrise. Besser als viele Aktien also. Bis Mitte März hatte sich der Bitcoin-Kurs von über 9.000 auf rund 4.600 Dollar in nur zwei Wochen fast halbiert. Seitdem befindet sich die Kryptowährung auf Achterbahnfahrt - mit Kursgewinnen von zeitweise mehr als 20 Prozent und wiederum starken Verlusten. Aktuell hält sich der Kurs über 6.600 Dollar. Spült es den Bitcoin jetzt wieder nach oben?

Leute misstrauen dem Bitcoin - noch

Prof. Philipp Sandner, Frankfurt School of Finance & Management

Prof. Philipp Sandner. | Bildquelle: Frankfurt School of Finance & Management

"Bitcoin ist von der Logik her ähnlich wie Gold und ebenfalls ein knappes Asset", erklärt Philipp Sandner, Professor am Blockchain Center der Frankfurt School of Finance & Management, im Gespräch mit boerse.ARD.de. Typischerweise dächten Anleger in der Krise über solche alternativen Anlagemöglichkeiten nach.

"Momentan misstrauen die Leute dem Bitcoin noch. Sie gehen eher in das klassische Gold, weil sie über das digitale Gold noch nicht viel wissen", sagt der Bitcoin-Experte. Aktuell sehe er aber verstärktes Interesse an der Kryptowährung. Wenn sich das Wissen weiter verbreite, steige der Bitcoin-Kurs stark an, so Sandner. Vielleicht nicht kurzfristig, aber in den kommenden Wochen und Monaten.

Mit Schätzungen hält er sich allerdings zurück: "In diesem Jahr wird der Bitcoin ziemlich sicher noch die 10.000 Dollar-Marke erreichen - und vielleicht sogar die 20.000 Dollar knacken." Das sei aber schwierig vorherzusehen.