ETF-Buchstaben aus Euroscheinen

Index-Neuordnung der Deutschen Börse Was ändert sich für ETF-Besitzer?

Stand: 24.09.2018, 06:45 Uhr

Die deutschen Börsenindizes ändern ihr Gesicht heute radikal. MDax und SDax werden größer, der TecDax bekommt einen neuen Charakter. Worauf müssen sich ETF-Besitzer einstellen?

Technologie ist quasi überall. Im Zeitalter der Digitalisierung steckt Technologie in irgendeiner Form in jedem Unternehmen. Eine Unterscheidung von Technologieunternehmen und Industrieunternehmen scheint daher nicht mehr zeitgemäß. Die Deutsche Börse ist daher den Zeichen der Zeit gefolgt und hat ihre Indexfamilien zum heutigen 24. September neu geordnet. Sie trennt in ihren Haupt-Indizes künftig nicht mehr zwischen Technologieaktien und anderen Aktien.

Schöne neue Index-Welt

Mann mit schwebender Weltkugel, davor MSCI World-Chart

Die TecDax-Firmen werden auf MDax und SDax aufgeteilt. Der MDax hat von nun an 60 statt bisher 50 Aktien, der SDax sogar 70 statt 50. Der TecDax bleibt bestehen, aber nur für Zweitnotierungen. Dort können MDax- und SDax-Werte und sogar Dax-Schwergewichte sein.

TecDax-Aktien können von nun an in alle anderen Indizes aufgenommen werden. Umgekehrt können auch technologielastige Dax-Aktien im TecDax gelistet werden. Für den TecDax, den Technologieindex der Deutschen Börse, bedeutet das einerseits eine Aufwertung. Es gibt nämlich gewichtige Neuzugänge wie SAP, Infineon und Deutsche Telekom. Zusammen mit dem Dax-Aufsteiger Wirecard machen sie künftig gut 40 Prozent des Index' aus. Allerdings: Die Umstellung ist zugleich eine Degradierung. Der Index wird nämlich zum reinen Zweit-Index.

Große Bewegungen

Es ist auch nicht nur eine Sache der Reputation und Bedeutsamkeit. Die Index-Umstellung brachte vor allem reichlich Bewegung in die Börsenaktivitäten. Denn Großinvestoren wie etwa Fonds oder ETFs (Exchange Traded Funds), die die Indizes exakt nachbilden, mussten zur Indexumstellung zahlreiche Aktien kaufen und verkaufen. Zum Beispiel mussten Dax-ETFs Commerzbank-Aktien, die den Dax verlassen, verkaufen und stattdessen Wirecard kaufen.

Um die Größe des Events zu veranschaulichen: Allein in den sechs größten Dax-ETFs stecken in diesem Jahr 16 Milliarden Euro Anlegergeld, was 1,5 Prozent aller 30 Dax-Aktien entspricht.

Große Herausforderungen

Für die ETF-Anbieter bedeutete die Umstellung eine große Herausforderung. Der größte der Branche, Blackrock, berichtete im Interview, man arbeite eng mit Brokern zusammen, um plötzliche Marktbewegungen infolge der Umstellung zu vermeiden. Blackrock hat einiges Gewicht, allein im deutschen Aktienbarometer Dax besitzt der Vermögensverwalter von jedem Unternehmen zwischen drei und sieben Prozent der Anteile. Die Umstellung schafft daher selbst eine Größe wie Blackrock nicht allein, der Vermögensverwalter arbeitet mit rund 750 Brokern und Investmenthäusern weltweit zusammen.

Viele Fondsmanager haben zudem das Problem, dass laut Investmentgesetz keine Einzelposition eines Fonds mehr als zehn Prozent des Gesamtvolumens ausmachen darf. Kommen nun Schwergewichte in einen kleinen Index, ist diese Grenze schnell erreicht.

Fidelity begrüßt

Dennoch fällt das Resümee der Finanzexperten zur neuen Indexwelt insgesamt positiv aus. Denn nun könnten sich Investoren sicher sein, dass Dax, MDax und SDax die größten deutschen Börsenwerte repräsentieren, so das Deutsche Aktieninstitut.

So begrüßt etwa Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des Germany Fund bei Fidelity die Umstellung des TecDax. Mit dem Doppel-Listing verschwimme die Abgrenzung zwischen klassischen Dax-Unternehmen und den Techfirmen. Das entspreche den Veränderungen in der deutschen Wirtschaft. So gebe es im Mediensektor ein Unternehmen, das früher seinen Hauptumsatz im Printgeschäft gemacht habe und heute über 70 Prozent seines Umsatzes mit digitalen Geschäftsmodellen erwirtschafte. Die Rede ist von Axel Springer. Zudem seien solche Doppel-Listings auch im internationalen Vergleich üblich. "Wir begrüßen daher die Umstellung des TecDax".

Was ändert sich für ETF-Anleger?

Aus Sicht der Verbraucher hat sich nicht allzu viel geändert, wie Annabel Oelmann aus dem Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen erklärte. "Verbraucher, die mit einer langfristigen Anlagestrategie in den Dax-Werten investiert sind, werden auch nach der Neuordnung ein risikodiversifiziertes und sehr liquides Wertpapier in ihrem Depot haben", sagte sie im Interview mit dem ETF-Magazin "Extra-Funds".

Auch wenn sich die Gewichtung innerhalb der Dax-Familie verschiebt, und gerade im TecDax kleinere Emittenten durch die Aufnahme der größeren Werte verschwunden sind - Fluktuation und Verschiebungen innerhalb der Indizes seien nicht neu. "Die Neuordnung wird für das eine oder andere Unternehmen erhebliche Konsequenzen haben, weniger aber für Verbraucher, die mit einem ETF ohnehin risikogestreut investiert sind", so Oelmann. "Daher stehe ich dieser Neuordnung nicht kritisch gegenüber."

bs

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