George Soros

Mahnende Worte aus Davos Auch George Soros sieht Bitcoin-Blase

Stand: 26.01.2018, 11:09 Uhr

Die Allianz der Bitcoin-Kritiker wächst weiter: Nun hat auch der legendäre Spekulant George Soros vor dem Bitcoin gewarnt. Er sei keine Währung, sondern reine Spekulation, sagte er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Für eine Währung fehle die Stabilität, erklärte der 87-jährige Finanzinvestor. "Eine Währung, die 25 Prozent am Tage schwankt, kann nicht genutzt werden, um etwa Löhne zu zahlen."

Soros verglich - wie bereits schon viele andere Finanzexperten - den Bitcoin-Hype mit der "Tulpenmanie" aus dem 17. Jahrhundert. Damals war eine Blumen-Liebhaberei reicher Niederländer in einen irrationalen Kaufrausch umgeschlagen - bis die Tulpen-Blase platzte und die Preise ins Bodenlose fielen.

"Bitcoin wird nur langsam an Wert verlieren"

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Auch den Bitcoin hält der milliardenschwere US-Investor für "eine typische Blase". Sie werde bald platzen, aber nicht binnen kurzer Zeit. Soros rechnet damit, dass der Bitcoin langsam an Wert verliert. Seine Begründung: Diktatoren nutzten den Bitcoin, um Gelder zu verschieben.

Nicht alles freilich findet Soros schlecht beim Bitcoin. Die zugrundeliegende Blockchain-Technologie sei innovativ und könne auch zum Guten benutzt werden, sagte er am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Kryptowährungen geben nach

Bitcoin in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.298,98
Differenz relativ
-10,27%

Die Kurse zahlreicher Kryptowährungen sind am Freitag unter Druck geraten - allerdings nicht wegen der Soros-Kritik, sondern wegen Japan. Eine der größten Handelsplattformen in Japan hat Abhebungen von Kundengeldern gestoppt. Die Krypto-Börse Coincheck gab über Twitter bekannt, alle Abhebungen von Kundengeldern sowie den Handel mit allen Kryptowährungen außer Bitcoins gestoppt zu haben. Zudem würden keine Investitionen in die Kryptowährung NEM mehr angenommen, hieß es weiter. NEM ist laut der Internetseite Coinmarketcap die zehntgrößte Kryptowährung der Welt. Ihr Kurs gab am Freitag um über 15 Prozent nach. Die älteste und bekannteste Digitalwährung Bitcoin verlor auf der Handelsplattform Bitstamp über sieben Prozent an Wert.

Bitcoin-Zeichen Audio

B5 Börse 15.13 Uhr: Regulierung für den Bitcoin?

Vor Soros haben bereits renommierte Ökonomen wie Nobelpreisträger Robert Shiller sowie führende Notenbanker und Finanzaufsichtsvertreter vor der Spekulation mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen gewarnt. Die Bitcoin-Gemeinde verspottet die Skeptiker als "Warner Brothers". Auch Politiker zeigen sich zunehmend besorgt. Kryptowährungen könnten von Kriminellen genutzt werden, sagte die britische Premierministerin Theresa May in Davos und erklärte, dies beobachten zu wollen. US-Finanzminister Steven Mnuchin sagte, "gesetzeswidrige Aktivitäten" bei Kryptowährungen müssten unterbunden werden.

Soros warnt vor "totalitärem Netzwerk" von Facebook & Co

Noch bedrohlicher als der Bitcoin ist für Milliardär Soros die Macht der Internet-Giganten. Der 87-Jährige sagte, "Facebook und Google" seien "immer mächtiger werdende Monopole", die geneigt sein könnten, sich "mit autoritären Regimen" zu verbünden. Davos sei ein "guter Ort, um zu verkünden, dass ihre Tage gezählt sind", fügte Soros hinzu.

Der Investor zog einen Vergleich mit Überwachungsstaat-Szenarien aus der Science-Fiction-Literatur: Die Internet-Giganten könnten "ein totalitäres Netzwerk schaffen, wie es Aldous Huxley und George Orwell sich nicht besser hätten ausmalen können", sagte er in Anspielung auf die Romane "Schöne neue Welt" und "1984".

nb

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