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Bitcoin-Forks Wenn ein neuer Coin her muss

Stand: 15.05.2018, 15:30 Uhr

Sie heißen Bitcoin Platinum, Bitcoin Uranium oder auch Super Bitcoin. 2017 gab es 19 sogenannte Bitcoin-Forks – in diesem Jahr könnte es dutzende weitere geben. Doch sind die überhaupt beachtenswert?

Die meisten Forks sollen Alternativen zum Bitcoin darstellen. Sie bekommen von ihren Entwicklern daher meist einen neuen Namen. Der Begriff "Bitcoin" darf darin nicht fehlen, denn die Verwandtschaft zum Bitcoin soll schließlich dem Marketing dienen. So entstehen dann Altcoins, die "Bitcoin God" oder eben "Super Bitcoin" heißen, im besten Fall aber mehr können, als sich nur mit einem kreativen Namen zu schmücken.

Was sind Forks?

Forks können mit entsprechenden Programmierkenntnissen über die Blockchain erstellt werden. Sie teilen die Transaktionsgeschichte mit der alten Kryptowährung bis zu einer bestimmten Blocknummer. Ab dieser Blockhöhe wird dann der Quellcode verändert und die Blockchain spaltet sich: Es entsteht eine Fork, also eine Gabelung. Es gibt dann die ursprüngliche Blockchain und eine neue Version, die meistens mit neuen Features ausgestattet ist. Die Miner entscheiden darüber, ob sie eine Fork und ihre Änderungsvorschläge annehmen oder nicht.

Den Anfang machte Bitcoin Cash

Die erste Hard Fork vom Bitcoin gelang im August vergangenen Jahres: Bitcoin Cash entstand. Durch die Hard Fork wurde die Leistungsfähigkeit gesteigert, indem die Blockgröße von einem MB auf acht MB vergrößert wurde.

Gleich nach dem Start stieg der Kurs kurzzeitig auf über 500 Dollar – sank aber binnen einer Woche wieder auf 200 Dollar. Nach dem Rekordhoch von über 3.700 Dollar im Dezember notiert Bitcoin Cash aktuell bei rund 1.400 Dollar.

Der Verlust in den vergangenen Wochen ist mit Blick auf die Kursverluste der übrigen Kryptowährungen nicht verwunderlich – ebenso wenig wie das Rekordhoch. Zeitgleich knackte der Bitcoin damals die 20.000 Dollar-Marke – das beflügelte Altcoins mit eigener Software und auch Bitcoin-Forks wie Bitcoin Cash.

Soft Fork vs. Hard Fork

Im vergangenen Jahr hatte es 19 Bitcoin-Forks gegeben. Bis Jahresende 2018 könnte es weitere 50 geben, so Lex Sokolin, Direktor für Fintech-Strategie bei Autonomous Research, gegenüber Bloomberg.

Wichtig ist dabei, zwischen einer Soft Fork wie dem Software-Update Segwit, und einer Hard Fork zu unterscheiden. Bei Soft Forks arbeiten die alte und neue Version zusammen – Hard Forks hingegen splitten die Blockchain auf und bieten eine Alternative an, die nicht mit den alten Regeln funktioniert: Es gibt also eine neue Währung.

Forken für das große Geld

Es gibt mehrere Gründe, warum Entwickler sich entscheiden, die Bitcoin-Blockchain zu forken. Einige wollen eine Alternative mit vermeintlich besseren Features anbieten, andere hoffen nur auf möglichst schnellen Profit.

"Leider sind die meisten Fork-basierten Projekte, die wir heute sehen, eine reine Geldmasche", sagt George Kimionis, CEO von Coinomi, Anbieter eines Multi-Wallet für Bitcoin, Altcoins und Forks. Es handle sich oft weniger um ehrliche Versuche, das Blockchain-Ökosystem zu nutzen, als vielmehr um den Versuch, gutgläubige Investoren mit Versprechungen zu locken.

Forks statt ICOs zur Finanzierung

Forking könnte aber bald eine populärere Alternative zum Initial Coin Offering werden, so Kimioni. ICOs dienen zur Finanzierung und werden daher vor allem von Start-ups genutzt. Im vergangenen Jahr sind so weltweit rund 3,7 Milliarden Dollar zusammen gekommen. Doch sie stehen in der Kritik - in China hat sie mittlerweile sogar verboten.

Finanzmittelbeschaffung via ICO 2017 in Mio.

Finanzmittelbeschaffung via ICO 2017 in Mio.. | Bildquelle: CoinSchedule, Canaccord Genuity, Grafik: boerse.ARD.de

Mit Forks könnten Start-ups aber auch dort wieder Geld einsammeln, wo ICOs verboten sind, so Susan Eustis, CEO von WinterGreen Research gegenüber Bloomberg. Weil Bitcoin Cash so erfolgreich war, versuchen andere nun, dasselbe zu schaffen, so Charlie Hayter, CEO des Coin-Forschers CryptoCompare.

Risikobehaftete Anlage

Eine Fork kann ihrem Entwickler und der Serverfarm dahinter Millionen einbringen – wenn sie erfolgreich wird. Doch viele Forks einte ein Schicksal: Ihre Kurse stiegen zunächst recht schnell an, sanken dann jedoch auch wieder. Manche Forks aus der Vergangenheit stellten sich außerdem als Betrug heraus.

Denn die Blockchain ist quelloffen – es gibt keine Institution, die alles steuert oder Forks verbietet. "Welche der neuen Abspaltungen künftig eine wichtige Rolle spielen werden, wird alleine die Zeit zeigen", so Blockchain-Experte Mirco Recksiek von der KI-Group im Dezember auf dem Blockchain-Meetup CryptoMonday. Für Anleger besteht daher ein erhöhtes Risiko.

Bitcoin Gold-Logo

Bitcoin Gold. | Bildquelle: Unternehmen

Ein Beispiel für eine volatile Kursentwicklung ist Bitcoin Gold. Die Bitcoin-Fork ist im Oktober bei 100 Dollar gestartet und stieg in etwas mehr als zwei Wochen auf knapp über 400 Dollar. Mittlerweile notiert Bitcoin Gold jedoch bei rund 60 Dollar.

Wer Bitcoin hat, kann aufgabeln

Ist eine Fork jedoch erfolgreich, haben bestehende Bitcoin-Besitzer einen großen Vorteil: Jeder, der Bitcoin bei der Aufspaltung besaß, bekommt automatisch genau so viel von der Bitcoin-Abspaltung - denn beide hatten bis dahin dieselbe Blockchain. Daher steigt der Bitcoinkurs meist, kurz bevor eine Hard Fork bevorsteht: Einfacher gelangt man nicht an ein Stück vom frischen Kuchen.

Allerdings ist das abhängig von der jeweiligen Krypto-Börse, wo der Bitcoin in einem lokalen Wallet gespeichert ist: Sie muss die Alternative unterstützen und die Menge gutschreiben. Die Bitcoin-Fork dürfte dabei natürlich weniger wert sein als der Bitcoin.

jz

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Der Bitcoin exisitiert bereits seit 2009 – und ist damit die älteste auf der Blockchain-Technologie basierende Digitalwährung. Die Ur-Kryptowährung hat die schnelle und günstige Abwicklung von Transaktionen zum Ziel, wird diesen Anforderungen aber angesichts von Millionen von Nutzer immer weniger gerecht. Zudem ist das Bitcoin-Protokoll limitiert, zusätzliche Informationen können nicht transportiert werden.