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Anleger aufgepasst! Schon wieder neue Spielregeln für Offene Immobilienfonds

Stand: 22.07.2013, 10:56 Uhr

Ab dem 22. Juli gelten für Investments in Offene Immobilienfonds neue Regeln. Diese bringen erhebliche Einschränkungen für Anleger mit sich. Was Alt- und Neuanleger jetzt wissen sollten.

Für alle Neuanleger gilt ab dem 22. Juli 2013 eine zwei Jahre dauernde Ersthaltefrist. Wer also am 22. Juli kauft und gleich darauf wieder kündigt, muss bis Juli 2015 warten, ehe das Geld verfügbar ist. Auch nach dem Ablauf der Ersthaltefrist müssen die Neuanleger lange auf ihr Geld warten – es gilt eine einjährige Kündigungsfrist. Anlegerschützer monieren die neue Regelung.

»Der Anleger gibt in jedem Fall den Verkaufsauftrag, ohne zu wissen, zu welchem Preis das Geschäft endgültig abgewickelt wird.«

Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW – Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

Die neue Zwei-Klassen-Gesellschaft

Ganz anders sieht die Welt für Anleger aus, deren Anteile vor dem 22. Juli eingebucht wurden. Für sie gilt nach wie vor die alte Regelung, wonach 30.000 Euro pro Kalenderhalbjahr von Mindesthaltedauer und Kündigungsfrist befreit sind. Die Höhe dieser Summe sorgte in der Vergangenheit dafür, dass die meisten Privatanleger ihre Fondsanteile bei Bedarf börsentäglich verkaufen konnten.

Von einer solch hohen Flexibilität können Neuanleger nur träumen. "Die neue Regelung ist unter dem Aspekt der Gleichbehandlung unglücklich", moniert denn auch Sonja Knorr, Immobilienfonds-Analystin bei der Ratingagentur Scope. Auch der Branchenverband BVI hat wiederholt die unterschiedliche Behandlung der Anleger bemängelt.

Kommt die Problembranche endlich zur Ruhe?

Ob die Vorteile der Neuregelungen diese teils erheblichen Nachteile für die einzelnen Anleger aufwiegen können, bleibt abzuwarten. Der Gesetzgeber verfolgt damit jedenfalls das klare Ziel, dem Produkt Offener Immobilienfonds zu alter Stabilität zu verhelfen.

Haus in einem Eiswürfel eingefroren

Eiswürfelhaus. | Quelle: colourbox

Eine Verkaufspanik im Herbst 2008 hatte dazu geführt, dass mehr als ein Dutzend Offener Immobilienfonds die Rücknahme von Anteilen verweigern musste. Viele dieser Fonds befinden sich derzeit in Abwicklung oder sind nach wie vor eingefroren. Einen aktuellen Überblick über alle Offenen Immobilienfonds – egal ob offen, eingefroren oder in Auflösung – können Sie sich hier verschaffen.

Nach wie vor ein beliebtes Anlagevehikel

Trotz dieser unrühmlichen Geschichte erfreuen sich Offene Immobilienfonds nach wie vor großer Beliebtheit. Allein vom 1. Januar bis zum 31. Mai 2013 flossen unterm Strich fast 2,1 Milliarden Euro in diese Fonds, wie aus einer Statistik des Fondsverbandes BVI hervorgeht.

Zum Vergleich: Seit Jahresbeginn haben Anleger aus Aktienfonds 274 Millionen Euro abgezogen.

ag