A380 Cockpit

Geschlossene Flugzeugfonds Verschrotten soll A380-Investments retten

Stand: 03.08.2018, 16:04 Uhr

Singapore Airlines verabschiedet sich von ersten A380-Maschinen und keiner will sie haben. Dem geschlossenen Fonds, dem die Maschinen gehören, bleibt nur ein Ausweg: Zerlegen und die Einzelteile verkaufen.

"Eine neue Dimension des Fliegens", so bewarb Erstkunde Singapore Airlines vor etwas mehr als zehn Jahren die Aufnahme des Airbus A380 in seine Flotte. Damals zahlten Fluggäste mehr als 50.000 Dollar, um beim Erstflug dabei zu sein. Und nicht nur sie nahmen sehr viel Geld in die Hand. Viele Anleger aus Deutschland investierten ihr Geld über geschlossene Fonds in das größte Passagierflugzeug der Welt.

21 Großraumjets gehören deutschen Fondsgesellschaften

Nach Angaben der Ratingagentur Scope wurden in Deutschland zwischen 2006 und 2016 insgesamt 70 Flugzeugfonds mit einem Eigenkapitalvolumen von 3,2 Milliarden Euro emittiert, mit denen 86 Flugzeuge erworben wurden. 20 Fonds davon erwarben 21 Flugzeuge vom Typ A380, Eigenkapitalvolumen: 1,6 Milliarden Euro.

Emittiertes Eigenkapital nach Flugzeuggröße und Flugzeugfamilie (2006 - 2016)

Emittiertes Eigenkapital nach Flugzeuggröße und Flugzeugfamilie. | Bildquelle: Scope Analysis, Grafik: boerse.ARD.de

Von Anfang an mit dabei war die Dr. Peters Group aus Dortmund. Die Finanz- und Management Holding legte gleich neun A380 Fonds auf. Diese kauften 16 Flugzeuge, von denen fünf an Air France und vier an Singapore Airlines verleast wurden. Die Erwartung der Anleger: Wie bei anderen Flugzeugtypen könnten in 15 Jahren Renditen von mehr als sieben Prozent herausspringen - vorausgesetzt: alles läuft gut.

Boeing 787 der ANA All Nippon Airways in Tokio

Viele Airlines fliegen lieber den Dreamliner. | Bildquelle: Imago

Zwar fliegen derzeit mehr als zweihundert A380 durch die Welt, davon mehr als hundert für Emirates. Doch anstelle des Doppeldeckers mit seinen vier Triebwerken, fliegen die Airlines ihre Langstrecken mittlerweile lieber mit kleineren Maschinen der Typen Boeing 777, Boeing 787 und Airbus A350. Eine Strategie, der nun auch A380-Erstkunde Singapur Airlines folgt. Vorbei die Dekade der "neuen Dimension des Fliegens".

"Diese Entwicklung hat keiner erwartet"

Das hat auch Folgen für die Dr. Peters-Anleger: Singapore Airlines hat die Leasingverträge für die ersten vier A380 nicht verlängert. Und keine andere Airline will die gerade einmal zehn Jahre alten Maschinen auf dem Sekundärmarkt haben. "Diese Entwicklung hat bei uns keiner so erwartet", sagt eine Unternehmenssprecherin. Weil sich keine andere Lösung bot, habe die Fondsgesellschaft ihren Anlegern die Zerlegung der ersten zwei A380 nahegelegt.

Flugzeug Verschrottung

In Einzelteile zerlegen und Verkaufen - das Ende des A380?. | Bildquelle: (c) dpa

Zwei Maschinen stehen bereits zur Zerlegung in Tarbes-Lourdes, Südfrankreich. Bis auf Weiteres seien die Triebwerke an den Hersteller Rolls Royce verleast. Das decke die aktuellen Tilgungszahlungen. Die bei der Zerlegung gewonnenen Einzelteile sollen dann auf dem Markt für Gebrauchtteile noch Erlöse von 40 bis 50 Millionen bringen - und am Ende immerhin noch eine Rendite von zwei bis drei Prozent für die Anleger.

Ob dieses Schicksal auch die zwei anderen Singapore Airlines-Maschinen aus dem dritten Dr. Peters-Fonds teilen, soll sich in der vierten Jahreshälfte zeigen. Dann sei entschieden, ob die Maschinen von einer renommierten großen Fluggesellschaft übernommen würden. Ganz anders sei das bei den von Air France betriebenen Maschinen: Dort gebe es keine Pläne, die Verträge auslaufen zu lassen.

A380-Happy End im Charterverkehr?

"Alle haben sich immer gefragt, was ein gebrauchter A380 kostet. Die Urteile der Gutachter gingen immer weit auseinander", sagt André Fischer von der Ratingagentur Scope. "Deswegen schauen jetzt alle auf das, was bei Dr. Peters passiert."

Airbus A380 von HiFly auf dem Rollfeld

Airbus A380 im Charterdienst von HiFly. | Bildquelle: HiFly

Aber vielleicht gibt es doch noch ein A380-Happy End: Der portugiesische Flugzeugvermieter Hi Fly hat von der deutschen Leasinggesellschaft Doric eine gebrauchte Singapore Airlines-Maschine übernommen. Bereits jetzt ist die Nachfrage hoch nach dem Charter-A380. Der Tourismus-Konzern Thomas Cook hat die Maschine schon genutzt, um hunderte auf Zypern gestrandete Passagiere nach Hause zu bringen. Der erste längerfristige Kunde heißt Norwegian Air Shuttle und soll zwischen London und New York fliegen.

Hi Fly ist so zufrieden, dass bereits im nächsten Jahr eine weitere Maschine übernommen werden soll. Das ist ein Happy End auch für die Anleger des A380-Fonds von Doric: Bis zum Jahr 2024 sollen sie eine Gesamtausschüttung von insgesamt 175 bis 200 Prozent ihrer Kapitalanlage erhalten.

1/20

Hier fliegt der Großraum-Airbus A380

A380 Jungfernflug am 27.04.2005

Der A380 - eine europäische Vision wird Realität
Jahrzehntelang war die amerikanische Boeing 747 die Königin der Lüfte. Nachdem ein gemeinsames Großflugzeug-Projekt von den Airbus-Gesellschaftern und Boeing nicht zustande kam, machten sich im April 1996 die Entwickler von Airbus daran, selbst ein Großflugzeug zu entwickeln. Ab Dezember 2000 gab es dann das offizielle "Go-Ahead" zum Bau der ersten Flugzeuge.