SoftBank-Chef Masayoshi Son

Pläne drohen zu platzen Softbank-Technologiefonds in der Klemme

Stand: 04.10.2019, 14:31 Uhr

Der japanische Investor Softbank hatte Pläne für den weltgrößten Technologiefonds angekündigt. Nach mehreren Patzern drohen diese Pläne jetzt zu platzen, denn es fehlt an Investoren.

Nach dem Desaster um den Büroverwalter WeWork und anderen Fehlschlägen des Vorgängerfonds werde der "Vision Fund 2" von Softbank deutlich weniger Geld einsammeln als angekündigt, sagten mehrere vertraute Personen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Ursprünglich ging der aus Japan stammende Investor Softbank davon aus, dass der neue Technologiefonds 108 Milliarden US-Dollar einsammeln wird.

Softbank Gründer hält an Plänen fest

SoftBank-Chef Masayoshi Son

SoftBank-Chef Masayoshi Son. | Bildquelle: Imago

Masayoshi Son sei fest entschlossen, die Pläne für den zweiten Technologiefonds voranzutreiben, jedoch drängten Berater ihn dazu, das Projekt zu verschieben. Seitens "Vision Fund" und dem Softbank-Konzern gab es dazu keine Stellungnahme.

Image verspielt, Verlust gemacht, Aktie tief gefallen

Vor wenigen Monaten noch galt der Vorgängerfonds "Vision Fund" als Erfolg, man sagte Softbank gute Aussichten für den Nachfolgerfonds "Vision Fund 2" nach. Im Juli erklärte der japanische Konzern, er habe Zusagen über 108 Milliarden Dollar. Namhafte Firmen wie Microsoft oder Apple wollten Geld beisteuern. Verbindliche Zusagen der Firmen gibt es Insidern zufolge aber bisher nicht.

Ausschließlich die 39 Milliarden Dollar, die Softbank selbst beisteuern möchte, sei die bislang größte Zusage, sagten mit dem Thema vertraute Personen gegenüber Reuters. Selbst hinter dieser Summe stünden aber noch Fragezeichen. Ende Juni verfügte Softbank zwar über 27,4 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln, in kommender Zeit müssen aber einige Verbindlichkeiten bedient werden.

Im Vergangenen Quartal machte Softbank dann auch noch einen Verlust. Die Aktie notiert derzeit bei rund 35 Euro auf dem tiefsten Stand seit Januar. Im vergangenen halben Jahr ist der Aktienkurs des japanischen Investors um gut 20 Prozent eingebrochen.

Investoren sind zögerlich

Wie sicher die Zusagen von Apple, Microsoft, japanischen Banken und dem britischen Geldhaus Standard Chartered für den "Vision Fund 2" sind, ist fraglich. Keines dieser Unternehmen ist bekannt dafür, Milliarden in externe Risikofonds zu stecken. Seitens japanischer Institute kämen nur geringe Summen, sagten Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

Jahr gespickt mit Rückschlägen

Das Vorgehen von Softbank: Früh in erfolgsversprechende Start-ups einsteigen, Geld für Wachstum bereitstellen und schließlich einen erfolgreichen Börsengang aufs Parkett zaubern. Im Mai ging der Fahrdienstleister Uber an die Börse. 7,6 Milliarden Dollar pumpte Softbank zuvor in das Unternehmen, welches nach seinem Debüt an der Börse massiv einstecken musste.

Auch der Börsengang der Bürochat-App Slack verlief nicht nach den Vorstellungen von Softbank. Seit dem IPO ist die Slack-Aktie an der New Yorker Börse um ganze 43 Prozent gefallen. Softbank hält immerhin 7,3 Prozent der Anteile.

Wework Co-working space in New York

Wework in New York. | Bildquelle: Imago

Zuletzt: WeWork. Statt der erhofften 47 Milliarden US-Dollar Unternehmensbewertung war zuletzt von zehn bis zwölf Milliarden US-Dollar die Rede. Trotz massiver Kritik brachte WeWork und dessen CEO Neumann den Börsengang immer weiter voran, bis Softbank-Chef Masayoshi Son sein Veto einlegte. Die Konsequenz: Der IPO wurde auf Eis gelegt, der WeWork CEO räumte seinen Platz.

Auch der mehrmals verschobene Börsengang des Ölriesen Aramco drückt die Stimmung. Derzeit ist unklar, ob und wann der IPO stattfinden soll.

Fehlschläge setzen "Vision Fund" zu

Der erste "Vision Fund" sammelte vor zwei Jahren 97 Milliarden Dollar ein und brachte dem Softbank-Chef viel Einfluss auf dem Start-up-Markt. Der Fonds ist an rund 80 Unternehmen beteiligt und konnte durchaus Erfolge verbuchen. Softbank selbst besitzt ein Drittel an dem "Vision Fund". Im Juli hatte der Konzern berichtet, mit seiner Investition in den Fonds eine Rendite von 62 Prozent erzielt zu haben.

Der fehlgeschlagene WeWork-Börsengang dürfte dem "Vision Fund" eine große Abschreibung einbrocken und die Rendite drücken. Bei bisherigen IPOs die von Softbank vorangetrieben wurden, haben sich viele Anleger verzockt und schrecken auch aus Furcht vor einer weltweiten Rezession vor neuen Investitionen zurück.

ms/rtr