Bitcoin Group SE-Logo

Meilenstein auf dem Weg zur Kryptobörse Bitcoin Group kauft Tremmel Bank

Stand: 14.11.2018, 14:39 Uhr

Die Bitcoin Group hat alle Anteile an der Tremmel Wertpapierhandelsbank übernommen. Damit erhofft sich Deutschlands einziger regulierter Handelsplatz für digitale Währungen eine Menge.

Bitcoin-Automat in einem Einkaufs-Center in Singapur

Bitcoin-Automat in Singapur. | Quelle: picture-alliance/dpa

Wegen der Banklizenz des Frankfurter Wertpapierdienstleisters hat die Bitcoin Group bald die Möglichkeit, eigene Krypto-Produkte als Wertpapiere auszugeben und damit zu handeln. Auch Geldautomaten für Kryptowährungen kündigt das Unternehmen mit Sitz in Herford an. Der Marktplatz Bitcoin.de soll langfristig zu einer Kryptowährungsbörse ausgebaut werden. Die Lizenz erlaube es, „ein Orderbuch zu führen und selbst Kurse zu stellen, was gleichzeitig einen liquideren Handel gewährleistet", teilten die Herforder mit.

Gegründet wurde die Tremmel Bank 1983 als Börsenmakler Andreas Tremmel GmbH. Der Kaufpreis für das kleine Finanzinstitut liegt nach Angaben der Bitcoin Group im niedrigeren siebenstelligen Bereich.

Der Deal soll nach einer noch ausstehenden Zustimmung der Aufsichtsbehörden im ersten Halbjahr 2019 abgeschlossen werden. "So wird es uns gelingen, die Unternehmensentwicklung der Bitcoin Group auf ein neues Level zu heben“, sagte Geschäftsführer Marco Bodewein.

Schritt nicht überraschend

Bereits im Januar hatte das Unternehmen den Anlagevermittler Sineus aus Niedersachsen zur Hälfte übernommen. Im Mai hatte die Bitcoin Group daraufhin bekanntgegeben, noch in diesem Jahr eine Mehrheitsbeteiligung an einer regulierten Bank mit Sitz in Deutschland anzustreben.

Die Übernahme der Tremmel Bank ist laut der Bitcoin Group ein wichtiger Meilenstein beim Ausbau des eigenen Serviceportfolios. Der bisherige Chef der Tremmel Bank soll diese gemeinsam mit Bodewein zu einem Einlageinstitut ausbauen.

Die Anleger reagierten positiv auf die Nachricht. Vor wenigen Tagen war das Papier der Bitcoin Group noch auf seinem Jahrestief von 25,48 Euro. Am Montag schnellten die Titel dann kurzzeitig auf 29,90 Euro in die Höhe.

Im deutschen Handel führend

Die Bitcoin Group dominiert den deutschen Markt für Krypto-Handel mit über 750.000 Nutzern. Die Plattform bitcoin.de funktioniert dabei ähnlich wie der Online-Marktplatz Ebay: Verkäufer und Interessierte handeln miteinander, die Bitcoin Group überwacht das Ganze und übernimmt eine Gebühr. International ist das Unternehmen bisher wenig in Erscheinung getreten.

Dort spielen eher die Platzhirsche Coinbase aus den USA oder Bitstamp aus Großbritannien eine Rolle, bei denen es wie an einer Börse abläuft. Die Nutzer haben ein Verrechnungskonto bei einem Anbieter, der Handel mit anderen Bitcoin-Besitzern läuft in Echtzeit.

Auch die Konkurrenz wird größer

Seit fünf Jahren kooperiert die Münchener Fidor Bank mit der Bitcoin Group, die dadurch die Regeln der BaFin für die Anlagenvermittlung einhält. Außerdem wirbt bitcoin.de regelmäßig mit Sicherheitsüberprüfungen.

Dennoch kann sich das Unternehmen nicht ausruhen. Erste etablierte Börsen wollen in den Markt eindringen. Die zweitgrößte deutsche Börse in Stuttgart hatte Anfang August angekündigt, einen eigenen regulierten Handelsplatz für Kryptowährungen einzuführen. Die App Bison soll offenbar noch im Herbst starten. Sie richtet sich ebenfalls an Privatanleger und soll einen möglichst einfachen Einstieg in den Handel mit Kryptowährungen bieten.

Bitcoin stagniert nach neuerlichem Crash

Dabei ist der Bitcoin mittlerweile besonders eine Sache für institutionelle Investoren und nicht mehr unbedingt für die Privatanleger. Die Zahl und damit auch das Interesse stagnierte in den vergangenen sechs Monaten, stellte beispielsweise Morgan Stanley Anfang November fest.

Auch der Bitcoin-Handel verläuft momentan eher schleppend. Die breite Anlegerschar erreicht der Bitcoin derzeit nicht mehr. Als der Preis für die Kryptowährung im vorigen Jahr in wenigen Wochen von 1.000 auf bis zu 20.000 Dollar in die Höhe schoss, lockte das Cyber-Geld selbst Unbedarfte. Doch das war schnell vorbei, die Preise rauschten ebenso rasant in den Kelle. Auch im September gab es wieder einen kleinen Crash, von dem sich er Bitcoin nur wenig erholte. Aktuell pendelt der Kurs bei rund 6.258 Dollar ein.

Der Bitcoin ist laut Morgan Stanley seit fast einem Jahr eine neue institutionelle Anlageklasse. Es herrsche regulatorische Unsicherheit und es fehlten regulierte Depot-Lösungen sowie große Finanzinstitute. Vielleicht ändert sich das bald.

tb