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Der schnelle Weg von 20.000 auf 12.000 Der Bitcoin crasht

Stand: 22.12.2017, 15:27 Uhr

So schnell kann es gehen: Von seinem Höchstkurs bei 20.000 hat der Bitcoin mehr als ein Drittel verloren. Allein heute ein Minus von über 20 Prozent. Ein Crash - aber ist es auch DER große Crash, den so viele voraussagen?

So steil es aufwärts ging, so steil fällt der Bitcoin jetzt. In Tausenderschritten. Die umstrittene Digitalwährung hat am Freitag nacheinander die Marken von 15.000, 14.000 und 13.000 Dollar gerissen. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung ging es sogar unter die Marke von 12.000 Dollar, ein Tagesverlust von über 20 Prozent. Es waren rund 8.000 Dollar weniger als am Sonntag, als der Preis für die Kryptowährung an einzelnen Handelsplätzen über 20.000 Dollar gestiegen war

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Robert Halver, Baader Bank, zum Bitcoin-Crash

Manch Experte sieht das Ende des Höhenrauschs erreicht. Zuminderst vorerst. Timo Emden, Deutschland-Chef des Online-Brokers Daily-FX: "Zahlreiche Privatanleger dürften sich in den letzten Tagen die Finger an digitalen Talern verbrannt haben." Auch andere Kryptowährungen wie Ethereum und Litecoin büßten am Freitag prozentual zweistellig an Wert ein.

Nur noch was für Zocker

Bitcoin in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Crypto Currencies für den Zeitraum Intraday
Kurs
8.499,54
Differenz relativ
+3,08%

Die digitale Währung taugt schon seit längerem nicht mehr zum Bezahlen. Zu groß sind die Kursschwankungen. Der Bitcoin wird nur noch zum Spekulieren genutzt. Sein großer Erfolg wurde ihr zum Verhängnis. Der Bitcoin-Kurs war in diesem Jahr immer schneller gestiegen, von 1.000 Dollar zu Jahresanfang bis auf Höchstpreise am Wochenende von über 20.000 Dollar. Das hat immer mehr Zocker gelockt - und die Kursausschläge immer extremer gemacht.

Auf dem Weg zum Höchstkurs ist der Kurs immer wieder eingebrochen. Etwa im November, als es um fast 30 Prozent auf 5.555 Dollar abwärts ging. Oder im September, als der Bitcoin um 40 Prozent auf 2.972 Dollar fiel. Schon seit längerem sprechen Experten immer wieder von einer Blase.

Bitcoin in Blase Video

Wie groß ist die Bitcoin-Blase?

Notenbanker warnen vor der Unberechenbarkeit der Währung - wollen gar nicht von einer Währung sprechen, weil der Bitcoin eine wichtige Eigenschaft von klassischem Geld - die Wertstabilität - nicht mehr gewährleistet sei. Professor Philipp Sandner von der Frankfurt Schook rechnet den Bitcoin daher eher der Anlageklasse der Rohstoffe zu.

Ist der Bitcoin tot?

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Interview mit Prof. Philipp Sandner im ARD-Mittagsmagazin vom 29.11.17

Klar ist, aus dem Alltag ist der Bitcoin verschwunden, bevor er dort richtig angekommen ist. Als digitales Bezahlmittel wird er so gut wie gar nicht mehr genutzt. Für Ladenbesitzer und Online-Händler sind die extremen Kursausschläge auch schwer zu handhaben. Die Preise müssen ständig angepasst werden. Und für Kunden ist es ebenso schwierig: Wer will schon Geld ausgeben, das keinen stabilen Wert hat und eher zur Spekulation auf Kursgewinne einlädt? Beispiel Berlin, wo sich in den letzten Jahren immer mehr hippe Cafés und Start-ups gefunden hatten, die Bitcoin-Zahlungen anboten. Das ist vorbei: "Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann der letzte Kunde mit Bitcoin bezahlt hat", sagt Niels Göttsch, Besitzer der Kaffeebar Leuchtstoff. Anfangs hat es wenigstens noch um die zehn Bitcoin-Zahlungen pro Jahr gegeben, so Göttsch. Inzwischen seien die Transaktionen aber ganz versiegt.

Auch Großkonzerne wie Dell oder Expedia sind auf dem Rückmarsch. Computer-Riese Dell hat Bitcoin-Zahlungen wegen "geringer Nachfrage" wieder abgeschafft. Das Online-Reisebüro Expedia akzeptiert Bitcoin zwar nach wie vor - aber noch immer nur bei Hotelbuchungen auf der US-Website. Zum Start vor über drei Jahren hatte es geheißen, das Angebot werde erweitert, wenn es bei Kunden gut ankomme. Immerhin: Laut einer Sprecherin hat sich das Transaktionsvolumen in den letzten zehn Monaten verdoppelt. Konkrete Zahlen wollte sie jedoch nicht nennen.

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen Audio

Der Bitcoin Crash (Konrad Busen, ARD-Börse)

Anfang Dezember sah sich sogar der Online-Computerspielehändler Steam trotz seiner cyber-begeisterten Kundschaft gezwungen, die Bitcoin-Annahme einzustellen. Die Gebühren seien rasant gestiegen - von anfangs 20 Cent pro Transaktion auf zuletzt fast 20 Dollar. Hinzu kommen die enormen Wertschwankungen. "Falls die Transaktion nicht zeitgerecht abgeschlossen wurde, kann sich der benötigte Betrag für die Bezahlung ändern", heißt es bei dem Online-Händler.

Dafür ist der Bitcoin aber in der ganz großen Finanzwelt angekommen. An den Terminbörsen, zwei große US-Börsen haben Terminkontrakte auf den Bitcoin aufgelegt. Und da funktioniert das Spekulieren im ganz großen Stil. Von einem Ende des Bitcoin also keine Spur.

bs

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