Bitcoin-Absturz

Goldman Sachs bleibt doch dabei Wie gehts weiter mit dem Bitcoin?

Stand: 07.09.2018, 12:02 Uhr

Zwei Tage Atem anhalten, der Bitcoin bricht ein. Wieder einmal. Weil Goldman Sachs angeblich raus ist aus dem Markt. Wars das jetzt mit dem Bitcoin-Hype? Goldman Sachs bleibt jedenfalls im Geschäft.

Bitcoin in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Crypto Currencies für den Zeitraum Intraday
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Der Bitcoin hat sich wieder ins Gespräch gebracht. Wie so oft in den letzten Monaten mit Negativ-Schlagzeilen. Es gab einen kleinen Crash. In nicht einmal 14 Stunden büßte die Kryptowährung mehr als 1.000 Dollar an Wert ein. Andere Kryptowährungen gerieten unter die Räder. Nach den zwei turbulenten Tagen herrscht heute vorsichtiges Innehalten. Wars das mit dem Crash? Ist das nur ein Zwischentief? Oder wars das komplett mit dem Bitcoin, ist die Goldgräberstimmung endgültig passé und der jüngste Kurssturz nur ein Vorbote auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit?

Fake News

Zunächst einmal sind starke Preisschwankungen bei Digitalwährungen keine Besonderheit. Der Auslöser der jüngsten Verluste war ein Bericht über Goldman Sachs, wonach die US-Investmentbank ihre Pläne, einen Bitcoin-Trading-Desk zu eröffnen, auf Eis gelegt habe. Jetzt kam das Dementi. Finanzchef Marty Chavez stellte im Rahmen der Techcrunch-Disrupt-Konferenz in San Francisco klar: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal diesen Begriff verwende, aber ich muss das als Fake News bezeichnen“, erklärte Chavez.

Keine Anleger mehr

Aber Fakt ist doch: Der Bitcoin lockt die breite Anlegerschar nicht mehr. Zu viele haben sich die Finger verbrannt. Und unzählige Betrugsfälle, Hackerangriffe auf Handelsplattformen für virtuelle Währungen und eine fehlende Regulierung haben den Ruf der Kryptowährungen ruiniert. Von Seiten privater Kleinanleger sei das Interesse weg, sagt ein Händler, der auf Bitcoin basierende Finanzprodukte anbietet.

Als der Preis für die Kryptowährung im vorigen Jahr in wenigen Wochen von 1.000 auf 20.000 Dollar in die Höhe schoss, lockte das Cyber-Geld selbst Unbedarfte. Doch das war schnell vorbei, die Preise rauschten ebenso rasant in den Keller: "Für viele war der plötzliche Preissturz ziemlich schmerzhaft und sie haben jetzt erstmal die Nase voll."

Kein Thema mehr

Auch als Gesprächsthema hat der Bitcoin an Reiz verloren. Nachdem die "Bild"-Zeitung Bitcoin und Co. Ende 2017 quasi zum Volksthema erklärt hatten, ist es inzwischen vergleichsweise ruhig geworden. Fast wunderte man sich, dass der Bitcoin doch noch zwischen 6.000 und 7.000 Euro gehandelt wird.

Auch die vormals gehypten ICOs (Initial Coin Offerings, ICOs), also Platzierungen neuer Cyber-Devisen, sind nicht mehr gefragt. Über sie wurden vor einem Jahr noch Milliardengelder eingesammelt. "Mittlerweile investiert aber kaum noch jemand in ICOs", erklärt Philipp Sandner, Professor am Frankfurt School Blockchain Center. "Es ist schwierig geworden, damit Geld zu verdienen." Viele dieser Startups können nur noch einen einen Bruchteil der Summen einsammeln, die sie ursprünglich geplant hatten.

Regeln für Vertrauen

Experten zufolge liegt die geringere Nachfrage vor allem an der mangelnden Regulierung, die Investoren vor schwarzen Schafen und Betrugsfällen schützen könnte. "Bei dem Thema ist in den USA, Großbritannien und in der EU in den vergangenen Monaten nicht viel passiert", sagt Sandner. Nur Länder wie Malta oder Luxemburg hätten Regeln für die Branche aufgestellt. Auch in der Schweiz und in manchen Ländern Asiens ist der ICO-Markt weitgehend geregelt - beziehungsweise wie in China ganz verboten.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat zwar mehrfach vor Anlagen in ICOs gewarnt, ein explizites Regelwerk dafür gibt es aber auch hierzulande nicht. "Die Branche braucht eine europaweit einheitliche Regulierung", sagt Rechtsanwalt Felix Biedermann von der Kanzlei Simmons & Simmons. An der werde aber auch schon gearbeitet. Hauptziel müsse sein, Investoren zu schützen und Vertrauen zu schaffen.

Gleichwohl sieht die EU-Kommission keine Eile, um den Markt zu regulieren. Dafür gibt es in Europa im internationalen Vergleich wohl zu wenige Anleger. Ein Großteil der Investments wird in Asien getätigt. Immerhin dürften die Euro-Finanzminister aber bei ihrem Treffen am Wochenende aber darüber diskutieren, wie Kryptowährungen in der EU reguliert werden könnten.

"Nur ein Zwischentief"

Trotz der Katerstimmung in der Branche sind Experten zuversichtlich, dass die Kryptobranche nur ein Zwischentief durchlebt. "In ein paar Monaten hat sich das Schiff wieder gedreht, da bin ich mir sicher", so Sandner. "Derzeit wird im Hintergrund viel Wissen aufgebaut und dass das geräuschloser passiert, ist gar nicht verkehrt."

Als ein wesentlicher Grund für das nachlassende Interesse der Anleger galt das bislang vergebliche Warten auf die Einführung eines börsengehandelten Indexfonds (ETF) auf Digitalwährungen. Doch im nächsten Jahr könnte es endlich welche geben. Denn die US-Börsenaufsicht SEC, die bisher alle ETF-Ansinnen ablehnte, könnte ihre Haltung ändern. Donald Trump hat nämlich einen neuen Kommissar bei der SEC eingesetzt - und der gilt als Bitcoin-freundlich.

bs