Sale, Rabattschlacht

Wettbewerb um Marktanteile Vanguard heizt ETF-Rabattschlacht an

Stand: 23.10.2019, 11:27 Uhr

Der ETF-Boom ist ungebrochen. Privatanleger kaufen zunehmend Index-Fonds. Das Geschäft lockt immer mehr Anbieter an. Der verschärfte Wettbewerb führt dazu, dass die Gebühren gesenkt werden. Nun forcieren Vanguard und die Deutsche Börse den Preiskampf.

Vor fast 40 Jahren gründete John Bogle Vanguard und sorgte mit dem ersten aufgelegten Indexfonds für Aufruhr in der Geldanlage-Branche. Jetzt läutet der US-Vermögensverwalter die nächste Runde der Rabattschlacht bei ETFs ein. Am Mittwoch kündigte Vanguard an, die Gebühren für 13 ETFs und 18 Indexfonds zu senken. Die laufenden Kosten bei den Vanguard-ETFs betragen künftig in Deutschland durchschnittlich nur noch 0,12 Prozent. "Es wird höchste Zeit, dass Anlageprodukte für Anleger kostengünstiger und weniger komplex werden", erklärte Sean Hagerty, Leiter des Europageschäfts, den Schritt.

Bereits im Sommer hatte Amundi den Preiskampf bei ETFs angeheizt. Die Franzosen verlangen künftig für ihre neun Aktien- und Anleihen-ETFs unter der Marke "Amundi Prime" nur noch eine jährliche Gebühr von 0,05 Prozent.

Deutsche Börse schafft Transaktionsgebühren für ETF-Sparpläne ab

Auch die Deutsche Börse will dazu beitragen, dass die ETFs noch billiger und attraktiver für Privatanleger werden. Am Dienstag kündigte Vorstandsmitglied Hauke Stars an, dass die Börse auf Xetra keine Transaktionsgebühren mehr bei der Ausführung von ETF-Sparplänen und bei Orders von Robo-Advisors erhebe. Bisher bewegten sich laut "Handelsblatt" die Gebühren in einer breiten Spanne zwischen 60 Cent und 24 Euro – abhängig von der Ordergröße. 

Die "Aldisierung" der ETFs läuft seit Jahren. Nach Angaben von Morningstar sanken die Gebühren für Aktien-ETFs in Europa seit der Finanzkrise um rund 0,1 Prozentpunkte auf durchschnittlich 0,36 Prozent.

Bald gebührenfreie ETFs?

Die Rabattschlacht dürfte nach Einschätzung von Experten weitergehen. Sie halten es für möglich, dass es bald gar Lockvogel-Angebote mit null Gebühren geben werde. In den USA haben jüngst Fidelity, Charles Schwab und E-Trade die Gebühren für den Online-Handel mit Aktien und ETFs gestrichen. Die digitale Finanzplattform Sofi brachte im Frühjahr den ersten gebührenfreien ETF auf den Markt.

In Deutschland bieten beispielsweise die Online-Broker ING Diba und Trade Republic provisionsfreien Handel von ETFs auf ihrer Plattform an. Seit kurzem lockt auch die Sutor Bank die Anleger mit kostenfreien Wertpapierhandel an. Auf JustTrade können sie über die beiden Börsen LS Exchange und Quotrix sowie im außerbörslichen Direkthandel unter anderem Aktien, ETFs und Zertifikate handeln.

Blackrock dominiert den Markt

Bisher dominiert Blackrock den europäischen ETF-Markt mit einem Marktanteil von 50 Prozent. Dahinter folgen weit abgeschlagen die Deutsche Bank und die französische Lyxor Asset Management (Société Générale). Nummer vier ist die UBS vor Amundi. Vanguard ist mit einem Marktanteil von rund fünf Prozent der sechstgrößte Anbieter in Europa.

Branchenbeoachter begrüßen die Rabattschlacht. "Nur bei ETFs gibt es einen Preiswettbewerb", sagt Professor Lutz Johanning, Inhaber des Lehrstuhls für Empirische Kapitalmarktforschung an der WHU – Otto Beisheim School of Management. Bei aktiv gemanagten Fonds dagegen passiere so etwas nicht, dort herrsche immer noch Intransparenz.

nb