Männer-Figuren stehen auf einer Mausefalle um einen Bitcoin

Reuters berichtet Kryptowährungen: Positive Expertenstimmen käuflich?

Stand: 17.12.2018, 11:31 Uhr

Wenn Emittenten von Kryptowährungen positive Berichterstattung für ihre virtuelle Währung wünschten, werde sie einfach eingekauft: Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls ein „Special Report” der Nachrichtenagentur Reuters. Irgendwie kommt das nicht wirklich überraschend.

Wer die Nachrichten zu diesem Thema verfolgt, dürfte nicht besonders überrascht sein: Erst vor wenigen Wochen hatte die US-Börsenaufsicht SEC erstmals Prominente wegen unlauterer bezahlter Werbung für dubiose Geschäfte mit digitalen Währungen bestraft. Der ehemalige Box-Champion Floyd Mayweather und der Hip-Hop-Star DJ Khaled akzeptierten bei einem Vergleich Bußgelder in Höhe von 300.000 beziehungsweise 100.000 Dollar.

Die beiden hatten über ihre Social-Media-Kanäle „Initial Coin Offerings“ (ICOs) beworben, ohne offenzulegen, dass sie dafür bezahlt wurden. Der ehemalige Box-Weltmeister hatte beispielsweise vor einem ICO getwittert: „Ihr könnt mich ab jetzt Floyd Crypto Mayweather nennen.“

Positive Meinung gegen Geld

Das Prominente für sogenanntes Influencer Marketing in den sozialen Medien bezahlt werden, ohne dass die Follower davon wissen, ist eine Sache. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sollen auch positive Einschätzungen von Fachleuten gekauft werden können.    

Research-Häuser nähmen Bezahlungen in der Kryptowährung an, die sie analysierten. Rating-Experten bewerteten für einen Preis alles positiv, lautet das Ergebnis des „Special Reports“. Das alles sei üblich, wie mehr als zwei Dutzend Insider des Kryptowährungs-Markts übereinstimmend berichten und eingesehene Dokumente zeigen würden.

Bitcoin-Schürfen lohnt nicht mehr

Im Dezember vergangenen Jahres hatte die Bitcoin-Blase ihren Höhepunkt erreicht, als ein Bitcoin zeitweise bei über 20.000 Dollar notierte. Der Hype um digitale Währungen erreichte mit diesem Rekordstand einen neuen Höhepunkt. Auch einige Finanzanalysten ließen sich vom Krypto-Fieber anstecken und prognostizierten, dass die rasante Kursrally erst der Anfang sei.

Das Marktvolumen aller Kryptowährungen ist seit Anfang des Jahres um fast 90 Prozent auf zuletzt unter 110 Milliarden Dollar gefallen. Das bringt eine ganze Industrie in Not, die im Zuge des Booms entstand. Viele Jobs fallen weg, Hardware wird verschrottet, denn Equipment und Stromkosten etwa zum Bitcoin-Schürfen lohnen sich nicht mehr.

ts