Männer-Figuren stehen auf einer Mausefalle um einen Bitcoin

Krypto-Anleger, aufgepasst Bitcoin-Kurse manipuliert!?

Stand: 23.04.2019, 13:30 Uhr

Vielen so genannten Krypto-"Börsen" mangelt es an regulatorischen Standards. Das rächt sich jetzt bitterlich: Die "Flash Boys" von heute manipulieren die Kryptomärkte, wo es nur geht.

2014 erzählte Michael Lewis in seinem Buch "Flash Boys", wie Hochfrequenzhändler mit ihren Computern den Aktienhandel zu Lasten normaler Anleger manipulieren. Fünf Jahre später beobachten Wissenschaftler ähnliche Phänomene. Schauplatz ist diesmal allerdings nicht die Wall Street, sondern die Welt von Bitcoin & Co.

Laut einer Studie der renommierten Cornell University wird an Krypto-Börsen manipuliert, was das Zeug hält. Auf solchen elektronischen Handelsplattformen werden unter Verwendung dezentraler Blockchain-Methoden digitale Währungen wie Bitcoin oder Ethereum gehandelt.

Illegale Praktiken

Doch offenbar haben nicht alle Marktteilnehmer die gleichen Informationen und Möglichkeiten. Einige Firmen erhalten über die Zahlung höherer Gebühren Priorität bei Orders. Das nutzen sie mithilfe spezieller automatischer Handelsprogramme (Arbitrage-Bots) zu ihrem Vorteil. Illegale Praktiken wie Frontrunning seien weitverbreitet, so die Autoren der Studie.

Beim Frontrunning können Händler die Orders von anderen einsehen und das zu ihrem Vorteil nutzen. Wer zum Beispiel weiß, dass ein Anleger eine bestimmte Menge Bitcoins zu einem bestimmten Preis kaufen möchte, kann diese vorher günstiger kaufen und zu einem höheren Preis wiederverkaufen. Der "Front-Runner" kann so quasi risikolos einen sicheren Gewinn erzielen.

Dezentrale Börsen im Fokus

Für ihre Studie haben die Autoren des Papiers seit Oktober sechs ausgewählte Börsen in Echtzeit verfolgt und historische Daten untersucht. Ihre Ergebnisse beziehen sich allerdings in erster Linie nur auf dezentrale Krypto-Börsen (DEX). Diese machen aktuell nur einen kleinen Prozentsatz des gesamten Krypto-Handelsvolumens aus.

Allerdings dürfte ihre Nutzung zunehmen – auch dank der Bemühungen von Binance. Binance ist die weltweit größte zentrale Krypto-Börse. Zurzeit baut sie ihre eigene dezentrale Börse auf. Ein Beispiel, dem viele andere zentrale Krypto-Börsen folgen dürften.

Anlegerschäden in Höhe von mehreren Milliarden Dollar?

Ari Juels, Professor an der Cornell Tech und Mit-Autor der Studie, ist ohnehin überzeugt, dass Praktiken wie Frontrunning "wahrscheinlich auch auf zentralisierten Krypto-Börsen angewandt werden".

Wir wissen nicht, in welchem Ausmaß es solche Vergehen an zentralen Börsen gibt. Wenn wir von dem Ausmaß ausgehen, das wir bei den dezentralisierten Krypto-Börsen gesehen haben, könnte sich das durchaus in der Größenordnung von Milliarden von Dollar bewegen.

Warnsignale häufen sich

Die Studie der Cornell Tech ist das neueste Warnsignal in einem Markt, der seit seinem Start vor einem Jahrzehnt mit Manipulationsvorwürfen zu kämpfen hat. Erst vor kurzem sorgte ein Bericht des Informationsportals "The Tie" für Aufruhr, wonach 87 Prozent des Handelsvolumens aller Krypto-Börsen gefälscht sind.

Und Ende 2018 schockte eine Analyse des "Blockchain Transparency Institute" die Krypto-Anleger, der zufolge 23 von 25 Börsen ihr Handelsvolumen mit "Wash-Trading" verfälschen.

Beim Wash-Trading wird das Handelsvolumen einer Kryptowährung künstlich erhöht. Marktteilnehmern wird so ein steigendes Interesse am jeweiligen Coin vorgegaukelt.

ag