Mann mit schwebender Weltkugel, davor MSCI World-Chart
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MSCI All Country World Weltinvestment mit Klumpenrisiko

Stand: 02.10.2017, 11:42 Uhr

Die ganze Welt in einem Anlageprodukt? Das versprechen Indexfonds auf einen Weltindex, der nicht nur Aktien aus Industrieländern, sondern auch aus Emerging Markets abbildet. Dabei ergibt sich allerdings fast zwangsläufig eine hohe Gewichtung einer ganz bestimmten Region.

Die "Welt" des Weltindex MSCI All Country World besteht in Wahrheit zu mehr als der Hälfte aus US-Titeln: Bei 52,1 Prozent liegt der Anteil von Apple, Microsoft, Amazon, Facebook & Co. Die Systematik des Index' ist klar, führt aber zu einer ebenso klaren regionalen Schwerpunktbildung: Da der Index und entsprechend auch alle auf ihn lautenden Indexfonds (ETFs) Aktien nach ihrem Börsenwert einstufen, machen die Giganten in Sachen Marktkapitalisierung auch einen gewaltigen Anteil am Fondsvermögen aus.

High-Tech im Übergewicht?

Und da derzeit Technologieaktien innerhalb der USA die größten Börsenschwergewichte sind, handelt sich der Anleger im Weltindex auch einen entsprechend hohen "High-Tech"-Anteil ein. Das sah noch vor wenigen Jahren etwas anders aus, als der Mischkonzern General Electric und später dann der Ölmulti ExxonMobil die Rangliste der wertvollsten Unternehmen dominierten. Nach den US-Aktien bilden japanische Titel (7,7 Prozent), britische (5,8 Prozent) und französische Aktien (3,5 Prozent) die nächstgrößeren Posten.

Der All Country World-Index ist der Versuch, den MSCI World Index und den MSCI Emerging Markets Index in einem Produkt abzubilden. Während der MSCI World, anders als der Name suggeriert, nur die größten Aktien der 23 wichtigsten Industrieländer abbildet, enthält der MSCI Emerging Markets Titel der 24 wichtigsten Schwellenländer. Ersterer besteht derzeit aus 1.656 Aktien, der Schwellenländerindex aus 845 Titeln. Damit kommen im umfassenden MSCI All Country World 2.501 Einzeltitel in einem Index - und damit per ETF auch in einem Anlageprodukt - zusammen. Der Index enthält damit 85 Prozent der tatsächlichen Marktkapitalisierung des Weltaktienmarktes.

Umwege zur individuellen Gewichtung

Die Indexlogik sorgt freilich dafür, dass die Schwellenländer-Aktien entsprechend ihrer Marktkapitalisierung nur einen kleinen Teil des Anlageuniversums ausmachen: Gerade einmal rund elf Prozent macht ihr Anteil am Gesamtindex aus.

Die Diversifikation, die viele Anleger mit einem "Weltinvestment" eingehen, ist daher relativ zu betrachten. Wer als Anleger bestimmte Länder oder Regionen anders gewichten will, muss einen Umweg gehen. Der könnte zum Beispiel darin bestehen, im Depot je einen ETF auf den MSCI World und den MSCI Emerging Markets zu kaufen, und dabei die Schwellenländer höher als elf Prozent zu gewichten.

Kosten beachten

Wem der Anteil an US-Werten auch im MSCI World noch zu hoch ist, müsste dann über einzelne Länderindex ein individuell gewichtetes "Weltdepot" anzulegen. Auf der Kostenseite kann sich diese Vorgehen sogar lohnen. Ein ETF auf die USA oder Deutschland kostet mit etwa 0,1 Prozent Gebühr pro Jahr deutlich weniger als ein Indexfonds auf den MSCI World, der ab 0,2 Prozent jährlich zu haben ist. ETFs auf den MSCI All Country World schlagen sogar mit jährlichen Gebühren zwischen 0,4 und 0,6 Prozent zu Buche. Produkte auf Schwellenländer kosten durchaus auch 0,5 bis 1,0 Prozent pro anno. Zu beachten sind bei einer ganzen Reihe von Fondskäufen wiederum Transaktionskosten, je dann womöglich höher ausfallen als beim Kauf nur eines Produkts.

Wer sich also die Anlagewelt so zusammenstellen möchte, wie sie ihm gefällt, muss durchaus etwas mehr Mühe aufwenden. Der MSCI All Country World bleibt eine Option für alle Anleger, die eine einfache Lösung suchen, bei der klar nach Börsengewicht sortiert wird - auch um den Preis einer starken US-Gewichtung.

AB