Invest 2018 Bitcoin

Bitcoin und Blockchain Zwischen Hype und Finanzrevolution

Stand: 16.03.2018, 16:11 Uhr

Als Anlageform und Zahlungsmittel sind Bitcoin & Co. stark umstritten, Verbraucherschützer und Regulierungsbehörden warnen. Doch Kryptowährungen und die dahinter stehende Technologie könnten unser Finanzsystem grundlegend verändern.

Bitcoin
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Bitcoin - was ist das?

Schon das Wesen des Bitcoin, der Ur-Währung unter den "Kryptos", ist für Verbraucher und Anleger, aber selbst für Experten schwer einzuschätzen. Ist der Bitcoin eine bloße Recheneinheit, geschaffen durch leistungsfähige Computer in Mining-Pools, oder tatsächlich eine Ersatzwährung? Oder wird durch Bitcoin und die inzwischen vielen anderen Kryptowährungen eine neue Anlageklasse geschaffen? Das glaubt zum Beispiel Philipp Sandner, Professor am Blockchain Center der Frankfurt School of Finance (s.a. unser Erklär-Video).

Mit Bitcoin, Ethereum, Ripple und anderen Krypto-Währungen wird prinzipiell das Tor zu einem Finanzsystem ohne die herkömmlichen Institutionen wie Banken, aber auch Versicherungen, aufgestoßen. Zahlungen, Transaktionen, Vertragsabschlüsse können direkt zwischen zwei Partnern, also "peer-to-peer" erfolgen. Die Technik hinter dem Bitcoin, die Blockchain, ermöglicht es, Transaktionen sicher, gleichzeitig anonym und transparent zu dokumentieren.

Blockchain: Technik für ein neues Finanzsystem

Hände tippen auf Schlüsselsymbole
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Blockchain - was ist das?

Aber nicht nur der Zahlungsverkehr lässt sich über die Blockchain abwickeln. So genannte "smart contracts", quasi: intelligente Verträge, können abgeschlossen werden. Dabei wird die Einhaltung des Vertrages von der Blockchain selbst kontrolliert. Ein gerne angeführtes Beispiel dafür ist ein Autoleasing-Vertrag. Der Vertrag selbst und die Transaktionen, also die Leasing-Raten, werden in der Blockchain hinterlegt.

Im Energiesektor können Energieversorger künftig ihre Energielieferungen und die finanzielle Abrechnung mit dem Kunden über die Blockchain organisieren, jede Kilowattstunde, die der Kunde vom Versorger bezieht, kann wird über eine digitale Geldbörse in Echtzeit bezahlt werden, Pilotprojekte laufen bereits. Die Energieunternehmen Eon und Enel wickeln bereits ihren Stromhandel zum Teil über einen neuen, auf Blockchain-Technologie basierenden Marktplatz ab.

Banken nutzen Smart-Contracts

Aber auch das Bankensystem selbst will sich die Blockchain-Technologie zunutze machen. Zusammen mit mehreren anderen Banken erforscht die Schweizer Großbank UBS zum Beispiel den Datenabgleich zwischen verschiedenden Instituten mittels Smart Contracts, der sich die Blockchain zunutze macht. Veronica Lange, Head of Innovation bei der UBS, sieht konkrete Anwendungen kurz vor der Marktreife. Bitcoin als Währung hält die Schweizer Großbank dagegen für eine "reine Spekulation".

Dennoch werden Kryptowährungen überall auf dem Globus bereits eingesetzt, ohne dass es aber klare internationale Vorgaben für den Umgang damit gäbe. In Japan sind Bitcoins bereits als Zahlungsmittel anerkannt, in der Schweiz können Bahnfahrkarten mit Bitcoins gekauft werden, Venezuela hat gar eine eigene staatliche Kryptowährung geschaffen, den "Petro", der mit den Rostoff-Reserven des Landes hinterlegt werden soll.

Wer kontrolliert den Bitcoin-Handel?

In der Kritik stehen Bitcoin und Co. nicht nur deswegen, weil der eigentliche "Wert" nicht klar definiert werden kann, sondern auch, weil Zahlungen und der Handel mit den Kryptowährungen auf vielen Handelsplätzen nicht im üblichen rechtlichen und regulatorischen Rahmen erfolgen. Laut Jens Münzer von der Börsenaufsicht BaFin greifen die Aufseher in Deutschland dann ein, wenn unerlaubte Finanzkommissionsgeschäfte, also ein gewerblicher Handel ohne Erlaubnis stattfindet. Die Nutzung von Bitcoin als Ersatzwährung ist aber keine erlaubnispflichtige Tätigkeit.

Ausdrücklich gewarnt hat die BaFin kürzlich vor "Initial Coin Offerings", ICOs, mit denen Start-up-Unternehmen Kapital aufnehmen. Dabei werden eigene Kryptowährungen geschaffen, deren Wert mit dem erhofften Erfolg des Unternehmens steigen soll. Eine hoch spekulative Angelegenheit, so die Aufseher, die nicht selten im Totalverlust der Anleger enden kann.

Kritik entzündet sich aber auch an Umweltaspekten der Kryptowährungen. Die "Schöpfung" neuer Bitcoin-Einheiten verbraucht hohe Strommengen, ganze Mining-Farmen werden in Ländern mit niedrigen Strompreisen betrieben, die Schaffung von Bitcoins benötigt inzwischen so viel Energie wie ein Land von der Größe Irlands.

Anleger brauchen gute Nerven

Für Anleger ist die Asset-Klasse Kryptowährung mit erheblichen Risiken verbunden. Hacker-Angriffe auf Handelsplätze sorgten bereits für Verluste in Millionenhöhe. Überweisungen auf "Wallets" für die Währungen sind zum Teil unsicher, hohe Kursschwankungen sind bei allen Kryptos an der Tagesordnung. Der Gründer und Chef der bislang einzigen deutschen Bitcoin-Handelsplattform, Oliver Flaskämper, hält Investments daher nur für Anleger geeignet, die auch mit zwischenzeitlich hohen Verlusten umgehen können. Flaskämper sieht dennoch hohes Potenzial beim Bitcoin und vergleicht die Kryptowährung mit dem Edelmetall Gold als knappem Rohstoff. Er hält auch Kurse von 500.000 Dollar je Bitcoin für möglich.

Zu den Chancen und Risiken von Bitcoin und der Blockchain-Technologie tauschen sich Experten während der Anlegermesse Invest auf dem Podium der ARD-Bühne aus. Die Veranstaltung findet am 13. April um 10 Uhr statt und wird live auf boerse.ARD.de und im TV auf Phoenix übertragen.

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Experten zur Blockchain-Revolution Wissenschaftler, Banker und Aufseher

Veronika Kütt

Veronika Kütt, Frankfurt School Blockchain Center
„Ich glaube, dass die derzeitigen technischen Probleme von öffentlichen Blockchains schneller gelöst werden als wir uns vorstellen können und damit der Weg für die Entstehung einer Vielzahl an dezentral gesteuerten Ökosystemen geebnet wird.“

AB