Hand mit Nadel sticht in Blase mit Hochhaus

Verbriefungsmarkt? Läuft wieder! Haben wir nichts aus der Finanzkrise gelernt?

von Notker Blechner

Stand: 13.09.2019, 16:02 Uhr

Mortgage Backed Securities - diese so genannten verbrieften Immobilienkredite waren 2008 Auslöser der Finanzkrise. Elf Jahre nach der Lehman-Pleite sind die Hypothekenpapiere wieder gefragt. Wiederholt sich die Geschichte?

Immobilienkredite bündeln, verbriefen und weiterverkaufen - die Idee des Finanzprodukts war eigentlich gut durchdacht. Jahrelang lief denn auch das Geschäft mit den hypothekenbesicherten Wertpapieren, kurz MBS (Mortgage Backed Securities) prächtig. Bis plötzlich die Spekulationsblase auf dem US-Immobilienmarkt platzte und viele amerikanischen Hausbesitzer ihre Hypotheken nicht mehr bedienen konnten. Viele Banken erlitten durch die so genannte Subprime-Krise Milliardenverluste.

Verbriefungsmarkt läuft wieder

Elf Jahre später erleben die Papiere ihr kleines Comeback. Laut GAM Investments machen die hypothekenbesicherte Wertpapiere fast ein Viertel des Fixed-Income-Markts in den USA aus. Auch in Deutschland hat sich der Verbriefungsmarkt seit 2013 etwas erholt. 2018 legte die Allianz-Tochter Pimco einen Fonds für hypothekenbesicherte Papiere auf. Anleger können dadurch ihr Portfolio besser diversifizieren und höhere Renditen erzielen, behauptet Pimco.

In den vergangenen Wochen gab es angesichts der zunehmenden Negativrenditen bei Staatsanleihen einen Ansturm der Investoren auf MBS-ETFs. Laut Daten von Ultumus verzeichnete der iShares US Mortgage Backed Securities ETF im August Zuflüsse von fast 300 Millionen Dollar.

"Solides Risiko-Rendite-Verhältnis"

Nach Ansicht von Stefan Bund, Chefanalyst der Ratingagentur Scope, versprechen hypothekenbesicherte Wertpapiere ein solides Risiko-Rendite-Verhältnis. Sie böten teilweise sogar höheres Ertragswachstum als ähnliche Produkte wie Hypothekenpfandbriefe, erklärte er unlängst in einem Bericht des Magazins "Capital".

Doch so ganz ungefährlich scheinen die MBS doch nicht zu sein. Mitte August wurde bekannt, dass sich der Pimco-Vorzeigefonds, der Pimco Income Fund, mit US-Hypothekenpapieren verzockt habe. Fondsmanager Dan Ivascyn, der den 130 Milliarden Dollar schweren Fonds verwaltet, musste Renditeeinbußen bei MBS hinnehmen. Sie liefen deutlich schlechter als Staats- und Unternehmensanleihen.

Schrumpfende Renditen

Die Anlageklasse mit einem Volumen von 8,4 Billionen Dollar, die von den staatlichen Finanzierern Freddie Mac, Fannie Mae und Ginnie Mae garantiert wird, leidet unter dem raschen Verfall der Anleiherenditen. Investoren fürchten, dass viele Hausbesitzer die sinkenden Zinsen nutzen, um die Hypotheken zu refinanzieren. Die MBS-Anleger bekommen dann ihr Geld zurück - und sind in der Verlegenheit, es neu und voraussichtlich mit geringeren Renditen anzulegen.

Trotzdem halten Experten die Risiken für überschaubar. Die Hypothekendarlehen, die einst die Subprime-Krise in den USA ausgelöst hatten, seien in ihrem Design mangelhaft gewesen, meint Scope-Chefanalyst Bund. Zudem seien die Papiere in Europa und in den USA nicht zu vergleichen. Die Ausfallrate verbriefter amerikanischer Wohnimmobilien-Kredite habe schon vor dem Platzen der Blase zwischen drei und 15 Prozent gelegen, während sie in Deutschland höchstens ein Prozent betrug, Kredite mit schlechter Bonität wie in den USA würden hierzulande kaum vergeben.

Burry warnt vor ETF-Blase

Christian Bale als Michael Burry in

Christian Bale als Michael Burry in "The Big Short". | Bildquelle: picture alliance / dpa

Laut Hedgefonds-Manager Michael Burry, der das Platzen der Immobilienblase vorausgesehen hatte und durch den Film "The Big Short" bekannt wurde, droht inzwischen an ganz anderer Front eine Blase: am ETF-Markt. Die Index-Fonds blähten die Märkte künstlich auf. Sie verzerrten die Preise für Aktien und Bonds. Wenn es hier zu Abflüssen käme, würde es böse enden. "Wie bei den meisten Blasen gilt: Je länger es so weitergeht, desto schlimmer wird der Crash", prophezeit Burry.